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„Die Arbeitnehmer werden an Macht gewinnen – die Löhne steigen“

Von Hans-Joachim Weiß
Schaut Ursula Rose in die Zukunft, malt sie ein rosiges Bild. „Die Arbeitslosigkeit wird weiter sinken. Wir sind auf dem Weg zur Vollbeschäftigung“, sagt die Vorsitzende der Geschäftsführung der heimischen Arbeitsagentur und prognostiziert für 2020 angesichts der demografischen Entwicklung eine Arbeitslosenquote von etwa drei Prozent, was volkswirtschaftlich einer Vollbeschäftigung entspricht. „Unter der Voraussetzung, dass die Wirtschaft durch einen Mangel an Arbeitskräften nicht gebremst wird“, schiebt die studierte Volkswirtschaftlerin hinterher.

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Schaut Ursula Rose in die Zukunft, malt sie ein rosiges Bild. „Die Arbeitslosigkeit wird weiter sinken. Wir sind auf dem Weg zur Vollbeschäftigung“, sagt die Vorsitzende der Geschäftsführung der heimischen Arbeitsagentur und prognostiziert für 2020 angesichts der demografischen Entwicklung eine Arbeitslosenquote von etwa drei Prozent, was volkswirtschaftlich einer Vollbeschäftigung entspricht. „Unter der Voraussetzung, dass die Wirtschaft durch einen Mangel an Arbeitskräften nicht gebremst wird“, schiebt die studierte Volkswirtschaftlerin hinterher.

Denn die Machtverhältnisse gut qualifizierter Arbeitnehmer werden sich in den kommenden zehn Jahren deutlich ändern. „Eingewoben in die weltweite Gesamtproduktivität, werden die Löhne für gut qualifiziertes Personal steigen“, glaubt die Mutter zweier Kinder. Das Kräfteverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage verschiebe sich zugunsten der Arbeitnehmer. „Die Zeiten, sich aus dem Pool der Arbeitslosen etwas auszusuchen, sind vorbei. Wir gehen jetzt schon auf die Unternehmen zu, um ihnen zu raten, sich mit Nachwuchs zu versehen“, berichtet Rose aus dem aktuellen Alltag der Arbeitsagentur in Hameln. Der bevorstehende doppelte Abiturjahrgang im kommenden Jahr und der Wegfall der Wehrpflicht ermöglichten es der Wirtschaft, noch einmal aus dem Vollen zu schöpfen. „Danach wird der Zufluss jedes Jahr geringer werden“, kündigt Rose an. Wann es dann auf dem Arbeitsmarkt zu einer regelrechten Knappheit an geeigneten Auszubildenden und gut qualifiziertem Personal kommen könnte, sei von Branche zu Branche unterschiedlich.

Von den Arbeitgebern allerdings werde bereits in naher Zukunft mehr Flexibilität gefordert sein. „Und dabei spielt nicht nur Geld für höhere Löhne eine Rolle“, unterstreicht die in Afferde lebende Vorsitzende der Geschäftsführung. Einen Wettbewerbsvorteil habe, wer die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den Griff bekomme. Dazu zählten laut Rose noch flexiblere Arbeitszeiten oder auch das Unterhalten von Betriebskindergärten. „Firmen werden sich zusammenschließen, um entsprechende Einrichtungen zu schaffen. Denn wenn flexibel gearbeitet werden soll, müssen die restlichen Strukturen verlässlich stehen“, so Rose.

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Grundsätzlich werden sich die Arbeitsformen in den kommenden Jahren verändern. „Manche Berufe – insbesondere auf dem Gebiet der Verwaltung – können zunehmend aufgrund immer fortschreitender Technik auch von zu Hause aus erledigt werden. Telearbeit wird schon jetzt praktiziert, auch bei der Arbeitsagentur“, berichtet die gebürtige Hildesheimerin.

Aufgrund eines drohenden Arbeitskräftemangels werde auch der Übergang in die Rente fließender werden. Die Rente mit 67 bekomme eine neue Bedeutung; von einer „versteckten Rentenkürzung“ sei 2020 keine Rede mehr. Auch sei es nicht auszuschließen, dass Menschen nach ihrem altersbedingten Ausscheiden aus den Betrieben weiter- arbeiten, sich andere Tätigkeiten suchen, weil sie gebraucht werden. „Bezüglich der Arbeitszeiten ist auch hier Flexibilität von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gleichermaßen gefragt; müssen Wege der Vereinbarkeit gefunden werden“, so Ursula Rose. Sie fügt hinzu: „Ältere werden gebraucht werden. Zwar nicht mehr fulltime, aber sie werden gebraucht und es wird ein neuer Markt entstehen. Die Situation muss sich so gestalten, dass Ältere produktiv eingesetzt werden können. Und wenn die Nachfrage groß ist, wird sich die Wirtschaft darauf einstellen.“ Von einem vorzeitigen Eintritt in den Ruhestand könnten sich sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer verabschieden. „Es wird Wege geben, das Berufsleben langsam auslaufen zu lassen, denn es geht auch darum, die Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Deshalb werden sich maßgeschneiderte Arbeitssituationen entwickeln. Aber es muss für den jeweiligen Betrieb passen und darf keine Einbahnstraße werden“, erklärt die Chefin der Arbeitsagentur. Dass Unternehmen flexibel reagieren können, sei während der weltweiten Wirtschaftskrise sichtbar geworden. „Die Kurzarbeit ist zwar gestiegen, aber die Zahl der Arbeitslosen hat nicht nennenswert zugenommen“, erinnert Ursula Rose.

Ein-Euro-Jobs allerdings werden nicht verschwinden. „Es werden eher mehr, nur werden sie wohl anders heißen. Es muss auch etwas geben, um Betroffene menschenwürdig beschäftigen zu können. Etwas, was dem Sozialstaatsprinzip entspricht, und bei dem auch zurückgegeben werden sollte“, sagt die Volkswirtin und begründet ihre Aussage mit dem Wissen, dass es immer Langzeitarbeitslose geben werde, die den Anforderungen der Wirtschaft nicht entsprächen und schlecht anzupassen seien. Rose: „Die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Klientel trotz drohenden Arbeitskräftemangels im Nichts auflöst, ist nicht sehr groß.“ Denn auch in Zukunft werde von Arbeitnehmern eine gute Qualifikation, Flexibilität und Mobilität gefordert.

Von Hans-Joachim Weiß



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