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Pestalozzischüler engagieren sich für die Kriegsgräberpflege - und diskutieren mit Sebastian Edathy und Reinhard Führer

"Der Papst hat sich für unsere gute Arbeit bedankt"

Rinteln (clb). Tief berührt sind die Zehntklässler der Pestalozzischule gewesen, als sie zwischen Tausenden von Gräbern gestanden haben. Gräbern von jungen Menschen, die unschuldig und sinnlos gestorben sind - im Krieg. "Das war ziemlich beeindruckend", erinnert sich ein Junge. "Und es hat einem selbst viel gebracht.Man musste sich ja erstmal darüber klar werden, dass überall Tote liegen."

MdB Sebastian Edathy (2.v.r.) und Reinhard Führer, Präsident des

Über Grabstätten von Kriegsopfern und ihre angemessene Pflege, Respekt gegenüber den Toten und Fairness untereinander haben sich gestern Vormittag die Schüler der Klasse 10 b mit dem Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy sowie dem Präsidenten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Reinhard Führer, unterhalten. Jeder der neun Schüler hatte die Möglichkeit, eine Frage zu stellen oder seine Erlebnisse zu schildern, die er im vergangenen September auf dem Soldatenfriedhof in Niederbronn (Lothringen) gemacht hatte. In Begleitung von Klassenlehrer Heinz Hering und seinem Kollegen Uwe Härtel hatten sich die Pestolozzischüler im Rahmen ihrer Klassenfahrt intensiv um die Pflege der Gräber gekümmert - sie von Unkraut und Moos entfernt, die Steine gereinigt und neue Pflanzen eingesetzt. Auf der Gedenkstätte in Niederbronn sind heute 15 472 Soldatengräber vorzufinden. Tausende von deutschen und amerikanischen Soldaten mussten ihr Leben im Zweiten Weltkrieg dort lassen - um diesen Opfern zu gedenken, wurde dort in den sechziger Jahren ein riesiger Friedhof errichtet. Zunächst erklärte Reinhard Führer den Schülern - die für diese Gesprächsrunde übrigens einen Tag ihr Praktikum unterbrochen hatten -, dass dieses Thema nach wie vor aktuell sei und es immer wieder wichtig sei, sich erneut mit der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen. 18 Millionen Wehrmachtsopfer seien registriert worden, darunterüberwiegend junge Menschen, fuhr Reinhard Führer weiter fort. Zur Zeit des Nationalsozialismus habe es nur einseitige und propagandistische Berichterstattung gegeben - es sei also gar kein Wunder gewesen, dass viele junge Menschen dadurch "verführt" worden seien. Das ganze Nachdenkenüber jene Zeit und jene Ereignisse komme dann auf so einem Friedhof. "Und unser Einsatz soll zeigen, dass wir gegen das alles sind, was damals geschehen ist", machte der Volksbund-Präsident deutlich. Nach wie vor werde Hilfe benötigt - gerade in Gebieten wie dem heutigen Weißrussland und der ehemaligen Sowjetunion. Im Jahr 1955 hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge mit der Jugendarbeit begonnen - doch weder in Führers noch in Edathys Schulzeit wurde die Grabpflege in den Unterricht mit einbezogen. "Bei mir in der Schule gab es solche Projekte nicht", erinnert sich der Bundestagsabgeordnete. Umso besser findet er es, dass sich der Volksbund für die Arbeit an den Schulen einsetze. Zugleich wolle er dafür werben, dass sich noch mehr Bildungseinrichtungen im Landkreis an der Kriegsgräberpflege beteiligen. "In Schaumburg gibt es zwar schon viele Schulen, die sich dafür einsetzen, aber es müssen noch mehr werden", erklärte Edathy. Ein besonderes Erlebnis für den Volksbund-Präsidenten, wie die Pestalozzischüler zuvor recherchiert hatten, war seine Begegnung mit dem Papst. Vor 6000 Menschen habe er zu den 20 Personen gehört, die in der ersten Reihe stehen und dem Oberhaupt der katholischen Kirche die Hand geben durften. "In so einem Moment ist manschon sehr stolz - aber nicht auf sich selber, sondern auf den Volksbund und seine geleistete Arbeit", schilderte Führer. "Und für diese Arbeit hat sich der Papst bei uns bedankt..." Reinhard Führer ging übrigens nicht mit leeren Händen aus der Pestalozzischule - er bekam das selbstgemalte Gräber-Bild geschenkt, das Tim Nowicki im Unterricht gemalt - und damit genau den Geschmack des Volksbund-Präsidenten getroffen hatte.



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