×
Trotz Interessenkonflikt beschließt der Bauausschuss drei Projekte im Naturschutzgebiet Niederung

Die einen wollen es nass, die anderen trocken

Bückeburg (rc). Der Interessenskonflikt zwischen Naturschutz und Landwirtschaft in der Bückeburger Niederung stand einmal mehr im Mittelpunkt der Sitzung des Bau- und Umw eltausschusses. Während die Landwirtschaft darauf drängt, dass ihre Wiesen und Äcker möglichst trocken und entsprechend dräniert sind, möchte es der Naturschutz genau umgekehrt: je nasser desto besser für den Naturschutz und vor allem die Vogelwelt, die die Niederung als einen wichtigen Brut- und Rastplatz braucht. Vom Aussterben bedrohte Vögel werden regelmäßig in der Niederung gesichtet oder brüten dort.

Besonders deutlich trat dieser Konflikt bei einem Vorhaben am Fischergraben hervor, das im kommenden Jahr in Angriff genommen wird. Dieser Graben durchfließt das Naturschutzgebiet. Um Flächen wieder zu vernässen, soll ein Wehr gebaut werden. Dadurch werden aber nicht nur Flächen im Naturschutzgebiet vernässt, sondern im angrenzenden Landschaftsschutzgebiet verlieren landwirtschaftliche Flächen ihre Dränierung: Oberflächenwasser kann nicht mehr abfließen. Insbesondere Flächen in Richtung Scheie im östlichen Bereich der Niederung sind betroffen. Um diese Flächen zu entwässern, soll eine neue, etwa einen Kilometer lange Vorflutleitung von diesen Flächen um das Naturschutzgebiet herum gelegt werden, die unterhalb des neu zu bauenden Wehres wieder in den Fischergraben mündet. 35 700 Euro sind für dieses Projekt veranschlagt. Die EU im Rahmen des Leader-Projektes und der Landkreis sind mit insgesamt 26 000 Euro dabei, die Restkosten trägt die Stadt, die das Geld bereits in ihrer Haushaltsplanung 2009 verankert hat. Das Projekt ist bereits mit den zuständigen Behörden und Eigentümern abgestimmt, wie der Baubereichsleiter Karlheinz Soppe mitteilte: Mit den betroffenen Landwirten sei schon gesprochen worden, sie seien einverstanden. Scheies Ortsbürgermeister Friedrich Meyer lief dennoch Sturm gegen das Vorhaben. Am Fischergraben sei seit 15 Jahren nichts gemacht worden, die Grundstückseigentümer würden herausgehalten, die Vorflutleitung mit ihren geplanten 16 Zentimetern Durchmesser viel zu klein ausgelegt. "Wenn das alles nicht klappt, dann gibt es eine Sammelklage", drohte er: "Wir Grundstückseigentümer müssen immer leiden, der Rest sitzt im trockenen Sessel, wenn Hochwasser ist." Mehrere Redner erinnerten an die im Jahr 2005 mit allen Betroffenen durchgeführte Mediation, in der Punkte für ein Ziel- und Maßnahmenkonzept erarbeitet worden seien. Sie würden nun nach und nach umgesetzt, eben auch in enger Abstimmung mit der Landwirtschaft. Alle Beteiligten seien informiert, die Punkte als "wichtig" anerkannt worden. Das zeigte auch das Abstimmungsergebnis im Ausschuss: Einstimmigkeit. Meyer ist kein Mitglied des Ausschusses. Eine Gegenstimme gab es beim zweiten Punkt zum Thema Niederung: das Naturschutzgebiet als einen kulturlandschaftlichen Erlebnisraum darzustellen. Dafür sollen im kommenden Jahr für 21 500 Euro Stationen im Gelände aufgebaut werden, die die kulturhistorischen Gegebenheiten veranschaulichen. Auch geplant: ein Besucherleitsystem mit Wegenetz, Aussichtspunkten und Informationsvermittlung; die Entflechtung von landwirtschaftlichem und Besucherverkehr; den Schutz und die Entwicklung von ökologisch besonderswertvollen Teilgebieten sowie die Wegeverbindung zur Kernstadt und zum überregionalen Radwegenetz verbessern. "Darf die Landwirtschaft bestimmte Wege nicht mehr befahren und wird ein Parkplatz gebaut?", wollte Ratsherr Cord Siekmeier (CDU) wissen. Die Verkehrsführung werde noch abgestimmt, so der Baubereichsleiter. Es gehe um Aussichtstürme an zwei Punkten, die per Rad oder zu Fuß erreicht werden können: "Wir wollen keinen Massentourismus in der Niederung, wir wollen nur mehr Informationen geben." Die Besucher behutsam zu führen, wie es Wolfhard Müller (SPD) formulierte. Bis auf Siekmeier stimmten alle für das Projekt. Zur Kulturlandschaft Niederung gehören auch flache Stillgewässer, sogenannte Blänken. Einige sind bereits angelegt worden, aber noch zu wenige. Im Bereich "In der Judenweide" nördlich des Naturschutzgebietes sollen weitere hinzukommen und vorhandene Gewässer ausgeweitet werden. Insgesamt 21 500 Euro sind dafür vorgesehen. Gebaut wird ebenfalls 2009.




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt