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Gitarren-Musik aus vier Jahrhunderten in der Jetenburger Kirche

Der Meister der leisen Töne - Hein Brüggen spricht Gefühle an

Bückeburg. Die Kulisse schien wie geschaffen für Hein Brüggen, denn die Jetenburger Kirche bot dem klassischen Gitarristen mit Hang zur Jazzmusik ein ideales Umfeld. Die Akustik, die Höhe des Raumes, all das wusste der Meister der leisen Töne für seine Inszenierung von Werken aus vier Jahrhunderten wirkungsvoll zu nutzen.

Autor:

Dietlind Beinßen

Hein Brüggen schickte seinem Auftritt anschauliche Erklärungen voraus. Der erste Spannungsbogen war damit geschlagen, die Neugier im gut besetzten Gotteshaus geweckt, bevor er überhaupt Platz nahm. Fortan herrschte bis zum Schluss eine konzentrierte Atmosphäre. So verschieden die anschließenden Darbietungen auch sein mochten, allen merkte man den Purismus eines Virtuosen an, der sich und seiner Musik ohne Effekthascherei Freiräume lässt. Mit speziellen Gitarrenbearbeitungen für eine Bach-Sarabande, drei anmutigen kleinen Händelergüssen sowie drei Miniaturen, die Haydn dereinst einem Streichquartett zugedacht hatte, begann das Konzert im Zeitalter des Barock. Danach widmete sich der fingerfertige Künstler der klassischen Epoche, indem er die vertrackten Rhythmen einer "Etüde in h-Moll" von Fernando Sor - einem Vorläufer der spanischen Romantik - gekonnt in Szene setzte. Derjenige, der die Gitarre erst zu dem gemacht hat, was sie heute ist, heißt Francisco Tarrega, in dessen Gefühlstiefen Hein Brüggen das aufmerksame Publikum mit dem ansprechenden "Ein Traum" entführte. Aber nicht nur mit der Entwicklung des heutigen Gitarrenkorpus eroberte Tarrega neue Klangwelten, auch durch Änderungen der Vortragstechnik erzielte er Wirkungen, die der Solist geschickt ausreizte. Bevor der Experte die Anwesenden in ganz andere Sphären einlud, entlockte er seinen sechs Saiten in der facettenreichen Schöpfung über die nordspanische Landschaft Asturien große Ausdrucksfülle. Geschrieben hatte das ebenso filigrane wie pulsierende Epos Tarrega-Zeitgenosse Isaak Albeniz, von Haus aus Pianist und Lisztschüler. Wie souverän und leichthändig er sich darauf versteht, polyphone Melodie, Rhythmus und Bass gleichzeitig zu spielen und dadurch die unterschiedlichsten Klangfarben zu erzielen, bewies Hein Brüggen bei den sich anschließenden Jazz-Evergreens. Der Gitarrist blieb seiner temperierten Linie treu, selbst wenn er perkussive Elemente einbrachte, aber er nutzte wiederum seine Möglichkeiten, um der Lust am Instrument zu frönen. Auf diese Weise spann er ein dicht verwobenes Notennetz unterschiedlichster Prägung, das mit quicklebendigen spanischen Marktplatz-Impressionen von Torriga endete, genau genommen aber mit einer lebhaft erklatschten Zugabe, der Brüggen-Komposition "Spanische Impressionen".



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