weather-image

Die Kinonachmittage im „Blauen Engel“

BENNIGSEN. In der Bennigser Badeanstalt, sagt Peter Kasten, sei er quasi aufgewachsen. Sie war einer der wenigen Treffpunkte für den Bennigser und seine Altersgenossen. Geboren wurde Kasten im Jahr 1941 – in der einstigen Molkerei an der Straße Osterland.

Erinnerungen, festgehalten in Bildern und Dokumenten: Peter Kasten blickt zurück. Foto: Brinkmann-Thies

Autor:

Anne Brinkmann-Thies

Das Freibad besaß damals einen kleinen Aufenthaltsraum samt einem Krökeltisch. „Dort haben wir im Sommer fast jeden Abend gespielt“, berichtet der Bennigser. Der Verlierer musste nackt vom Drei-Meter-Turm springen. Unvergessen jener Kumpel, der es besonders schlau anstellen wollte und erst oben auf dem Turm seine Hose auszog. Er musste aus dem Wasser kommend noch einmal eine Extra-Runde an Land unten ohne hinlegen, erzählt Kasten mit einem Schmunzeln.

Er selbst war ein leidenschaftlicher Schwimmer, besitzt unter anderem ein DLRG-Abzeichen. Und war sogar einmal als Ersatz-Bademeister verpflichtet. „Ich hatte mir den Fuß gebrochen und ein Gipsbein.“ Da habe ihn der damalige Gemeindevorsteher gefragt, ob er nicht die Aufsicht übernehmen könne. Mit einer Plastiktüte über dem Fuß stand er dann am Beckenrand. Dem Schwimmen und dem Wassersportverein (WSV) ist Kasten übrigens bis heute eng verbunden geblieben. Als Fahnenträger etwa schritt er jedem Ausmarsch voran.

Der hauptamtliche Bademeister damals hieß Erich Seeder, erinnert Kasten. Der sei auch ein begnadeter Turner gewesen. Im Saal hinter dem heutigen griechischen Restaurant an der Straße Osterland gab er sein Wissen an die Jugend weiter. „Ich war auch ein guter Turner und habe es sogar zur Kreishocke gebracht“, berichtet er. Wer bei Erich Seeder allerdings vom Reck fiel, der musste eine Runde ausgeben. Ein Sturz, der ihm selbst allerdings in unauslöschlicher Erinnerung ist, ereignete sich beim Schlittschuhlaufen auf dem Teich im Bennigser Schlosspark. „Ich bin ins Eis eingebrochen. Tropfnass bin ich dann auf meinen Schlittschuhen bis nach Hause gelaufen.“

Damals sei es für die Dorfkinder üblich gewesen, im Bennigser Schlosspark zu spielen. „Ich bin mit Andreas von Bennigsen zur Schule gegangen, dem Bruder von Roderic von Bennigsen“, berichtet Kasten.

In der Bennigser Grundschule, in die Kasten im Jahr 1948 eingeschult worden ist, herrschte damals noch ein strenges Regiment.. „Unsere Lehrerin ist mit dem Rohrstock durch die Reihen gegangen.

Schläge gab es aber nur auf die linke Hand, damit jeder mit rechts weiter schreiben konnte“, so Kasten. Zu sechst saßen die Kinder auf den Bänken, auf denen Tintenfässchen eingelassen waren. Für die Lehrer gab es nicht nur Wohnungen im Schulhaus, sondern auch einen Gemüsegarten. „Da mussten auch wir Schüler helfen und Unkraut jäten“, erzählt Kasten.

Zu den Höhepunkten seiner Kindertage gehören auch die Kinobesuche. Damals gab es in der Mittelstraße noch das Gasthaus „Zum Blauen Engele“. Sonntagnachmittags saß dort Frau Niemeyer an der Kasse, die Schwiegermutter des Gastwirts Honsel.

Sie winkte die kleineren Filmfans oft großzügig durch, damit sie mitschauen durften.

Wenn Peter Kasten an seine frühesten Erinnerungen zurückdenkt, dann kommt ihm ein Heringsfass in den Sinn. Das fand aus dem fernen Norwegen seinen Weg an den Süllberg. Und das kam so: Sein Vater arbeitete bei der Post. Während des Zweiten Weltkriegs musste er nach Norwegen und schickte seiner Familie die eingelegten Fische. In einem Briefsack landeten die Heringe erst in Hannover. Dort wussten Kollegen von der Familie Kasten in Bennigsen und leiteten den Sack weiter an den Süllberg. „Meine Mutter hat die Heringe dann in einer Karre von der Post abgeholt. Alle Nachbarn haben einen Teil davon abbekommen.“

Alle bisherigen Artikel zu unserer Serie finden Sie auf unserer Homepage unter www.ndz.de/aufgewachsen.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt