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Afghanistan Thema bei Kongress / Ramms: Drogenanbau bekämpfen

Der General will mehr Soldaten

Minden (mt). Der ranghöchste deutsche Nato-Offizier, General Egon Ramms, fordert, die Zahl der Soldaten in Afghanistan aufzustocken. Er wünscht sich außerdem ein stärkeres Engagement der UNO, um auch die zahlreichen Nicht-Regierungs-Organisationen vor Ort dazu zu bewegen, mit den Truppen zusammenzuarbeiten.

"Wenn es den Nationen nicht gelingt, das militärisch notwendige Material und Personal bereitzustellen, werden wir das Vertrauen in Afghanistan und in der Heimat nicht gewinnen. Wir bieten zunehmend Angriffsfläche für Kritik, die dort wie hier auf Dauer ihre Wirkung nicht verfehlen wird", sagte Ramms. Der Vier-Sterne-General ist im Nato-Hauptquartier im niederländischen Brunssum zuständig für die Führung des Einsatzes der Nato in Afghanistan. Ramms war Hauptredner beim 14. sicherheitspolitischen Kongress der Karl-Theodor-Molinari-Stiftung (Bundeswehrverband) in der Stadthalle. Moderiert wurde der Kongress vom Ex-Bundestagsabgeordneten Günther Nolting (FDP). 150 Zuhörer sind in diesem Jahr nach Minden gekommen. In Afghanistan fehle eine einheitliche Strategie zur Bekämpfung des Drogenanbaus, beklagte Ramms: "Die Taliban haben den Anbau des Schlafmohns als Einnahmequelle entdeckt." Der Mohnanbau sei ein Musterbeispiel für die Notwendigkeit eines koordinierten Einsatzes in Afghanistan: "Obwohl sicherheitsrelevant, hat ISAF kein Mandat und keine Möglichkeit, diese Form der Finanzierung einzudämmen." (ISAF ist die Abkürzung für die Internationale Schutztruppe für Afghanistan: International Security Assistance Force). Ebenso seien die Möglichkeiten begrenzt, wenn die Taliban grenzüberschreitend operieren. Die heftigsten Kämpfe sind in den Grenzgebieten zu Pakistan - aber Nachbarländer liegen außerhalb des Einsatzraums der ISAF-Truppen. General Ramms: "Angesichts der Bedeutung dieser Rückzugsgebiete müssten sich die Politiker und Diplomaten in Pakistan die Klinke in die Hand geben." Sein Fazit: "Vier Jahre nach Beginn des Nato-Engagements in Afghanistan erkenne ich keine abgestimmte Vorgehensweise der Nato jenseits des militärischen Einsatzes. Dieser muss durch politische und diplomatische Anstrengungen begleitet werden. Hier würde ich gern das große Orchester der internationalen Gemeinschaft hören." Der Bundestag wird im Oktober vermutlich der Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan zustimmen. Wenn es nach General Ramms geht, bleiben die deutschen Soldaten dort länger als geplant, auch wenn die Gefahren nicht geringer werden wird. "Die Nato hat diese Aufgabe gemeinsam übernommen, und wir sollten sie gemeinsam zu Ende bringen." Kritik an der deutschen Afghanistanpolitikübte auch der Chef des Deutschen Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz. Er warf der Bundesregierung vor, ihre Ziele in Afghanistan nur halbherzig zu verfolgen. Mängel gebe es bei der Ausbildung einheimischer Sicherheitskräfte.



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