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Der Wunsch nach mehr Nachbarschaft

Bad Münder. Falk Tacke investiert in den Standort Rahlmühler Straße. Einen sechsstelligen Eurobetrag lässt der kaufmännische Leiter der Firma Happy Car Wash in die Erneuerung der automatischen Waschanlagentechnik fließen. „Vorzeitig“, wie er betont, denn erneuert werden muss die vor sechs Jahren aufgebaute Anlage eigentlich noch nicht. Tacke hat sich dazu entschlossen, am Standort im Gewerbepark Rahlmühler Straße festzuhalten und ihn weiter auszubauen.

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„Die Sandwich-Lage in Bad Münder zwischen der Region Hannover und Hameln ist nicht einfach“, erklärt der Unternehmer. Nur mit qualitativ hochwertigem Angebot gelinge es, auch Kunden aus dem Umland nach Bad Münder zu holen. Was sich Tacke für den Gewerbepark jedoch wünscht, sind neue Nachbarn, eine Belebung des Gewerbegebietes.

Seit er 2003 die Waschanlage im vorderen Bereich des Gebietes aufbaute, sind nicht mehr viele Unternehmen hinzugekommen. Der Hausmeisterservice Kettelhake, der Reinigungsmittel-Großhandel Hennel und die Wäscherei Dreyer gehören wie auch die Waschanlage zu den Firmen, die sich gleich nach der Erschließung des Gebietes ansiedelten. Die Modellbaufirma Metz und Getränkehändler Moss kamen später, ein Photovoltaik-Dienstleister sicherte sich ebenfalls eine Fläche. Aktuell plant ein weiteres mündersches Unternehmen aus dem IT-Bereich einen Neubau im Gewerbepark.

Für Tacke ein gutes Signal, aber seiner Auffassung nach ist nach mehr als zehn Jahren mit nur mäßigem Erfolg ein Umdenken für eine erfolgreiche Vermarktung des Areals notwendig. Er weiß um die Förderung, die aus EU-Mitteln in die Erschließung des Gewerbegebietes geflossen ist, und ihren Einfluss auf die Grundstückspreise – allerdings müsse es nach so langer Zeit möglich sein, über einen neuen Umgang mit der Förderung nachzudenken.

„Das wird verwaltungsintern auch bereits getan“, erklärt Kämmerer Marcus Westphal auf NDZ-Nachfrage, „die Überlegungen sind längst da.“ Zu Details will er sich noch nicht äußern, er macht aber deutlich, dass Bürgermeister Hartmut Büttner in Gesprächen mit Interessenten für Grundstücke im Gewerbepark entsprechende Überlegungen bereits einfließen lässt.

In den Jahren 2002 und 2003 waren aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) insgesamt rund 790 000 Euro (1,546 Millionen Mark) und damit die Hälfte der Kosten für die Erschließung des Gewerbegebietes „Rahlmühler Straße“ zur Verfügung gestellt worden.

Tackes Wunsch nach verstärkter Ansiedlung im Gewerbegebiet wird auch von anderen Unternehmern geteilt. Eine Möglichkeit, die sowohl Ralph-Hendrik Hennel, Geschäftsführer des Reinigungsmittel-Großhandels, wie auch Detlev Dreyer, Inhaber der Wäscherei, sehen: Der Ausschluss von Einzelhandel im Gewerbepark müsse aufgehoben werden. Mehr Geschäfte mit Kundschaft würden zu einer deutlichen Belebung führen, von der auch andere, bereits angesiedelte Unternehmen profitieren könnten, erwartet Dreyer.

Helfen würden nach Auffassung von Hennel auch bereits kleine Schritte wie etwa eine bessere Pflege des Areals. Gerade erst sei der Wildwuchs auf den freien Grundstücken beseitigt worden, doch darauf hätten die Unternehmen lange gewartet. „Einfach schöner gestalten“, so eine Empfehlung Hennels in Richtung Stadtverwaltung. Das sei zwar nicht das Patentrezept, um sich im schwierigen Wettbewerb gegen die starken Mitbewerber in Autobahnnähe durchzusetzen, würde aber bei Interessenten schon mal einen besseren ersten Eindruck hinterlassen als ein Gebiet, auf dem die Natur sich selbst überlassen werde. Dreyer erinnert sich in diesem Zusammenhang noch immer an einen Satz von Ex-Bürgermeisterin Silvia Nieber: Als „Flaniermeile“ habe sie die Fußwege im Gewerbepark bezeichnet – doch Dreyer entdeckt nicht einmal Münderaner, die ihren Hund ausführen.jhr

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