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Arbeitsgemeinschaft Weserbergland analysiert den Wandel in der Museumslandschaft

Der wichtigste Lernort außerhalb der Schule

Obernkirchen/Weserbergland (rnk). Zugegeben: Allzu oft besucht die Arbeitsgemeinschaft Weserbergland die Bergstadt nicht. Aber die Sanierung der Schlosserei Bornemann und das neue Schaumburgische Zentralmagazin in der Zehntscheune waren allemal Grund für die Historiker und Museumsleiter, Obernkirchen für das nächste Treffen auszuwählen. Nach der Besichtigung der Schlosserei wurde die generelle Stellung der Museen beraten - de nn die Museumslandschaft, sie wandelt sich.

Es zeigen sich bei diesem Wandel erfreuliche und weniger erfreuliche Tendenzen. Die Besucherzahlen stagnieren, alte Besuchergruppen schwinden dahin, die Busreisegruppen sindüberall rückläufig. Bei der Ursachenforschung wurden die Experten an vielen Stellen fündig: Freizeitparks ohne eigentliche museale Aufgaben, historische Märkte, vielfältig variierte Stadtführungen und die vielfältigen Informationsmöglichkeiten im Internet bedeuten eine willkommene kulturelle Bereicherung für alle, gehen aber auch zulasten der Besucherzahlen in den bestehenden Einrichtungen. Aber es gibt auch neue Besuchergruppen, die rückläufigen Geburtenraten sind in den Museen nicht zu bemerken. Im Gegenteil. Schulklassen, Kindergeburtstage oder Workshops bringen weit mehr Kinder und Jugendliche in die Museen als noch vor einigen Jahren. Und noch eine Tendenz wird festgestellt: Mehr Touristen, insbesondere auch ausländischeGäste, informieren sich in den Museen über Leben und Lieben in vergangenen Epochen. Denn die Zeiten, sagt Dr. Stefan Meyer als Leiter der Eulenburg in Rinteln und Sprecher der "Arbeitsgemeinschaft Weserbergland im Museumsverband für Niedersachsen und Bremen", die Zeiten, in denen in den kleinen und mittleren Städten das Kultur- und Freizeitangebot so gering war, dass sich die Museen automatisch mit Besuchern füllten, sind längst Vergangenheit. Heute müssen die Museen in einer Fülle von Freizeitangeboten um jeden Besucher kämpfen. Meyer: "Ihre Aufgabe ist es, anspruchsvolle, nicht immer leicht eingängige Themen publikumswirksam und für viele Menschen interessant zu präsentieren." Über das nicht totzukriegende Klischee des beschaulichen Museums, in dem die Zeit stehen geblieben ist, können Museumsleute von heute nur mit dem Kopf schütteln: Herausforderungen in Veranstaltungsplanung, Marketing, Information, Dokumentation, Bestandspflege, Verzeichnung unterschiedlichster Veranstaltungen und die Kommunikation in mitgliederstarken Trägervereinen halten die Museen auf Trab und fordern jeden einzelnen Tag Managementqualitäten und Marktorientierung. Als wichtiger Markstein auf dem Weg zur Qualitätsverbesserung wird dabei die Museumszertifizierung in Niedersachsen eingeschätzt, die jetzt im zweiten Jahr fortgesetzt wird. Drei Museen aus dem Weserbergland sind bereits mit einem Zertifikat ausgezeichnet, weitere werden folgen. Flexibel gestaffelte Eintrittspreise, attraktive Museums-Shops, gezielte Ansprache der Schulen und noch mehr ehrenamtliches Engagement stoßen zudem dort an ihre Grenzen, wo die Museen nicht nur der Präsentation, sondern auch dem Erhalt und der Dokumentation von Kulturgut verpflichtet sind. Meyer sieht es so: "Museen dürfen jenseits des publikumsorientierten Tagesgeschäfts die aufwendige kostenintensive Aufgabe des Sammelns und vor allem des Bewahrens nicht aus den Augen verlieren." Die Museen im Weserbergland sind mit ihren jährlich rund 350 000 Besuchern nicht nur ein starkes Standbein des Tourismus und der wichtigste außerschulische Lernort in der Region. Sie sind mit mehr als 7000 Führungen und Veranstaltungen wichtige lokale Kulturveranstalter und mit ihren Archiven und Bibliotheken zugleich Informationsstellen zur regionalen Geschichte und Landeskunde. Museen seien "Kristallisationspunkte der regionalen Identität und damit auch wesentlicher wirtschaftlicher Standortfaktor", so Meyer. Besorgnis erregend sei die gegenwärtige Vernachlässigung oder gar Schließung und Auflösung einzelner Stadtmuseen im Weserbergland. Traditionsreiche Häuser seien in Bedrängnis, wie die Schließung des Museums in Holzminden und die prekäre Situation in Bückeburg zeigen. Erfreulich sei, dass mit der geplanten Neugestaltung des Hamelner Museums wieder ein wichtiger Schritt zur besucherorientierten Modernisierung der Museumslandschaft Weserbergland in greifbare Nähe getan werde, so Meyer: "Die Sanierung wird die zentralörtliche Bedeutung Hamelns in der Region weiter stärken und auch ein Impuls für andere, benachbarte Häuser sein." Eine gemeinsame Webseite der Museumslandschaft existiert bereits, in Planung ist nun eine neue Museumsbroschüre, insbesondere die Finanzierung ist nicht ganz einfach, weil im Weserbergland drei Bundesländer aneinandergrenzen.




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