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Edertalgemeinden wollen einen vollen See / Oberweser braucht Wasser für Schifffahrt und Tourismus

Der Streit ums Weserwasser flammt neu auf

Weserbergland (TT). Das Thema ist schon Jahrzehnte alt, alle drei bis fünf Jahre kocht es hoch, nun ist es mal wieder soweit: Zwischen dem Edertal und der Oberweser ist ein neuer Streit ums Wasser ausgebrochen. Die Gemeinden rund um die Edertalsperre fordern, das Wasser im Stausee zu belassen - und führen dabei touristische Gründe an. Die Anrainer der Oberweser bestehen dagegen auf einer regelmäßigen Wasserzufuhr aus der Talsperre - und führen touristische, gewässerökologische sowie schifffahrtstechnische Gründe an.

Mittendrin in diesem Streit steckt das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Hannoversch-Münden als Unterbehörde des Bundesverkehrsministers, dem die Edertalsperre "gehört". Amtsleiterin Katrin Urbitsch kennt die Argumentationslinien vom Edersee wie auch von der Weser: "Beide Seiten haben letztendlich wirtschaftliche Gründe, um das Wasser zu kämpfen. Am Edersee hat sich der Tourismus gut entwickelt, die Anrainer argumentieren, zum Geschäft mit den Touristen gehöre ein voller See. Die Oberweser-Gemeinden sind ebenfalls auf den Tourismus angewiesen. Und außerdem ist die Weser eine Schifffahrtsstraße." Urbitsch sieht den Streit "relativ gelassen", ihr Amt hält sich an die nach wie vor gültigen Ergebnisse einer Edertal-Konferenz aus dem Jahr 2004. Damals haben die Beteiligten beschlossen, dass die Talsperre täglich soviel Wasser abgibt, wie für einen Weser-Pegelstand von 1,20 Meter in Hannoversch-Münden notwendig ist. Bei einem solchen Wasserstand ist Schifffahrt möglich, sind für die Weser keine ökologischen Probleme zu befürchten und bleibt auch der Edertalsperre noch genügend Wasser. Da der Streit ums Wasser dennoch erneut ausgebrochen ist, hat der Regierungspräsident in Kassel für den kommenden Mittwoch zu einem klärenden Gespräch eingeladen. In diesem Sommer kommt allerdings erschwerend hinzu, dass auf der Weser mehrere jeweils gut 100 Tonnen schwere Guss-Teile aus England nach Hannoversch-Münden transportiert werden müssen - und diese Transporte brauchen jeweils eine zusätzliche Welle, damit die Schiffe nicht stecken bleiben. Das WSA fühlt sich ohnehin grundsätzlich der ursprünglichen Aufgabe der Edertalsperre verpflichtet: "Die Talsperre wurde ursprünglich zur Stützung der Schifffahrt auf der Oberweser gebaut sowie zum Hochwasserschutz und zur Stromgewinnung." Urbitsch stellt vorsorglich klar, die derzeitigen Schwertransporte und die damit zusammenhängenden Extra-Wellen könnten nicht dafür verantwortlich gemacht werden, dass der Edersee in diesem Sommer weniger Wasser hat als in den letzten Jahren. Der Edersee fasst bis zur "Oberkante Unterlippe" 200 Millionen Kubikmeter Wasser, 20 Millionen Kubikmeter müssen als Mindestinhalt aus ökologischen Gründen jenseits der Staumauer bleiben. Derzeit ist die Talsperre mit 90 Millionen Kubikmetern befüllt - das sei "ein bisschen weniger als für diese Jahreszeit üblich, wir hatten in diesem Jahr aber auch weniger Niederschlag". Hameln als eine der wichtigsten Städte an der Oberweser und weltweit bekanntes Touristenziel hat "ein existenzielles Interesse an einem Wasserstand, der Schifffahrt zulässt". Stadtsprecher Thomas Wahmes: "Viele Touristen wollen die Weser erleben. Sinkt der Wasserstand, fällt das flach. Deshalb drängen wir auf den vereinbarten Wasserstand." Wie natürlich auch die "Flotte Weser" mit ihren Ausflugsdampfern. Reeder Jörg Menze: "Ohne den Pegel von 1,20 Meter hätten wir Probleme, unsere Fahrgastschiffe noch fahren zu lassen." Menze hat allerdings aktuell ein anderes großes Problem: "Die derzeitigen Schwertransporte nehmen den Fahrgastschiffen das Wasser weg. Jede Extra-Welle verringert den Wasserbestand in der Talsperre deutlich, dieses Wasser fehlt uns dann später. Wir befürchten, dass wir deshalb unsere Saison früher beenden müssen als wir wollen." Üblicherweise endet die Saison Mitte Oktober. Menze: "Die Schwertransporte hätten auch im Winter stattfinden können." Im Streit ums Wasser hat auch der in Bremen ansässige Weserbund Stellung bezogen: Das Wasser aus der Edertalsperre müsse auch in Zukunft für die Oberweser eingesetzt werden. Sprecher Ralf-Rüdiger Heinrich: "Die Schifffahrt muss gewährleistet bleiben. Eine Verringerung der Wasserabgaben hätte zudem erhebliche negative Folgen für die Gewässerökologie, da in den Sommermonaten bis zu 50 Prozent des Weserwassers aus der Edertalsperre stammt."




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