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Vor Gericht: Mutmaßlichem Dealer aus Rinteln drohen mehrere Jahre Haft

Deutschlands dümmster Dealer: "Gras" bestellt - Gras bekommen

Rinteln/Bückeburg (ly). So kann's kommen: Wer als Erwachsener einen Jugendlichen zum Rauschgifthandel einsetzt, begeht ein Verbrechen und muss mit mindestens fünf Jahren Haft rechnen. Das gilt auch bei so genannten weichen Drogen wie Haschisch oder Marihuana.

Zuständig ist in solchen Fällen die Große Strafkammer am Bückeburger Landgericht, wo sich seit Montag ein mutmaßlicher Dealer (22) verantworten muss. Sechsmal soll der Rintelner einem 17-Jährigen aus Bad Eilsen Marihuana zum Weiterverkauf gegeben haben, jeweils zwischen 25 und 50 Gramm. Den Erlös, so heißt es in der Anklageschrift von Staatsanwalt Frank Hirt weiter, habe der Jugendliche an den älteren Mann "abführen" müssen. Dennoch, in die Kategorie "knallharter Dealer" gehört der Angeklagte, ein Mann mit sanfter Stimme, wohl eher nicht. Diesen Schluss legt zumindest eine köstliche Geschichte nahe, die vor Gericht so erzählt wurde: In Amsterdam hatte der Rintelner im Januar für 2000 Euro ein Kilo Marihuana erwerben wollen, das in der Szene auch "Gras" genannt wird. Verpackt hatte der Verkäufer die Ware in Folie, ein kleines Sichtfenster war ausgestanzt. Bei einem Blick hindurch schien alles in Ordnung. Marihuana enthielt das Paket jedoch nur an dieser einer Stelle - schlappe zwei Gramm. Der Rest der Lieferung bestand aus getrocknetem Gras - im Sinne von Heu allerdings. Peinlich, peinlich. Wenn die Geschichte stimmt, ist der Rintelner doch glatt einem Betrüger aufgesessen. In Untersuchungshaft sitzt der Angeklagte bereits. Nachdem er zu einem vorausgegangenen Drogenprozess in Nordhorn an der niederländischen Grenze "aus Angst" nicht erschienen war, hatten die Ermittler den Arbeiter mit Haftbefehl gesucht. Zum Prozessauftakt hat der 22-Jährige gestern zugegeben, Marihuana gekauft und selbst konsumiert zu haben. Dass er dem Jugendlichen "Stoff" zum Weiterverkauf bekommen habe, bestreitet der Rintelner. Damit steht der Kammer eine womöglich umfangreiche Beweisaufnahme bevor. Die Vorsitzende Richterin Dr. Birgit Brüninghaus hat zunächst drei Verhandlungstage angesetzt. Belastet wird der Angeklagte von mehreren Zeugen, darunter ein früherer Dealer, der ausgepackt hat. Dieser Mann habe sich das Leben dadurch nicht leicht gemacht, wie ein Polizist im Zeugenstand berichtete. "Er konnte nicht mehr allein durch Bückeburg gehen." Der Beamte hält den Hauptbelastungszeugen für glaubwürdig. Der Prozess wird fortgesetzt. Bei einem Schuldspruch kann das Gericht auch auf einen minder schweren Fall erkennen. Egal, wie's ausgeht: Nach dem Ende der Hauptverhandlung wird sich der Angeklagte wohl noch in Nordhorn verantworten müssen.

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