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„Der Skulptur auf der Spur“: Der „Pauker“ aus Bronze

Der Mann, der sich gegen Colt Seavers durchsetzte

Hameln. Sie stehen im Bürgergarten, an der Weser, in der Fußgängerzone: Skulpturen gibt es in Hameln nahezu überall. Woher kommen sie? Weshalb zieren sie den jeweiligen Standort? Und wie lange schon? Julia Marre hat sich umgesehen. Die Ergebnisse dieser Spurensuche stellen wir in loser Folge vor. Heute: „Der Pauker“ von Bernhard Kleinhans.

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Er ist noch lange nicht so alt, wie er aussieht: Sein buschiges Haar hat die Halbglatze freigelegt. Der Bauch ist ordentlich gewölbt. Dabei ist „Der Pauker“ von Bernhard Kleinhans gerade mal 25 Jahre alt. Mit der Brille auf der Nase, einer lässigen Armhaltung und einem Buch in der Hand steht er seit 1985 auf dem Schulhof der Hermannschule: Pause für Pause – und nicht nur dann. Denn dieser „Lehrer“ hat immer die Pausenaufsicht. Aber er ist ein ganz geduldiger und ruhiger Typ. Er ist nämlich aus Bronze.

Heinz Kohlmeier, der damalige Leiter der Hermannschule, hat im Herbst 1985 seine Schüler zur überlebensgroßen Skulptur befragt. Wie er aussieht? „Wie Charlie Chaplin“, „vielleicht ist er ein Prinz“ und „er geht in die Kirche“ sind einige Antworten der Schüler. Manche erinnerte er an Dagobert Duck. Andere sahen in ihm eine Figur aus „Max und Moritz“ oder gar Mozart und Beethoven. Und, ganz ehrlich, einige Schüler hätten an seiner Stelle lieber eine Skulptur von Otto, Didi Hallervorden oder Phantomas gesehen. Deswegen wollten sie ihn in der Pause auch nicht nur ins Versteckenspielen einbeziehen. Sondern „daraufklettern“, „dumme Sprüche draufschreiben“, ihn „befummeln“ oder „genau begucken“.

Und der „Pauker“? Er ließ und lässt wohl all dies in stoischer Ruhe mit sich machen. Wohl wissend, dass er sich gegen Colt Seavers und Boris Becker, gegen Dracula, Elvis Presley und Otto durchgesetzt hat. Und gegen eine riesige Figur, „in der der Hausmeister stehen und Kakao“ hätte verkaufen können.

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Ansonsten ist der „Pauker“ ein mysteriöser Mann. Unverkennbar ist seine Verwandtschaft mit der „Neugierigen“, die – wenn nicht gerade die Fußgängerzone renoviert wird – vorm Museum steht und kichert. Und auch „Die Lesende“, die in der Stadtbücherei sitzt, gehört zu seiner Familie. Denn sie alle hat der westfälische Bildhauer Bernhard Kleinhans geschaffen. Der Künstler, der 2004 im Alter von 78 Jahren starb, hinterließ vor allem im Stadtbild Münsters seine Spuren. In seinem Geburtsort Sendenhorst im Münsterland hatte er sich eine Bronzegießerei eingerichtet. Heute ist sein 1968 geborener Sohn Basilius ebenfalls als Bronzegießer tätig. Auf dem Schwabinger Weihnachtsmarkt an der Münchner Freiheit zeigt Basilius Kleinhans noch bis Heiligabend drei seiner Plastiken.

Lesen Sie in unserem Online-Dossier auf www.dewezet.de alle bisher veröffentlichten Texte der Reihe „Der Skulptur auf der Spur“.

Bald haben alle Ferien – nur er nicht: Bernhard Kleinhans‘ „Pauker“ steht bei Wind und Wetter und Schnee auf dem Hof der Hermannschule. Fotos: Wal/Dana

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