weather-image
Morgendliche Geschwindigkeitsmessungen auf der Rintelner Straße / Polizei: "Hier passiert zu viel"

Der Rekordhalter rast mit 121 km/h durch

Obernkirchen (rnk). Da staunt der Autofahrer: Es ist 6.25 Uhr am Montagmorgen - und die Polizei kontrolliert auf der Rintelner Straße die Geschwindigkeit. Der frühe Beginn sei Programm, erklärt Hauptkommissar Rainer Schlie: "Niemand soll denken, dass die Polizei nur zu ihren festgelegten Dienststunden den Verkehr überwacht."

0000485258.jpg

Zwei Stunden später ist nachweisbar, dass der vorverlegte Dienstbeginn eine gute Entscheidung war. Rund 30 Wagen haben Schlie und seine beiden Kollegen, Polizeikommissar Bernd Steding und Polizeihauptkommissar Uwe Schröder, herausgewunken und deren Fahrer zur Kasse gebeten, darunter zwei echte Raser. Ein Autofahrer ist die Rintelner Straße mit 90 Stundenkilometern in Richtung Innenstadt runtergebrettert, beim "Tagessieger" werden von den beiden Kollegen der Verfügungsbereitschaft Nienburg/Schaumburg sage und schreibe 121 km/h gemessen. Vier Punkte, drei Monate Führerscheinentzug und gut 300 Euro Bußgeld, tippen Schlie und Kollegen, wird den Raser die Schussfahrt kosten. Es ist keine Schikane, sondern eine Notwendigkeit, an der Landesstraße zu messen, erklärt Schlie, und zählt vier, fünf Unfälle der letzten Zeit auf, die auf zu hohe Geschwindigkeit zurückzuführen sind. "Hier passiert genug, um nicht zu sagen zu viel." Und zwar in beiden Richtungen: Auch in Richtung Ortsausgang, in Richtung Rolfshagen, wird zu schnell gefahren, meint Schlie. Und nach einem Moment des Nachdenkens präzisiert er: "Erheblich zu schnell." Regelmäßige Kontrollen als Mittel gegen gewohnheitsmäßig Raser - das ist kein Allheilmittel, aber ein notwendiges Zeichen: "Hier ist der Schulweg, hier kreuzen Wege, hier ist Präventionsarbeit gefragt", erklären Schlie, Steding und Schröder. Es ist eine vorbeugende Arbeit, die ruhig jeder sehen darf: Nicht ohne Grund haben sich die drei Polizisten entschlossen, nicht in der schwarzen und eher unauffälligen Uniform an der Straße zu stehen, sondern mit den leuchtend gelb-rot Westen. "Wenn wir sehen, es wirkt und die Autofahrer fahren langsamer, dann war es ein Erfolg", erklärt Schlie die generellen Einsatzkriterien, denn: "Wir machen das nicht, weil wir viel Geld einnehmen wollen." Wohl wahr, denn die Summen, die die Autofahrer zumeist an Ort und Stelle bezahlen, sind nicht unbedingt der Rede wert. 20 Euro hier, 30 Euro da. 95 Prozent der Angehaltenen verhalten sichzudem einsichtig. Auf beiden Seiten wird die Prozedur mit großer Freundlichkeit über die berühmten Runden gebracht. Nur die großen Tempo-Sünder, die machen ihrem Ärger eher lautstark Luft. Und nicht sie sind schuld, weil sie zu schnell gefahren sind, sondern die Polizei, weil sie zu so unmöglicher Zeit kon trolliert. Den Spruch des Tages steuert dann der 121-Stundenkilometer-Raser bei: "Dabei habe ich es gar nicht eilig gehabt." Eine vernünftige Einsicht, die sieht wohl anders aus.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt