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"Umsonst& Draußen Kultur": Helga Hindemith mit 73 ältestes Mitglied / Konzert hat den Geist von Woodstock

Die große Dame des Festivals "Umsonst& Draußen"

Veltheim. Das Klischee drängt sich auf: Helga Hindemith ist die große alte Dame des Festivals. Stimmt bloß nicht. Erstens sind 73 Jahre für Helga Hindemith kein Alter, auch wenn sie damit im Vlothoer Verein "Umsonst& Draußen Kultur" das älteste Mitglied ist, beigetreten im Gründungsjahr 1993. Zweitens sitzen alte Damen gemeinhin in Schaukelstühlen, geben kluge, zuweilen weise Ratschläge und lassen die Jungen machen.

Autor:

Stefan Lyrath

H elga Hindemith dagegen ist fast den ganzen Tag auf den Beinen, umgeben von einer Horde Kinder. Mit jungen Leuten hat sie keine Berührungsängste - und junge Leute nicht mit ihr. Die Herforderin ist der lebende Beweis dafür, dass dieses Festival Jung und Alt verbindet. Ein Viertelstündchen hat sie Zeit, dann warten im Kinderbereich, den die Rentnerin betreut und organisiert, die nächsten Aktivitäten. Warum tut man sich das an in einem Alter, wo manche 73-Jährige ihren Hauptwohnsitz längst nach Mallorca verlegt haben? "Für mich ist es begeisternd, mit so vielen Menschen zu arbeiten und Künstler zu treffen", sagt Helga Hindemith, die außerdem mit den Bands verhandelt. "Alle gehen aufeinander ein. Das Festival und der Zusammenhalt bedeuten mir sehr viel." Hinzu kommt: Sozial, politisch und kulturell engagiert war die Hobby-Schriftstellerin, die bei "Umsonst& Draußen" aus eigenen Werken für Kinder oder Erwachsene liest, schon immer. In den 1960er-Jahren hat sie an den ersten Ostermärschen teilgenommen und ist auch später aus Protest auf die Straße gegangen, wenn es ihr nötig schien. Die 68er-Bewegung, aus der auch das 1975 gegründete "Umsonst& Draußen" hervorgegangen ist, hatte für Helga Hindemith stets "etwas Begeisterndes". Sie macht gar keinen Hehl daraus, dass ihr Herz links schlägt. Beim Festival seien rechte Gesinnung und Rassismus total verpönt. "Wenn solche Rechten auftauchen, bugsieren wir sie wieder raus - aber friedlich, nicht mit Gewalt." Frieden und Freiheit herrschten in Veltheim. Dieses "Umsonst& Draußen", davon ist Helga Hindemith überzeugt, atmet den Geist von Woodstock, der Mutter aller Festivals. Damals, im August 1969, war Hindemith 34, heute ist sie Zeitzeugin. Noch immer hat die 73-Jährige eine Schwäche für Rockmusik, hört aber genau so gerne Klassik oder Jazz. Von Beruf war die frühere Hanseatin, die 1987 auf einem Umweg über Köln nach Herford gekommen ist, Kontoristin, Schulsekretärin sowie in der Alten- und Krankenpflege. Einen Traum hätte Helga Hindemith noch: dass sich für ihre bislang unveröffentlichten Kurzgeschichten und orientalischen Märchen ein Verlag findet. Und zwar einer, "der kein Geld will, denn ich habe nur eine kleine Rente". Heute aber, wo alles gelaufen ist, muss die 73-Jährige mit den Vorbereitungen für das nächste "Umsonst& Draußen" beginnen. Denn: "Nach dem Festival ist vor dem Festival.'' Wie lange sie das noch machen will? Da denkt Helga Hindemith höchstens zehn Jahre voraus. Dann wäre sie 83. Kein Alter.




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