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"Rintelner Lesefreunde" tauchen in die fabelhafte Welt der Astrid Lindgren ein

Die Kinder aus dem glücklichen Bullerbü

Rinteln (cok). Ob wohl noch jemand auf der Welt so offen, gütig und auch um den Kummer in der Welt wissend lächeln kann, wie die schwedische Schriftstellerin Astrid Lindgren? Ein großes Foto der Mutter von Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga und den Kindern von Bullerbü hing an der Wand über den sechs "Lesefreunden", die in der Stadtbibliothek aus den Lindgren-Büchern lasen, vor einem erwachsenen Publikum, das lachen konnte, als seien sie ein Haufen fröhlicher Kinder.

Lesen und lauschen: Astrid-Lindgren-Abend in der Stadtbibliothek

Wie gut sich Astrid Lindgrens Geschichten vorlesen lassen, ja - sie sind wirklich zum Vorlesen geschrieben! Es ist dann, als spräche die großartige Autorin direkt zu ihren Lesern, nicht nur mit den für sie typischen Einschüben, wie: "Nein, wahrhaftig!" oder "Das konnte nämlich nicht anders sein", sondern überhaupt durch die Art, wie sie ihre Hauptpersonen beschreibt, so nämlich, als säße sie in einem Kreis von Kindern, die ihr direkt zuhören. "Keiner konnte so betrübt aussehen wie Pippi, wenn sie traurig war", hört man da zum Beispiel, als Pippi Langstrumpf auch mal zur Schule gehen wollte und von der Lehrerin als nicht recht belehrbar wieder weggeschickt wird. Und gleich darauf beweist das superstarke, elternlose Mädchen den staunenden Schulkindern, dassnichts und niemand sie unterkriegen kann: "Da lob ich mir die Schulen in Argentinien" sagt sie. "In Argentinien ist es streng verboten, Schularbeiten zu machen! Manchmal kommt es vor, dass sich ein argentinisches Kind in einen Schrank schleicht und Schularbeiten macht. Aber wehe, wenn seine Mama das sieht!" Von "Michel aus Lönneberga" und "Wie er Klein-Ida an der Fahnenstange" hochzog", lasen die "Lesefreunde", von Lisabet, die sich eine Erbse in die Nase steckt und nun Angst hat, dass daraus bald eine Wicke wachsen wird; von "Lasse, Bosse und Ole, Inga, Britta und ich", den Kindern aus dem glücklichen Bullerbü, und von der frechen kleinen Lotta, die im antiautoritären Schweden so erfreulich erfrischend ihre liebenswürdig-verquere Natur ausleben darf. Frevert, Mense, Reineking (alle Namen) wechselten sich auf geschickte Weise beim Vorlesen ab und banden biographische Details aus dem Leben Astrid Lindgrens in die Lesung ein, aus denen recht gut deutlich wurde, dass die alleinerziehende Mutter oft genug Grund hatte, Kraft aus ihrer glücklichen Kindheit zu ziehen, um allerlei persönliche schwierige Situationen im späteren dennoch zu bestehen. Dass sie nur zu gut wusste, wie einsam und verloren Kinder sich fühlen können, wenn sie die Liebe vermissen müssen, zeigt sich an so vielen ihrer Geschichten. Da ist der Waisenjunge Bosse, der todunglücklich abends allein in einem Park sitzt, oder der kleine verkrüppelte "Krümel" aus den "Brüdern Löwenherz", der sterben muss, um in "Nangijala" ein neues Leben zu beginnen, in dem er zeigen kann, was in ihm steckt - ein Buch, das Hoffnung gibt, ohne den Tod zu verharmlosen. Einmal war die kleine kecke "Lotta aus der Krachmacherstraße" sogar in Rinteln! Ulrich Reineking wusste es genau, er selbst hat es nämlich auf diesem beglückenden Leseabend erzählt. Lotta besuchte die Freundinnen ihrer Mutter, "Kerstin und Viola aus dem Graebeweg", die sie nicht schlecht tyrannisiert mit den Forderungen, ab jetzt nur noch rückwärts zu gehen oder Grießbrei mit Fleischklößchen und Lakritz zu essen.

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