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725 Jahre Baarsen, ein Dorf in der Grafschaft Pyrmont / Viele Dorfbewohner starben an der Pest

Der Teufel sollte die Mühlenflügel drehen

Das Dorf Baarsen auf der Ottensteiner Hochebene ist im 8. Jahrhundert als sogenannter Hausenort gegründet worden. Nach dem Gründer, einem gewissen Bardo, wurde es Bardoshausen genannt, woraus sich im Laufe der Jahrhunderte der heutige Name Baarsen entwickelte. In der Zeit zwischen 1237 und1247 wird das Dorf erstmals in einer Aufzeichnung des Schultheißen von Hameln erwähnt. Die erste datierte Erwähnung finden wir in einer Urkunde vom 27. Januar 1284, vor mehr als 725 Jahren also.

Sattelhof Judenherzog in Baarsen.

Autor:

Manfred Willeke

Das Dorf Baarsen auf der Ottensteiner Hochebene ist im 8. Jahrhundert als sogenannter Hausenort gegründet worden. Nach dem Gründer, einem gewissen Bardo, wurde es Bardoshausen genannt, woraus sich im Laufe der Jahrhunderte der heutige Name Baarsen entwickelte. In der Zeit zwischen 1237 und1247 wird das Dorf erstmals in einer Aufzeichnung des Schultheißen von Hameln erwähnt. Die erste datierte Erwähnung finden wir in einer Urkunde vom 27. Januar 1284, vor mehr als 725 Jahren also. Damals war Bernhardus von Baarsen, der sich nach seinem Herkunftsort nannte, Ratsherr in Lügde und bezeugte eine Urkunde der Grafen Hermann und Konrad von Pyrmont. Sein Sohn Johannes war 1293 Bürgermeister der Stadt Lügde und hatte zahlreiche Nachkommen, die sich noch bis ins 17. Jahrhundert hinein in der Stadt nachweisen lassen. Nach 1370/80 starb ein großer Teil der Dorfbewohner an der Pest. Die wenigen Überlebenden zogen in die nahegelegenen Orte Ottenstein, Lügde oder Hameln, und das Dorf verfiel. Es geriet allerdings nicht in Vergessenheit und wurde seit 1516 neu besiedelt. Die ersten Siedler waren: Ludolph Biermann, Johann Biermann, Hermann Nebelsiek, Heinrich Schrader, Heinrich Winter, Johann Voßhagen, Hans Paucks und Hermann Samson. Sie alle stammten aus dem Raum Westlippe/Ravensberg (Bielefeld). Teilweise lassen sich, wie im Falle von Hermann Nebelsiek, der aus der Bauerschaft Falkendiek oberhalb von Herford stammt, sogar die genauen Herkunftsorte nachweisen. Das Dorf entwickelte sich gut und zählte 1580 bereits 26 Höfe. Obwohl es innerhalb der Grafschaft Pyrmont lag, gehörte der größte Teil des Landes dem Grafen zur Lippe, was zu vielfachen Schwierigkeiten führte. Aus diesem Grund erwarb Graf Philipp Ernst zu Gleichen-Spiegelberg und Pyrmont 1598 den lippischen Besitz. 1614 befreite der Graf den Hof der Familie Judenherzog in Baarsen von allen Abgaben und Lasten, sodass in der Dorfmitte – wo heute die Mehrzweckhalle steht – ein eigenständiger Guts-/Sattelhof entstand. Die Judenherzogs, eigentlich Gudesherz genannt, stammten ursprünglich aus dem Hof N. 13 in Unterwüsten bei Bad Salzuflen und gehörten zu den Neusiedlern in Baarsen, die sich seit 1576 nachweisen lassen. Ein Jahr vor der Erhebung zum Guts-/Sattelhof, hatte Christoph Judenherzog das Hofgebäude neu errichten lassen, dessen Torbogen bis heute erhalten geblieben ist. Im 30-jährigen Krieg, 1618-1648, wurde Baarsen stark in Mitleidenschaft gezogen. Das Dorf wurde wiederholt überfallen und ausgeplündert und die Einwohner verarmten. Sogar der Besitzer des Guts-/Sattelhofes, Heinrich Judenherzoge, verarmte und zog 1644 mit seiner Mutter und Schwester zu seinem Bruder nach Sommersell. Andere Einwohner mussten wegen ihrer Armut z. B. Scheunen und alte Ställe auf Abbruch verkaufen, um ihre Steuern bezahlen zu können. Es dauerte Jahrzehnte, bis die Schäden des 30-jährigen Krieges überwunden waren. 1669 hatte Baarsen dann aber wieder 31 Höfe, deren Besitzer rund 831 Morgen Land bewirtschafteten. Am 1. Mai 1676 brannten davon allerdings innerhalb nur einer Stunde (!) die Höfe von Hans Schluwe, Ernst Paucks, Caspar Nebelsiek, Hans Mergel und Jasper Gottschalck nieder. Graf Georg Friedrich zu Waldeck-Pyrmont erließ ihnen daraufhin die zu zahlenden Abgaben und wies den Oberförster an, den „armen abgebrannten Untertanen“ Bauholz kostenlos zur Verfügung zu stellen. So konnten die Höfe schnell wieder aufgebaut werden. Da sie nach der Meierordnung unteilbar vererbt wurden, wanderten viele nachgeborene Söhne und Töchter ab. Andere die in Baarsen blieben, mussten als Knechte und Mägde auf den elterlichen Anwesen arbeiten, oder errichteten kleine „Neubauernstellen“ mit wenigen Morgen Land. Sie rodeten nach und nach Wald, um ihre kleinen Neubauernstellen auszubauen. 1720 gab es neun Neubauern, allesamt unvermögend.

