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Innenhof des Stifts soll neu gestaltet werden - aber wie? / Mit einfachen Mitteln undüberschaubarem Aufwand erreichen

Die Intimität und Spiritualität eines besonderen Ortes

Obernkirchen (rnk). Eine ausgeräumte, kiesbelegte Fläche mit vereinzelten Sträuchern und allerhand Sammelstücken, ein Bereich ohne allzu große Aufenthaltsqualität, kurzum: der Stiftsinnenhof präsentiert sich als "undefinierte Fläche", wie Historiker Rolf-Bernd de Groot in einem Beitrag für das "Forum Sonnenhof" betont.

Nach der grundsätzlichen Entscheidung des Förderkreises, den Innenhof neuzugestalten, hat de Groot das Thema in der letzten Ausgabe der Hauszeitung des Seniorenzentrums "Haus Sonnenhof" aufgenommen und den Zustand des Hofes detailliert beschrieben, um dann das Ziel zu formulieren: dem Hof, diesem besonderen Ort, seine "Intimität und Spiritualität" zurückzugeben. Kreuzgang und Innenhof bezeichnet de Groot als Herzstück der Anlage, das im Viereck von Wohntrakt im Osten, Konventsgebäuden mit Küche. Sprech- und Speisesaalsaal sowie den Schlafräumen im Süden und dem ältesten Bauteil, dem Westflügel lag. Das Problem: Es fehlen Hinweise, welche Bedeutung der Hofanlage zukam, wie sie gestaltet war, ob es eine Gartennutzung gab - auch ein intensives Studium der Rechnungsbücher des Propstes ergab keine brauchbaren Hinweise. Ein Foto aus dem Jahre 1898 zeigt den Hof ohne Gestaltung, mit einer Art efeuberanktem Rondell und dem abgebrochenen Säulenstumpf. Eine Nutzung als Friedhof ist nicht zu erkennen, zumal, so erklärt de Groot, mindestens seit 1816 die Stiftsdamen aus hygienischen Gründen gezwungen waren, sich auf dem neuen Friedhof an der Rintelner Straße beisetzen zu lassen. Als die Stiftsanlage seit 1901 modernisiert und restauriert wird, weil sie als Frauenschule des Reifensteiner Verbandes genutzt werden soll, gerät auch der Innenhof wieder in den Focus des Interesses: Mit dem Rondell als Zentrum wird das Wegekreuz als mittelalterliches Kreuzgang gärtnerisch neu verwirklicht, historisierend aber nicht nachgewiesen, schreibt De Groot. Die geometrische Aufteilung mit vier aufeinander zulaufenden Wegen oder Wasserrinnen geht auf die symbolischen Kennzeichen des Gartenparadieses der persischen Traditionen zurück, erklärt der Historiker: Assoziiert werden mit ihnen die vier Flüsse des Paradieses, also Nil, Euphrat, Tigris und Jordan. Zwar hat das Wegekreuzprinzip für Obernkirchen keinen geschichtlichen Hintergrund, aber es wird bis zur Auflösung der Landfrauenschule 1970 aufrechterhalten und setzt sich als "klösterlicher Klassiker" in den Köpfen der Obernkirchener fest, befindet de Groot. Die Maiden wussten den Innenhof gut zu nutzen: für den Unterricht, für kreative Pausen, aber auch als Kulisse für Theateraufführungen und zur Repräsentation. Die Landschaftsarchitektin Kerstin Liesecke präsentierte nun einen ruhigen und zurückhaltenden Vorschlagskatalog; schließlich, so de Groot, wolle man nicht "irgendeinen erträumten oder vermuteten Zustand wiederherstellen, für den es keine Befunde gibt". Geplant ist einen große, zentrale Rasenfläche, die weder Nutzungen ausschließt nochvorschreibt. Ein umlaufender Weg lädt zum kontemplativen Spaziergang ein, so lasse sich die geschlossene, spätmittelalterliche Architektur des Vierecks und verschiedenen Perspektiven entdecken und wahrnehmen. Auf jeden Fall werden die gut erhaltenen Bleiverglasungen der Rundbögen wieder freigelegt, um dann auch "sinnfällig" (de Groot) die engen Beziehungen zwischen Stiftskirche und Stift, den Blickkontakt zwischen Kirchengemeinde und dem Kapitel dokumentieren. Der architektonische Bruch durch den neogotischen Ostflügel könne vielleicht durch einen einzelnen Baum optisch gemildert werden. Wie geht es weiter? "Ein Anfang ist gemacht, ein lohnendes Projekt ist angestoßen", meint de Groot. Am Ende des Entwicklungsprozesses für die Neugestaltung sollte ein Vorschlag stehen, mit dem alle zufrieden sind und der mit einfachen Mitteln mit überschaubaren Aufwand und in absehbarer Zeit umzusetzen ist. Denn generell sei es höchst erfreulich, "dass dieser einzigartige Ort eine würdige Gestaltung erhält, ein Bereich der Stille und der inneren Einkehr bleibt, aber auch fröhlichen Menschen bei Musik und Gesprächen Platz bietet".




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