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Der erste goldene Ehrenring der Stadt für eine Frau

BAD MÜNDER. Als wollten sie sie nicht gehen lassen: Drei Anläufe brauchte es, bis Dagmar Niemeier sicher sein konnte, den Ratsvorsitz tatsächlich abgegeben zu haben. Zwei ungeplante Sitzungen gönnte sich das höchste Gremium der Stadt zum Ende der Ratsperiode.

Dagmar Niemeier als Vorsitzende des Rates im Oktober. FOTO: Rathmann
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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Wenn Dagmar Niemeier am Donnerstag in der konstituierenden Sitzung des neuen Rates mit dem Ehrenring der Stadt ausgezeichnet und gleichzeitig verabschiedet wird, dann soll das auch der Schlusspunkt ihres kommunalpolitischen Engagements sein.

Eine Erfahrung, die Dagmar Niemeier in all den Jahren ihrer Ratszugehörigkeit machen musste und in der sie ausnahmsweise auch mal mit einem SPD-Granden übereinstimmt: „Opposition ist Mist, da hatte Franz Müntefering schon recht“. Seit ihrer Wahl im Jahr 1996 war sie mit ihrer CDU in Bad Münder nie in der Position, im Rat den Kurs vorzugeben. Dabei lernte sie recht früh auch politische Scharaden kennen, die ihr bitter aufstießen. „Frau Niemeier, meine Herren“ hieß es in den ersten Jahren ihrer Zugehörigkeit, weil sie als einzige Frau in die damalige Männerdomäne Rat gewählt worden war. Was ihr aus dieser Zeit aber besonders im Gedächtnis gebliebnen ist, ist ein eigenwilliges Demokratieverständnis: „Auch die CDU war ja zunächst für das Deisterpark-Projekt, verabschiedete sich dann aber mehr und mehr von diesem Traum, hinterfragte immer häufiger die Aussagen zum Projekt. Und von diesem Moment wurden wir regelrecht von aktuellen Informationen zur Entwicklung ausgeschlossen“, erinnert sie sich. Das Deisterpark-Vorhaben scheiterte fulminant – und Niemeiers weitere Ratsarbeit war bis zu ihrem Ausscheiden geprägt von den Konsequenzen. Nicht umsonst nennt sie im Rückblick auf ihre politische Arbeit den Deisterpark und den Zukunftsvertrag als große Meilensteine ihrer
Ratsarbeit. Und noch ein weiteres Vorhaben beherrscht die Erinnerung, positiv besetzt ist es allerdings nicht: „Wir hatten 2008 die Chance, das leidige Problem des maroden Kurhotels zu lösen. Doch die Chance wurde vertan – warum auch immer.“

Kurioses hat sich neben aller Ernsthaftigkeit, mit der sie von 1991 bis 2006 im Ortsrat Bad Münder und von 1996 bis zum vergangenen Monat im Rat die Entwicklung der Stadt gestaltete, auch erlebt. Dabei fallen ihr auch Geschichten ein, über die sie nur noch den Kopf schütteln kann. „Da war dieser Ortsratskollege, der zwölf Anträge in die Beratung einbrachte, sich dann gleich beim ersten Punkt verabschiedete, weil er zum Abendessen wollte. Und wir saßen da, mussten zwölf vollkommen indiskutable Anträge behandeln – so unsinnig sie auch waren.“

Als Ratsmitglied, insbesondere als Ratsvorsitzende, habe sie sich bemüht, das Amt bestmöglich auszufüllen. Anders als ihr Vorgänger im Amt des Ratsvorsitzenden hat sich Niemeier bei ihren – ehemaligen – Ratskollegen auch nicht mit dem Versprechen „Ihr werdet noch von mir hören“ verabschiedet. Sie hat sich deutlich moderatere Ziele gesetzt: „Wir werden uns gelegentlich sehen. Sicher ist sie sich aber, dass sich der neue Rat genauso viel Mühe geben wird wie der alte.

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