weather-image

Die heimischen Bauern kämpfen mit der Dürre

BAD MÜNDER. Da muss man kein Experte sein: Satt grüne Wiesen sind im Deister-Sünteltal schon seit Wochen etwas, das es einfach nicht mehr gibt. Seit Anfang Juni ist kein nennenswerter Niederschlag gefallen – und das trifft die Landwirtschaft allgemein, die Betriebe mit Viehhaltung im Besonderen.

Staubtrockene Böden, verdorrte Pflanzen: Eine Kuh auf einer Weide bei Hachmühlen. Foto: jhr
Jens

Autor

Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Milchkühe finden auf den Weiden keine ausreichende Nahrung mehr. Schon jetzt im August muss auf das Futter zurückgegriffen werden, das die Tiere durch den Winter bringen sollte. Wer die Tiere noch auf der Weide hält, muss zufüttern. Von einer „durchaus ernsten Situation“ spricht Thomas Wille vom Bauernverband Weserbergland. Not-Ernte, Notfutter, Nutztierhalter, die ihre Bestände reduzieren – und doch will Wille nicht den Eindruck aufkommen lassen, dass heimische Bauern jammern. Daher ist er auch alles andere als glücklich über die Forderung seines obersten Chefs: Der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, hatte angesichts einer Ausnahmesituation Hilfen für die deutschen Landwirte in Höhe von rund einer Milliarde Euro gefordert.

Wille sieht das kritisch: Nicht nur, dass die geradezu reflexartig einsetzende Diskussion um die Berechtigung einer Milliardenforderung den Landwirten kaum helfe – er verweist auch darauf, dass es kaum Futter am Markt gebe, das gekauft werden könne. Wille konzentriert sich lieber auf Lösungen, die die die Situation entspannen können. Eine davon: das Ernten sogenannter ökologischer Vorrangflächen ausnahmsweise für Futterzwecke. Entsprechende Abstimmungen zwischen Berlin und Brüssel laufen derzeit. Zwischenfrüchte wie Lupinen oder Erbsen könnten zu Futterzwecken angebaut werden.

Die Situation auf den Wiesen hat auch Jürgen Kinast im Blick. Er betreibt in Beber den größten Milchviehbetrieb der Stadt. Auf Wiesen sind seine Tiere derzeit aber kaum zu sehen – dort gibt es kein Futter mehr. „So fünfzig bis siebzig Stück haben wir zu dieser Zeit sonst immer draußen. Aktuell sind es sieben“, sagt Kinast. Er hält die Kühe im Stall, das hat neben der besseren Futtermöglichkeit zudem den Vorteil, dass die Tiere im Schatten stehen können. Und: Große Ventilatoren und ein ausgeklügelte Wasservernebelung sorgen dort für erträgliche Temperaturen.

Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen muss Kinast auch keine Einschnitte beim Futter machen. Der Grasschnitt sei in der Tat schlecht gewesen: Der erste Schnitt noch „vernünftig“, der zweite habe aber bereits nur noch die Hälfte des normalen Ertrages gebracht. Weitere Schnitte seien komplett ausgefallen. Seine Bilanz: „Rund 60 Prozent weniger insgesamt.“ Echte Sorgen bereitet das Kinast aber nicht: Er profitiert noch vom sehr nassen vergangenen Jahr. „Gras und Mais sind letztes Jahr sehr gut gewachsen, wir haben mehr geerntet als erwartet“, sagt Kinast. Und angesichts des prognostizierten trockenen Sommers 2018 hatte er vorgesorgt.

Rund 100 Tiere versorgt auch Landwirt Maik Wesemann in Egestorf – und die meisten davon hält er derzeit in der Nähe seines Hofes. Auf seinen Wiesen gibt es kein Futter mehr, und wenn er zufüttern muss, lässt sich das am Hof mit geringerem Aufwand erledigen. Futtermangel gibt es auch bei Wesemann noch nicht. „2003 hatten wir eine ähnliche Situation. Da haben wir dann auch die Brachen gemäht – und das Futter dann doch nicht gebraucht, weil es im Herbst regnete und das Gras ordentlich wuchs“, sagt er – und hofft dringend auf eine Wiederholung mit ordentlich Regen.

Der heimische Landvolk-Sprecher Wille kennt aktuell aber auch Ankündigungen von Viehhaltern, die aus Futtermangel ihre Bestände reduzieren und Tiere in die Schlachthöfe geben müssen. Jürgen Kinast kann das in der derzeitigen Lage nur schwer nachvollziehen, zumal es Alternativen gebe. Beim Ausfall von Gras könne auch auf Raufutter wie Stroh im Zusammenspiel mit Kraftfutter gesetzt werden. Auch Rübenschnitzel könnten verfüttert werden.

Für Kinast zeigt die aktuelle Situation aber auch, wie wichtig eine gute Vernetzung der Landwirte ist. Es gebe auch aktuell Kollegen, die Futter abgeben – während andere suchen. Für Kinast wäre eine lokale Börse beim Landvolk, das die Akteure vor Ort kenne, eine gute Möglichkeit, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. Eine Idee, auf die gerade auch die Landwirtschaftskammer und landwirtschaftliche Beratungsorganisationen gekommen sind: Sie reagieren mit einer „Grundfutterbörse“ und wollen so schnelle Hilfe bei Futtermangel ermöglichen.

www.lwk-niedersachsen.de/marktportal



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt