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Zwei besondere Erinnerungen und Geschichten für unsere Serie „Liebe – das große Gefühl“

Die erste große Liebe vergisst keiner

Manche Menschen zögern mit einer Antwort, wenn man sie nach ihrer ersten großen Liebe fragt. Zählt auch die innige Kinderfreundschaft noch jenseits von sexuellen Wünschen oder der 13-jährige Junge, dem man heimlich einen Kuss aufs Haar gab? Gilt auch das heftige Schwärmen für einen Unerreichbaren als Liebe oder muss man sich unbedingt auf intensive Weise körperlich nah gewesen sein? Meint man die allererste Verliebtheit oder geht es um den ersten Menschen, bei dem man fühlte, dass man ohne ihn nicht leben will? „Was genau ist die erste große Liebe?“, fragen also manche zurück. Nun, die Antwort soll lauten: Die erste große Liebe ist genau die, die du dafür hältst.

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Autor

Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite

„Dann ist es einfach“, sagt Matthias (55) aus Rinteln. „Meine erste große Liebe hieß Genevieve, ein wunderschönes französisches Mädchen mit langen dunkelbraunen Haaren und Sommersprossen. Ich sehe sie noch immer vor mir, obwohl es schon fast 50 Jahre her ist, dass wir uns in einem Sommer bei Verwandten in Lothringen begegneten, sie machte im Nachbarhaus Ferien, sie war sieben Jahre alt und ich ein Jahr jünger als sie. In meiner Erinnerung haben wir die ganzen Sommertage in ihrem großen Garten gespielt und sind der Katze gefolgt. Ich träumte von ihr abends im Bett und sehnte mich nach dem nächsten Morgen, wenn wir uns wiedersehen würden. Ich war mir ganz sicher, dass wir heiraten würden. Manchmal lächelten wir uns an und blinzelten uns geheimnisvoll zu und es bedeutete, dass wir beide wussten: Wir gehören zusammen.“

Er lächelt mit einem glücklichen Gesichtsausdruck, während er von Genevieve erzählt. „Alles war so unbefangen und auf Gegenseitigkeit richtig und schön wie eigentlich nie wieder in meinem Leben“, sagt er. „Ich sah sie nicht mehr wieder, denn im nächsten Sommer machte ihre Familie woanders Urlaub, nicht mal ihren Nachnahmen wusste ich, geschweige eine Adresse, außerdem hätte ich niemals jemandem etwas von meinen Gefühlen erzählt. Was gewesen wäre, wenn aus dieser Kinderliebe eine Liebe zwischen Erwachsenen entstanden wäre? Unmöglich zu sagen, im Grunde kenne ich sie ja gar nicht.“ Er überlegt: „Geblieben ist wohl, dass ich immer noch Frauen mit dunklen Locken und Sommersprossen ganz besonders schön finde.“

Die erste Liebe berühre so gut wie jeden Menschen ein Leben lang, im Positiven wie im Negativen, weil man fast alles, was einen sonst emotional schütze, herunterfahre, erklärt die Hamburger Diplom-Psychologin und Buchautorin Lisa Fischbach. „Jeder, dem das nicht so geht, ist auch nicht richtig verliebt.“ Selbst in der kindlichen Liebe von Matthias spielt das Herunterfahren der emotionalen Schutzmechanismen eine Rolle, denn das siebenjährige Mädchen kam dem damals Sechsjährigen so viel älter und überlegen vor. „Ich hatte schon Angst, dass sie sich über mich lustig machen, mich kalt zurückweisen würde, als ich mit dem Lächeln und Zuzwinkern begann. Das hätte mich tief getroffen“, sagt er. „Umso stärker ist die Erinnerung an diese glückliche Vertrautheit, in der ich gar nichts falsch machen konnte – und sie natürlich erst recht nichts.“

Bettina (33) aus Hameln denkt ebenfalls mit einem Lächeln an ihre erste große Liebe zurück. „Er ging schon in die elfte Klasse, Andreas, der Schulsprecher, und ich erst in die Siebte. Es begann damit, dass er mich immer lustig grüßte und fragte, wie es mir geht. Er tat das, weil er in meine ältere Schwester verliebt war, aber das war mir egal, denn eigentlich hatte ich ihn schon viel früher bewundert und richtig Herzklopfen bekommen, wenn ich ihn sah. Er kam mir so klug vor, so geistreich, extra seinetwegen ließ ich mich zur Klassensprecherin wählen, damit ich bei den Schülerversammlungen mit ihm reden konnte. Nach und nach wusste die ganze Schule, dass ich Andreas liebte, und ich liebte ihn wirklich, über drei Jahre hinweg, so lange, bis er das Abitur machte und wegzog.“



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