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Der Stoff, aus dem die Träume sind, ist: Stoff, nichts als Stoff

Die betuchte Gesellschaft logiert im Barther Mops

Barth. „Kuckuck, hier bin ich!“ – Komisch, dass an der Festtafel im Grand Hotel zum Barther Mops sich die allermeisten Besucher neben Miss Marple postieren, fast immer Miss Marple. Die Grande Dame des Krimis schaut skeptisch, so als wenn sie „Finger weg“ sagen wollen würde. Von ihr und vom Hummer.

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Jens Meyer

Autor

Jens Meyer Leiter Redaktion PR- und Sonderthemen zur Autorenseite

Überhaupt: von allem hier! Nur gucken, nicht anfassen. Wer aus Fleisch und Blut ist, dem fällt das schwer. Knuddeln möcht‘ man die Marple genauso gerne wie den Hoteldieb mit der Knollennase. Man will die Schnittchen, die leckerer aussehen als echte, zwischen den Fingern spüren, man möchte mit der Duscherin duschen. Das verbietet sich selbstredend; ist schließlich ’ne Ausstellung, und zwar eine einzigartige. Der Stoff, aus dem die Träume sind, ist: Stoff, nichts als Stoff. Eine genähte Parallelwelt zur Banalität des Alltags. Über 30 Jahre lang hat Stefanie Alraune Siebert (ja, natürlich ist Alraune ein Künstlername) daran gearbeitet.

„Was du immer tun und erträumen kannst, du kannst damit beginnen. In der Kühnheit wohnen Schöpferkraft, Stärke und Zauber.“ Am Ausspruch Goethes hat Stefanie Alraune Siebert nicht genippt, sie hat die Worte gierig getrunken. Im Vineta-Museum der Ostseestadt Barth in Mecklenburg-Vorpommern hat die gebürtige Tübingerin ihr Lebenswerk ausgestellt, das im Laufe von drei Jahrzehnten zum Meisterwerk geworden ist. 63 menschengroße Figuren, darunter auch Mrs. Sophie und Butler James sowie Dali, stopfte Alraune aus, nähte sie zusammen, hauchte den Textilien Leben ein. Klapprige Kellner servieren Schnittchen, die Wiedergeburt Friedrichs II sitzt bei Champagner und Kerzenschein, während eine Nackte im Spa-Bereich des Hotels vor lüstern blickenden Kellnern im Schampus badet. Alles aus Stoff, nur und nur genäht, gestopft, bestickt, umkettelt. Hier logiert im wahren Sinn des Wortes die betuchte Gesellschaft. Schnittchen, Kerzen und Gläser, Heringsmousse, Austern, Kaviar und Langusten, Zigarrenstummel, Pommes und Kronleuchter machen da keine Ausnahme. Von der Hotelrezeption bis zum Gala-Diner ist nichts echt. Oder anders: Alles ist echt und Reales wirkt irreal. Sonderbar, nicht wahr?

Noch bis Ende Oktober empfängt das Grand Hotel Zum Barther Mops im Vineta-Museum Gäste und Besucher. Kanzlerin „Angie“ Merkel ist übrigens auch dort…

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Festtafel im Grand Hotel Zum Barther Mops: Künstlerin Stefanie Alraune Siebert hat im Vineta-Museum der Stadt Barth eine Paralle
  • Festtafel im Grand Hotel Zum Barther Mops: Künstlerin Stefanie Alraune Siebert hat im Vineta-Museum der Stadt Barth eine Parallelwelt zur Banalität des Alltags geschaffen. Ihr genähtes Lebenswerk ist im Laufe der vergangenen drei Jahrzehnte entstanden. Fotos: ey

www.vineta-museum.de

Huch, das ist aber eine sehr besondere Hand-Tasche (links). Bild unten: Die Schnittchen sehen lecker aus, sind aber kein Schmaus, sondern nur Augenschmaus, weil sie aus Stoff sind.



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