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Was Claus Lindner an dem mystischen Rattenfänger fasziniert und warum er selbst so ganz anders ist

Der dunkle Pfeifer hat für ihn viele Gesichter

Hameln. Verführer? Scharlatan? Gauner? Halunke? Auf jeden Fall: Ein geheimnisvoller Fremder, der aus dem Nichts auftauchte und im Nichts verschwand. Hamelns Rattenfänger hat viele Gesichter, ist einnehmend und abstoßend, gerissen, charmant, verwegen und unberechenbar. Im Jubiläumsjahr darf er seine finstere Seite zeigen, ist als „verführter Verführer“ eine ambivalente Persönlichkeit mit dämonischen Zügen. Monat für Monat schlüpft Claus Lindner seit Anfang des Jahres in die Rolle des dunklen Pfeifers, hat ihm Profil gegeben, ist selbst zu einem Teil der Figur geworden, vereinnahmt aber hat ihn der Rattenfänger nicht: „Eher bereichert“, sagt der Schauspieler, der die Rolle zu Anfang gar nicht wollte, weil er sich davor gruselte, „alle bei Laune halten zu müssen.“ Über 60-mal hat sich der 48-Jährige das zerlumpte Kostüm übergestreift, sein Gesicht in der Kutte verborgen, am Ende die blutigen Kinderköpfe entblößt. Hat ihn die Rolle verändert? „Es gibt nichts, was nicht verändert“, meint Lindner. Zunächst aber sei die Rolle eine Herausforderung gewesen: „Ich war schockiert, wie viel Text ich lernen musste und dachte erst, das schaffe ich nie“, meint Lindner rückblickend. Mit wachsender Textsicherheit sei er selbstbewusster geworden, gelassener und ruhiger und habe dadurch auch mehr Spielraum für Neues gewonnen: „Ich verändere mich, probiere andere Gesten aus, versuche, den ganzen Facettenreichtum dieser Figur zu bedienen“, erzählt der Schauspieler, listet als deren Wesensmerkmale Arroganz, Selbstüberschätzung und Angst auf, sagt: „Der Pfeifer ist ein Psychopath, hässlich, abgewrackt, er bettelt, sein Flötenspiel ist nicht mal schön.“ Und erklärt im gleichen Atemzug: „Düster ist er nur deswegen, weil die Schattenanteile des Menschlichen hier gelebt werden dürfen.“ Schon bevor er das erste Mal diesen Rattenfänger verkörperte, hatte Lindner für dessen dunkle Seite plädiert: „Ein Teil des Tages ist die Nacht. Wenn man die abschneidet, fehlt etwas.“

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Autor:

Karin Rohr


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