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Die Geschichte einer kuriosen Nachbarschaftsinitiative

BAD MÜNDER/BAKEDE. Kuriose Werbeaktion für die Nachbarschafts-Plattform „Nebenan.de“: In Bad Münder wurden Zettel verteilt, die Anwohner anwerben, sich auf der Internetseite zu registrieren. Unterschrieben ist der Brief mit „Norbert aus dem Schwalbennest“ – der will diese Zettel aber gar nicht verteilt haben.

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Benedikt Dittrich Redakteur zur Autorenseite

„Dafür hat jemand meinen Namen missbraucht“, erklärt Norbert Kleinschmidt – einen anderen Anwohner mit diesem Vornamen gibt es in der kleinen Straße jedenfalls nicht. „Nebenan.de“ ist eine Plattform, die die Nachbarschaft ins Internet holen will – für die Ortschaft Bakede-Böbber-Egestorf gibt es dort bereits eine Gruppe mit inzwischen fast 130 Mitgliedern (wir berichteten), gegründet von Dr. Dirk Weichgrebe.

„In Bad Münder waren wir lange nur zu zweit“, erklärt Kleinschmidt, der sich auf der Internetseite angemeldet hatte, nachdem in dieser Zeitung über die Bakeder Gruppe berichtet wurde. Am Montag tauchten die Zettel mit seinem Namen in den Briefkästen auf – ohne Umschlag. Es muss also jemand zu Fuß die Zettel verteilt haben.

Kleinschmidt wunderte sich über die Zettel zwar, verärgert ist er bis jetzt aber noch nicht: „Wenn jetzt hier der Mob vor meiner Haustür ’ne Party feiern würde, wär das was anderes“, erklärt er mit einem Lachen, „aber meine Nachbarn haben mich auf die Zettel noch nicht angesprochen“. Unklar ist auch, an wieviele Haushalte in der Kernstadt die Papierseite verteilt wurde.

Stefan Skaski von „Nebenan.de“ zeigte sich auf Nachfrage verwundert über die Aktion – bestätigte aber: „Bei der Registrierung wird diese Funktion angeboten.“ Der Text entspricht dem vorgeschlagenen Text von „Nebenan.de“ zum Ausdrucken. Als neuer Nutzer könne man das übersehen, aber: „Trotzdem muss man sein Einverständnis geben.“ Und es erklärt nicht, wer die Zettel verteilt hat.

Bei Kleinschmidt überwiegt aber die Freude über die Aktion – denn sie beschert der Nachbarschaftsgruppe im Internet einen kräftigen Zuwachs: Von anfänglich zwei Personen ist die Zahl der registrierten Münderaner in der Gruppe inzwischen auf 35 gestiegen.

Registrieren können sich in der Gruppe nur diejenigen, die eine mündersche Adresse nachweisen können oder das Passwort kennen – das auch von anderen Mitgliedern zu bekommen ist. Kleinschmidt ist übrigens eingetreten – abgesehen von Hilfsanfragen für Werkzeug und anderes Material – um eine Literaturgruppe zu gründen. Der pensionierte Lehrer sucht interessierte Leser und Literaten: „Sowas gibt es in Bad Münder zurzeit nicht.“

Innerhalb der Bakeder Gruppe haben sich schon eine Wandergruppe und eine Fotogruppe gegründet, erklärt Elke Rutz-Weichgrebe. Die Fotogruppe treffe sich schon regelmäßig, aber: „Die Wandergruppe läuft bisher noch nicht.“ Was sehr gut funktioniere, sagt die Frau des Bakeder Gruppengründers, sei tatsächlich die klassische Nachbarschaftshilfe: Über die Plattform wurden bereits Werkzeug und sogar Pkw-Anhänger unter den Nachbarn der Ortschaft verliehen.

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