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Der Skulptur auf der Spur: Klaus Behrs „Walze“

Die beiden Gesichter symbolisieren den Fahrer und Beifahrer

Hameln. Sie stehen im Bürgergarten, an der Weser, in der Fußgängerzone: Skulpturen gibt es in Hameln nahezu überall. Woher kommen sie? Weshalb zieren sie den jeweiligen Standort? Und wie lange schon? Julia Marre hat sich umgesehen. Die Ergebnisse dieser Spurensuche stellen wir in loser Folge vor. Heute: „Die Walze“ von Klaus Behr.

Hameln. Sie stehen im Bürgergarten, an der Weser, in der Fußgängerzone: Skulpturen gibt es in Hameln nahezu überall. Woher kommen sie? Weshalb zieren sie den jeweiligen Standort? Und wie lange schon? Julia Marre hat sich umgesehen. Die Ergebnisse dieser Spurensuche stellen wir in loser Folge vor. Heute: „Die Walze“ von Klaus Behr.

Dass der Rasen auch mal wieder gemäht werden könnte, dachte Klaus Behr, als er das letzte Mal die Hamelner Klüttstraße entlangfuhr. Denn dort, am Roseplatz, steht seine Granitskulptur „Walze“. Wer nicht weiß, dass sie von ihm ist und sich thematisch auf die benachbarte Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr bezieht, der kann auch vor Ort lange nach einem Schild suchen. Es gibt keines mehr. Bedauernswert findet das der in München lebende Künstler. Zumal es ihm vor kurzem ganz ähnlich ging. Einen Brunnen, den er in Prien vor dem Postgebäude aufgestellt hatte, suchte er bei einem Besuch in der oberbayerischen Stadt vergeblich – das Postgebäude war inzwischen abgerissen und mitsamt Brunnen entfernt worden. „Weil es kein Schild gab, konnte ihn niemand mehr zuordnen“, bedauert Klaus Behr.

Anders seine „Walze“ am Hamelner Roseplatz. Die ist immerhin im 1995 erschienenen Katalog „Ansichtssache Kunst“ verzeichnet. Und wer den Künstler auf das Granit-Werk anspricht, der erfährt eine ganze Menge. Aus einem Wettbewerb des damaligen Staatshochbauamtes sei die „Walze“ hervorgegangen. Fünf Künstler hätten sich an der Ausschreibung anlässlich des Erweiterungsbaus der Behörde beteiligt. „Und wie es der Zufall wollte, habe ich gewonnen“, sagt Behr.

2 Bilder

Thematische Vorgaben für die eingereichten Konzepte gab es nicht. Dennoch hat der in Höxter aufgewachsene Bildhauer Bezug auf den Straßenbau genommen. Seine „Walze“ hat er links und rechts mit Gesichtern versehen. „Die symbolisieren den Führer der Walze, seinen Beifahrer oder den Nutzer der Straße“, erklärt der Künstler. Der Sockel, auf dem der runde Granitblock befestigt ist, sei mit Asphalt gleichzusetzen. Eingelassen in diese Strecke ist ein Mittelstreifen. „Daraus sollte ursprünglich Grün wachsen. So wollte ich die Straße ad absurdum führen.“

Was er sich für sein 1988 aufgestelltes Werk gewünscht hätte? „Dass es größer und länger geworden wäre“, so Behr. Doch finanziell sei das damals nicht möglich gewesen. 30 000 Mark standen zur Verfügung. Verwendet hat der Bildhauer diese Summe vorwiegend für das Massivmaterial. Das hat er rund anderthalb Jahre lang bearbeitet. „Schöne Erinnerungen“ stecken daher in dem Kunstwerk.

Kürzlich hat dort auch der neu gegründete Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Hameln während einer Führung Station gemacht. Über das wieder aufkeimende Interesse an der Kunst im öffentlichen Raum freut sich Klaus Behr. „Ich finde es wichtig und schön, dass Hameln überall mal eine Skulptur hat und nicht immer nur den Rattenfänger“, sagt er. Und auch andernorts ist immer mal eine Skulptur des Münchner Bildhauers zu sehen. Gleich dreimal ist er im Umfeld vertreten: An der Autobahnabfahrt Bad Eilsen, in Bennigsen und an der Autobahnraststätte Garbsen stehen weitere Werke von ihm. „Im Weserbergland war ich sehr erfolgreich“, sagt Behr. Und er wäre es gern weiterhin. Doch dadurch, dass die Förderung von Kunst am Bau in Niedersachsen gestrichen ist, bekam der Künstler nur eine Antwort vom zuständigen Ministerium: Nicht einmal der Weg nach Hannover lohne sich.

Weitere Informationen über den Künstler und sein Werk im Internet: www. bildhauer-klausbehr.de.

„Man erinnert sich an jeden gewonnenen Wettbewerb“, sagt der Künstler Klaus Behr. „Das sind Prestige-Dinge.“ Seine „Walze“ ziert den Roseplatz im Klütviertel bereits seit 1988.

Foto: Dana




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