Da den Einwohnern der Bergdörfer der Weg zur Dringenauer Mühle zu weit war, erlaubte ihnen der Landesherr 1694, eine Windmühle bei Baarsen zu erbauen. Der erste Windmüller war Heinrich Hamann aus Eichenborn. Er wurde, wie die Müller überall, mit dem Teufel in Verbindung gebracht. Dafür, dass er diesem seine Seele versprochen hatte, sollte der Teufel die Flügel drehen, wenn es windstill war. 1923 brannte die Windmühle ab, an die heute noch das gleichnamige Gasthaus erinnert, neben dem der Gastwirt Kleinsorge inzwischen eine sehr hübsche, kleinere Ausgabe der letzten Windmühle errichtet hat. In der Nähe von Baarsen, im Mosterholz, entstand um 1700 auch eine Ziegelei, die später verlegt wurde und noch bis 1962 Ziegelsteine produzierte. Seit wenigstens 1737 hatte Baarsen auch eine Schule, in der damals allerdings mehr Christenlehre als Rechnen und Schreiben unterrichtet wurde. Die Lehrer waren zum Teil ausgediente Soldaten, die oft nur wegen ihrer „Weltmännischen“ Erfahrung eingestellt worden waren. Zum Teil ließen sich diese, bei Ausbruch des Siebenjährigen Krieges 1756, wieder als Soldaten anwerben. 1757 lagerten bei Sabbenhausen 1700 Soldaten, die alles „wegführten, was sie fanden“. Einige Jahre später, als wieder einmal Franzosen in der Nähe von Baarsen lagerten, schlich sich Bauer von der Heide-Biermann zum Wagen, legte Feuer an den Pulverwagen und lief flugs nach Hause. Wenig später flog der Wagen in die Luft, die Franzosen flohen.

Nach Jahrhunderten der Abhängigkeit bekam Baarsen nach der Bauernbefreiung 1848 eine eigene Gemeindeverwaltung mit Bürgermeister und Gemeinderäten. Der erste Bürgermeister war Ludwig Klenke. Am 15. Juli 1880 und 21. November 1882 zogen Gewitter mit Hagelschlag über Baarsen, Neersen und Eichenborn hinweg, die alle Garten- und Feldfrüchte und den größten Teil aller Fensterscheiben zerstörten. Pastor Matthias aus Neersen sammelte daraufhin 1943 Mark für die Geschädigten. Da es häufig auch Ernteausfälle durch Trockenheit gab und die Bauern in Not gerieten, gründeten sie 1894 eine Genossenschaftsbank (heute Volksbank) mit Sitz in Baarsen. Im Sommer trockneten auf der ganzen Ottensteiner Hochebene immer wieder die Brunnen aus, sodass die Einwohner froh waren, als 1930/31 eine Wasserleitung gebaut wurde. 1932 wurde der Turnverein in Baarsen gegründet und 1934 veranstaltete der 1925 schon erwähnte Junggesellenverein einen Karnevalsumzug durch das Dorf. Während des 2. Weltkrieges wurde 1940 ein Gefangenenlager in Baarsen eingerichtet und sogar ein provisorischer Schutzbunker errichtet. Am 4. April 1945 besetzten die Amerikaner Baarsen. Wenige Monate später kamen dann die ersten Flüchtlinge und Vertriebenen nach Baarsen, darunter der Arzt Dr. Lohrer, der in Baarsen blieb und eine eigene Praxis eröffnete. Die Einwohnerzahl stieg sprunghaft von 300 auf 600. Viele der Flüchtlinge und Vertriebenen zogen später wieder fort, weil es kaum Arbeit in Baarsen gab. 1971 verlor Baarsen seine Ortsteile Butze, Finkenborn und Lüdenberg an die Stadt Lügde, erhielt allerdings eine Ausgleichszahlung, die für den Bau der Mehrzweckhalle verwendet wurde. 1973 schloss sich Baarsen der Stadt Bad Pyrmont an.

Alte Schule in Baarsen.
  • Alte Schule in Baarsen.
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Dorfmitte Baarsen mit ältestem Haus von 1635.

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