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Das Hospiz Mutter Anselma feiert sein zehnjähriges Bestehen – mit Gedanken über die Endlichkeit

Die Dankbarkeit der Sterbenden ist ihr Lohn

Bad Pyrmont. Der peruanische Schriftsteller Sergio Bambaren Roggero hat in seinem Roman „Der träumende Delphin“ geschrieben: „Vielleicht bedeutet Liebe auch lernen, jemanden gehen zu lassen, wissen, wann es Abschied nehmen heißt. Nicht zulassen, dass unsere Gefühle dem im Weg stehen, was am Ende wahrscheinlich besser ist für die, die wir lieben.“

Autor:

Sabine Brackhan

Seit einem Jahrzehnt werden Schwerstkranke im Hospiz Mutter Anselma in Friedensthal in den letzten Tagen und Stunden ihres Lebens betreut und begleitet. Etwa 2000 Gäste, wie Schwester M. Cordula Stoll die Sterbenden nennt, haben in den vergangenen zehn Jahren die liebevolle Pflege und Begleitung in Anspruch genommen. „Im ersten Moment hört sich diese Zahl nach Routine an, doch jeder Aufenthalt und jedes Sterben ist individuell und auf seine Weise das erste Mal. Den Sterbenden und ihren Angehörigen mit ganzem Herzen gut sein und mit Aufmerksamkeit und Sachkenntnis zu helfen, das ist unser vom Hospizgedanken geprägtes Anliegen“, erklärt die Hospizleiterin anlässlich des Neujahrsempfangs im Rahmen des zehnjährigen Bestehens. „Sie haben in den zurückliegenden zehn Jahren die Menschen mit viel Kraft und Einsatzbereitschaft, aber auch mit Mut und Einfühlungsvermögen in einer schwierigen Lebensphase auf ihrem letzten Weg begleitet. Dabei spenden Sie auch den Angehörigen Trost, haben ein offenes Ohr für ihre Signale und lassen sie in den Stunden des Abschieds von einem lieb gewonnen Menschen nicht allein“, lobt Bürgermeisterin Elke Christina Roeder die herausragende Leistung des Hauses und das selbstlose Engagement des Hospizes.

„Patienten im Hospiz haben einen – oft unausgesprochenen – letzten Wunsch an den behandelnden Arzt: Sterben, ohne unter Schmerzen, Angst oder sonstigen unangenehmen Symptomen zu leiden“, führt der niedergelassene Facharzt für Allgemeinmedizin und Palliativmediziner Dr. Hans-Hermann Zimny in seinem Grußwort aus. „Diesen Wunsch kann ich den Patienten durch meine Tätigkeit als Palliativmediziner im Hospiz erfüllen. Allerdings habe ich mich im Vorfeld meiner Arbeit intensiv und ausführlich mit meiner eigenen Endlichkeit auseinandergesetzt – und diese akzeptiert. Nur so kann man diese Tätigkeit erfolgreich ausführen. Und man wird für seine Arbeit belohnt – nicht finanziell – sondern durch die Dankbarkeit der Patienten und Angehörigen“, gibt der Mediziner einen Einblick in seinen Arbeitsalltag im Hospiz.

Seinem Vortrag stellt Prof. Dr. Winfried Hardinghaus, Chefarzt und Direktor des Krankenhauses St. Raphael in Ostercappeln, die Kernaussage voran: „Eine gute Hospiz- und Palliativversorgung heißt immer noch Liebe“, und auch Ulrich Watermann, SPD-Mitglied des Landtages, kleidet seine ganz persönlichen Erfahrungen mit der Hospizarbeit in bewegende Grußworte: „Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich das Haus zum ersten Mal angsterfüllt betrat. Dem Gedanken an die Endlichkeit des Lebens war ich bis dahin immer ausgewichen. Später bin ich gern wiedergekommen, fühlte mich begleitet und konnte friedlich gehen lassen“, so Watermann, der zum Schluss seiner Grüße einen für das Hospiz Mutter Anselma ausgesprochen passenden Satz formulierte: „Es ist schön zu leben, auch wenn das Leben endlich ist.“ Den musikalischen Rahmen der Feierstunde gestaltete das Flötenensemble der St.Petri-Kirche Oesdorf unter der Leitung von Else Anhamm.




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