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Die große Jagd auf Temposünder

Bad Münder. Der dunkelgrüne VW-Bulli ist von der Fahrbahn aus nicht zu sehen. Kai Schröder und Martin Schmidt* haben ihn in einem Feldweg geparkt, und der liegt direkt im Schatten der Eisenbahnbrücke an der B 217. Sehen können Autofahrer auf der Bundesstraße allerdings das, was Schröder und Schmidt an Kamera- und Messausrüstung am Fahrbahnrand aufgebaut haben – wenn sie nicht zu schnell unterwegs sind. Und selbst dann ist es schwierig, den roten Blitz nicht wahrzunehmen, der für ein perfekt ausgeleuchtetes Foto sorgt. Die beiden Mitarbeiter von Team Verkehrswesen des Landkreises begleiteten Blitzmarathon der Polizei zwischen Hachmühlen und Hasperde.

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Ihren Messpunkt haben Schröder und Schmidt mit Bedacht gewählt. Zwei Fahrspuren in jede Fahrtrichtung, dazu eine Mittelleitplanke, die nächste Ampel weit entfernt – da tritt der eine oder andere Autofahrer das Gaspedal schon mal durch. Und genau auf diese Kandidaten haben es die beiden Landkreis-Mitarbeiter abgesehen. „Uns geht es nicht darum, jede kleine Geschwindigkeitsüberschreitung zu ahnden“, sagt Schmidt. Sie suchen nach den Fahrern, die ganz bewusst mit hoher Geschwindigkeit unterwegs sind.

100 Kilometer pro Stunde sind im Messbereich unter der Eisenbahnbrücke erlaubt, auf 115 Stundenkilometer hat Schröder den Schwellenwert eingestellt, ab dem das komplexe System aus Lichtschranken im Einseitensensor, Kamera und Blitz ein Foto schießt. „Wer mit 120 Sachen und mehr unterwegs ist, der fährt bewusst zu schnell“, erklärt Schmidt – und dann entbrennt auch so etwas wie Jagdinstinkt am Kontrollmonitor im VW-Bus. Im Team Verkehrswesen kann jeder Mitarbeiter Geschichten von Autofahrern erzählen, die sich und andere durch extreme Geschwindigkeitsüberschreitungen gefährden. „100 Sachen am Ortsausgang, wo 50 erlaubt sind – und dann kommt der Fahrer noch zurück und fragt, ob er viel zu schnell war – da weiß man dann nicht mehr, ob man weinen oder schon wieder lachen soll“, berichtet Schmidt.

Genau um diese Gruppe der Autofahrer geht es auch Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius, der mit seinem Länderkollegen den übergreifenden Blitzmarathon vereinbart hatte. Raserei sei alles andere als ein Kavaliersdelikt und könne tödlich enden, so Pistorius. Allein in den ersten drei Monaten 2014 gab es auf niedersächsischen Straßen rund 25 Prozent mehr tödlich Verunglückte (86 Todesopfer) als im Vorjahreszeitraum.

Die ganz großen Geschwindigkeitsüberschreitungen bleiben gestern im Einsatzbereich von Schmidt und Schröder aus. Einmal löst die Kamera bei 142 Stundenkilometern aus – auf dem Foto ist ein Notarztwagen mit Blaulicht zu sehen. Andere Fahrer werden im Verwarngeld-Bereich geblitzt, sind nicht mehr als 21 Stundenkilometer zu schnell. „Ein ausgesprochen ruhiger Tag. Nicht einmal zwei Prozent der Fahrer fallen negativ auf – das sieht sonst ganz anders aus“, sagt Schmidt. Die Erklärung liefern die beiden Landkreis-Mitarbeiter aber gleich mit: Ihre Messstation wie auch der gesamte Blitzmarathon mit anderen Messpunkten war im Vorfeld angekündigt worden.

Übersehen haben musste diese Ankündigung der Fahrer des Fahrzeugs mit Münchener Kennzeichnen, den Polizeikommissar Daniel von Hagen und seine Kollegen des Polizeikommissariats Bad Münder am Vormittag bei Eimbeckhausen stoppten. 150 Stundenkilometer auf der Umgehungsstraße Eimbeckhausen wurden mit der Laserpistole gemessen, nach Abzug der Toleranz wurden dem Fahrer 145 statt erlaubter 100 Stundenkilometer vorgeworfen – genug für ein Monat Fahrverbot. Gemeinsam mit Kollegen aus dem Bereich Bad Nenndorf hatten die münderschen Beamten die Umgehungsstraße als Messpunkt ausgesucht, weil auch dort in den vergangenen Monaten nach Wahrnehmung der Polizei sehr oft zu schnell gefahren wurde. Zwei weitere Anzeigen wegen deutlicher Geschwindigkeitsüberschreitungen schrieben von Hagen und seine Kollegen bei Eimbeckhausen, in elf Fällen kamen Fahrer mit Verwarnungen davon. Die Ergebnisse des länderübergreifenden Blitzmarathons sollen heute bekannt gegeben werden.

(*Namen von der Redaktion geändert) jhr



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