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Für die Grundschule Hemeringen fehlt nur der Ratsbeschluss / Große Zustimmung bei Elternabfrage

Die Ganztagsschule ist auf der Zielgeraden

Hemeringen. Es ist, als sei in Hemeringen der Knoten geplatzt: Seit die Kindertagesstätte beschlossene Sache ist, scheinen auch andere zentrale Forderungen nach mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf ganz von selbst ins Rollen zu kommen. Eine Ganztagsschule soll her – das ist der Wunsch des Hemeringer Grundschulkollegiums, der meisten Eltern und, so wie es aussieht, auch der Politiker. Rege spielten sich die Beteiligten bei einem Infoabend mit Schuldezernent Reiner Langeheine die Bälle zu und sind sich ungewöhnlich einig über die Zukunft der Grundschule. „Das Einzige, was noch fehlt, ist der Ratsbeschluss”, verkündete unlängst Ortsbürgermeister Otto Deppmeyer.

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Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite

Hintergrund für den Plan des Kollegiums ist die Entscheidung des Bundes, im kommenden Jahr alle Vollen Halbtagsschulen in Verlässliche Grundschulen umzuwandeln. 16 Lehrerstunden würden in Hemeringen dadurch entfallen. In der offenen Ganztagsschule sieht die Schule nun die Möglichkeit, wie in der Vollen Halbtagsschule „außerhalb des Fachunterrichts leben und lernen zu können“. Eine Vorabfrage bei den Eltern bestätigt den Bedarf für eine Betreuung am Nachmittag. „Diesen Zulauf haben wir nicht erwartet“, sagt Grundschulleiterin Renate Papay. 47 Anmeldungen gibt es für das kommende Schuljahr, 44 für das darauffolgende, 30 Meldungen stammen aus den jetzigen Klassen 1 bis 3. „Wir haben maximal mit der Hälfte gerechnet“, sagt Papay und fügt an: „Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind: Die Eltern sind darauf angewiesen, dass ihre Kinder nachmittags betreut werden.“

Ein zentrales Anliegen ist in der offenen Ganztagsschule die Förderung von sozialer Kompetenz und die Stärkung der Verbundenheit mit der Schule. Durch die Angebote am Nachmittag, die keinen Unterrichtscharakter haben, sei mehr Zeit für Bildung, Erziehung und individuelle Förderung gegeben. Handball, Fußball, Turnen, Tischtennis, Judo und Reiten werden mit musisch-kulturellen Angeboten kombiniert (Flöten, Gitarre, Chor, Theater, Werken, Kunst etc.), die Kinder können an der Homepage mitarbeiten, eine Schülerzeitung gestalten oder sich im Schulgarten auslassen. Die Teilnahme am offenen Ganztagsangebot kann auch an einzelnen Tagen erfolgen und ist freiwillig.

Als Kooperationspartner sind der TV Hemeringen, der örtliche Reitverein, die HSG Fuhlen/Hessisch Oldendorf und die Musikschule vorgesehen. Weitere vertragliche Vereinbarungen sollen nach der Genehmigung des Antrages folgen. Neben den Freizeitangeboten ist eine Hausaufgabenbetreuung vorgesehen, die möglichst von Lehrkräften geleitet werden soll.

Soweit in groben Zügen das pädagogische Konzept. Bleiben die räumliche Gestaltung und die Mittagsverpflegung. Für diese beiden Bereiche, die in den Zuständigkeitsbereich der Stadt fallen, sind die Würfel noch nicht endgültig gefallen. Möglichkeit eins: Den Kindergartenneubau, der über eine Vollküche verfügt, ausweiten und so einen Speiseraum für alle Kinder schaffen. Die Essensausgabe erfolgt dann zeitversetzt nach Absprache an drei Mittagen in der Woche. Die kostengünstige Alternative: Den frei werdenden Kindergartenraum als Speiseraum nutzen und, sofern in der Küche des neuen Kindergartens noch nicht gekocht wird, die Mittagsverpflegung über eine Catering-Firma organisieren. Genutzt werden sollen die frei werdenden Räume des jetzigen Kindergartens aber auf jeden Fall, da immer noch ein PC-Raum, ein Sanitäts- und Besprechungsraum sowie mindestens ein Betreuungsraum als Nötigstes fehlen. An einem detaillierten Raumkonzept wird derzeit mit allen Beteiligten gearbeitet.

„Ich freue mich, dass das Lehrerkollegium sagt, wir packen das an“, meint Bürgermeister Harald Krüger, der sich eine solche Schule auch für die Kernstadt vorstellen kann. „Dann müssten aber die Eltern und das Kollegium dahinterstehen.“ Er verhehlt aber auch nicht, dass ihm eine „echte“ Ganztagsschule noch lieber wäre. Eine Ganztagsschule mit einem pädagogischen Stundenplan am Nachmittag ist sein Wunsch, „das muss das Ziel sein“. Verantwortlich dafür seien indes die Landespolitiker.

Ein unübersehbarer Vorteil ist zweifelsfrei der Zuschlag zur Lehrerversorgung, der in Hemeringen in Form eines sogenannten Budgets umgesetzt werden soll. Das heißt: Es gibt Geld für die Kooperation mit außerschulischen Anbietern oder für den Einsatz weiterer Fachkräfte. Insgesamt siebeneinhalb Lehrerstunden mehr als in der Verlässlichen Grundschule können so für die Grundschule Hemeringen gewonnen werden. 16 Stunden mehr als in der Verlässlichen Grundschule waren es in der Vollen Halbtagsschule. Ein Mittagessen und ein so reichhaltiges Nachmittagsangebot gab es dort wiederum nicht.

Die Hemeringer Grundschüler fühlen sich wohl an ihrer Schule, mit dem neuen Nachmittagsprogramm vielleicht bald noch wohler.Foto: doro

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