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Widerstand: Tochter Dorothea vermittelt in St. Marien einen sehr persönlichen Blick auf Kurt Freiherr von Plettenberg

Die Gestapo-Beamten auf eine falsche Fährte geführt

Bückeburg. Einen sehr persönlichen Blick auf den Bückeburger Widerständler Kurt Freiherr von Plettenberg hat dessen Tochter, Freifrau Dorothea von Plettenberg, den Teilnehmern einer im Pfarrheim St. Marien organisierten Gedenkveranstaltung eröffnet. Obwohl beim Tod ihres Vaters erst knapp eineinhalb Jahre alt, präsentierte die Freifrau ein sehr aufschlussreiches Portrait Plettenbergs. "Ich schaue mit Wehmut auf das Schicksal meiner Familie zurück", gab die Referentin zu verstehen.

Autor:

Herbert Busch

Kurt Freiherr von Plettenberg verwaltete seit 1937 als Hofkammerpräsident in Bückeburg die Besitztümer des Fürsten zu Schaumburg-Lippe. Parallel dazu war er von 1942 bis zu seinem Tod Generalbevollmächtigter des vormals regierenden preußischen Königshauses in Berlin und verwaltete ebenfalls den Besitz der Hohenzollern. Als der Freiherr im Anschluss an Kriegseinsätze (im Majorsrang) in Polen, Frankreich und Russland im Januar 1942 seine zivile Verwaltungsarbeit wieder aufnimmt, ist er aktiver Gegner der Nationalsozialisten. Im Kreis vertrauter Freunde arbeitet er fortan an einem Konzept, das Hitler, den Krieg und das Regime stoppen könnte. "Das war ein sehr besonderer Kreis", verdeutlichte die Freifrau. Zwischen den Männern herrschte ein altpreußisch geprägter Konsens, der auf Christlichkeit, Loyalität und der Maxime "Gemeinschaftsinteresse vor Eigeninteresse" gründete. Sie setzten - mitunter arg autoritär geformt - der seinerzeit dominierenden materialistischen Versorgungsorientierung einen hohen Ehrbegriff entgegen. "Ich habe noch Überlebende dieser Generation gekannt", berichtete die Nachkommin. Die ihrem Vater außerhalb der Familie am nächsten stehenden Menschen seien ohne Frage Marion Gräfin Dönhoff und Carl-Hans Graf von Hardenberg gewesen. Hardenberg schreibt in seinen Lebenserinnerungenüber die Vorgeschichte des 20. Julis "...hinzu kam, daß bei der Ausführung des Attentats, wie es nunmehr beabsichtigt war, auch Unschuldige ihr Leben lassen mußten. Ich erinnere mich einer eingehenden Aussprache über diesen Punkt mit meinem alten Freunde Kurt Plettenberg, der eine Weile stumm neben mir gegangen war und dann stehenblieb und sagte: "Nein, es hilft nichts, auch wenn Du selber dabei mitsterben müßtest, ich würde es tun, der Dienst am Volke muß mehr gelten als unsere Freundschaft." Die Freundschaft führte 1943 zu der Absprache, dass man sich "für den Fall sicherer Folterung" umbringen wolle, "um die Preisgabe anderer unbedingt zu vermeiden". "Interessant ist", erläuterte die Tochter, "dass mein Vater am 20. Juli 1944 nicht in Berlin sondern hier in Bückeburg war. Ich glaube, er führte die ständig schnüffelnden Gestapo-Beamten auf eine falsche Fährte." Plettenberg sei "des Hauses wegen" (also wegen der Hohenzollern) vorsichtig gewesen, zitierte die Referentin die Einschätzung von Marion Gräfin Dönhoff. Es wäre der Anfang vom Ende der Preußen gewesen, wenn ihr oberster Beamter als Mitglied einer Widerstandsgruppe entdeckt worden wäre. Plettenbergs Verhaftung erfolgte erst am 3. März 1945. Wie die Tochter abwog, "vermutlich weniger, weil ihmeine Mittäterschaft nachgewiesen werden konnte, sondern weil er benutzt werden sollte, um Namen preiszugeben." Da hätten die Machthaber - theoretisch - wirklich den Richtigen gehabt. Plettenberg saß sieben Tage ein. Der achte war sein Todestag. Den Mittag des 10. März 1945, als er gezwungen werden sollte, ihm bekannte Mitglieder der Verschwörung zu benennen, schildert der Mitgefangene (und Mitverschwörer) Fabian von Schlabrendorff: "Als er in das im vierten Stock gelegene Vernehmungszimmer geführt wurde, versetzte er dem vernehmenden Beamten einen Kinnhaken und sprang mit einem Satz aus dem Fenster hinaus, um eine Sekunde später auf dem Pflaster des Gefängnishofes zu zerschmettern."




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