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Der Zirkus zieht weiter

Bad Münder. Aufatmen bei den Anliegern des Festplatzes an der Lindenallee und beim Bürgermeister – der Zirkus Sarani-Royal hat gepackt und das Gelände verlassen. Lediglich Abfall und etwas Mist an dem Platz, an dem die Tiere gehalten wurden, war gestern noch übrig.

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Mit dem Abzug der Zirkusfamilie geht eine mehr als fünfwöchige Blockade des Festplatzes zu Ende, die von Anwohnern zwischenzeitlich als „Belagerung“ empfunden wurde. Ursprünglich hatte sich der Zirkus für ein Gastspiel vom 15. bis 18. August angemeldet, dann jedoch die Zelte nicht abgebrochen. Ein angeblich defekter Lkw, dessen Reparatur nicht bezahlt werden könne, wurde als Begründung angegeben – und die Stadt mit einer konkreten Forderung konfrontiert: Sie solle die Reparatur im fünfstelligen Eurobereich übernehmen, erst dann werde der Zirkus weiterreisen. Als „Erpressungsversuch“ werteten viele Verwaltungsmitarbeiter diese Forderung – und weil sie von sehr aggressivem Auftreten männlicher Zirkusmitglieder begleitet wurde, unterstützen Polizeibeamte fortan Verwaltungsmitarbeiter bei Verhandlungen am Festplatz.

Nach kurzer Recherche stießen die zuständigen Mitarbeiter darauf, dass die Masche mit vorgeblichen Defekten – ob an Zugmaschinen, Zelten oder Wagen – von einigen kleineren Zirkusunternehmen offenbar als zusätzliche Einnahmequelle genutzt wird. In Zirkuskreisen gibt es dafür sogar einen Begriff: „Abfahrtsprämie“.

Bürgermeister Hartmut Büttner machte gestern auf Nachfrage dieser Zeitung deutlich, dass die Stadt Bad Münder keine Zahlung an die Zirkusfamilie geleistet habe. Konsequent habe die Verwaltung sich gegen entsprechende Forderungen verwehrt.

Das Problem, vor dem die Stadt allerdings stand: Auch nachdem sie eine einstweilige Verfügung zur Räumung des besetzten Platzes beim Landgericht Hannover erwirkt hatte, war lange Zeit nicht klar, ob es dem eingesetzten Gerichtsvollzieher gelingen würde, die Familie zum Weiterziehen zu bewegen. Anders als bei der Räumung einer Wohnung wäre der Aufwand zur Räumung eines Festplatzes ungleich größer. Eine Vielzahl von schweren Wagen müsste bewegt werden, die Versorgung der Tiere sichergestellt werden. Entsprechend froh zeigte sich Büttner gestern, dass der Gerichtsvollzieher offenbar erfolgreich auf die Zirkusfamilie einwirken konnte. Das nächste Gastspiel des Zirkus soll in Hemmendorf stattfinden – dort sind die Mitglieder der Zirkusfamilie auch gemeldet.

Aufatmen dürfte jetzt auch Jürgen Schädel, Organisator der Deisterkirmes. Vom 11. bis 14. Oktober hat er den Festplatz gebucht, um dort wie in den Vorjahren ein Volksfest zu veranstalten. Wäre der Platz weiterhin blockiert worden, hätte er seine Veranstaltung absagen müssen.

Leidtragende der Erfahrungen, die die Stadt mit Sarani-Royal gemacht hat, werden andere, seriös agierende Zirkusunternehmen sein. Büttner kündigte bereits an, dass die Stadt die Vergaberichtlinien für den Festplatz Lindenallee ändern wird. Absperren kann sie ihn nicht, aber von einer höheren Kaution für den Platz – derzeit beträgt sie 500 Euro – bis hin zu einer eingehenderen Überprüfung der anfragenden Unternehmen werden die Maßnahmen reichen.jhr

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