weather-image
10°
Warum er ein ’Zwittermodell’ zu sein scheint oder: Jetzt erst recht

Der DEWEZET-Käfer: Von einem Kompromiss zum nächsten

Ein Oldtimer wird Redaktionsauto: Der DEWEZET-Käfer, Baujahr 1967, fährt noch nicht. Aber aus dem Dornröschenschlaf ist er schon geweckt worden. Die Restaurierung dauert allerdings länger als geplant, aber wenn alles nach Plan laufen würde, wär’s ja langweilig… Teil 8: Von Pech und Glück und Kompromissen.

Oliver Scholz (links) und Frank Danger – zwei, die sich für den Dewezet-Käfer starkmachen. Die „Nase“ des Fahrzeugs sieht schon gut aus, auch andere Teile sind bereits repariert. Probleme bereiten die Schweller. Keiner passt! Foto: ey
Jens Meyer

Autor

Jens Meyer Leiter Redaktion PR- und Sonderthemen zur Autorenseite

WESERBERGLAND. „Erst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech hinzu.“ – Ich weiß nicht mehr, wie Ex-Bayern-Profi Jürgen Wegmann aussah, aber sein legendäres Fußballerzitat schwebt urplötzlich in Halle 6 des Karosserie- und Lackierzentrums Kaspar über unseren Köpfen wie ein Damoklesschwert und ritzt sich vor meinem inneren Auge ins malträtierte Autoblech. Ich hatte angenommen, schon mal Probe sitzen zu können, vielleicht den Schaltknauf liebevoll zu berühren und den Schlüssel vorsichtig im Zündschloss nach rechts zu drehen. „Nein, da müssen wir Sie enttäuschen. So weit sind wir noch nicht. Das liegt an dem besonderen Modell“, sagen Frank Danger und Oliver Scholz. Besonderes Modell klingt erstmal gut, aber leider…

…hatten wir kein Glück und dann kam … nun, der Rest ist bekannt. Es bleibt natürlich ein schöner Oldtimer, „aber es gibt Dinge, die wir nicht reparieren können, sondern mit neuen Teilen ersetzen müssen“, sagen sie. Da liegt das Problem. „Dieser Volkswagen ist so etwas wie ein ’Zwittermodell’. Manches Ersatzteil bekommen wir nicht und müssen Kompromisse finden.“ Konnte ja auch keiner ahnen, dass wir einen Käfer erwischten, der zwischen einem Modellwechsel schon selber ein Kompromiss war, als er vom Band lief, einer, bei dem Teile vom alten Modell und welche vom kommenden verbaut worden waren, damals im Jahr 1967. So was kommt vor, öfter als man denkt, heute noch. Das macht eine Reparatur enorm schwierig. So’n Pech.

Aber auch so’n Glück, dass Frank Danger, Geschäftsführer von Danger Fahrzeugtechnik, und Oliver Scholz, Chef des Karosseriezentrums Kaspar, Nerven wie Drahtseile haben. Nicht auszuschließen, dass andere sich aus diesem Sanierungsprojekt schon längst verabschiedet hätten, aber nicht diese beiden Fahrzeugfans mit ihren Teams um sich herum, allesamt gewissermaßen Rettungssanitäter für ein in Notlage geratenes Auto. Obwohl nicht nur der Käfer in einer Notlage ist…

2 Bilder
Probleme bereiten die Schweller. Keiner passt! Foto: ey

„Herr Meyer, was macht unserer Dewezet-Käfer, ich hör‘ nix. Halten Sie mich mal auf dem Laufenden.“ Tja, da hatte ich also vergangene Woche gestanden auf dem Redaktionsflur und kam in Erklärungsnot. Die Geschäftsführung will Ergebnisse. Ich machte einen Termin und radelte zu Danger und Scholz. So fand ich mich ein in Halle 6, die mit dem Damoklesschwert.

Nun bin ich nur froh, trotz der ganzen Misere um Rostfraß und Schweißerei doch auch gute Nachrichten vermelden zu können, nicht bloß für die Chefs, sondern vor allem für die Leserinnen und Leser, die seit Monaten mitfiebern und hoffen, dass die Tageszeitung alsbald mit dem Kugelporsche mal zu ihnen kommt, vielleicht in einen Stadtteil oder raus aufs Dörfchen wie Pessinghausen, Brockensen oder Salzburg! So ist der Plan, und wir werden ihn umsetzen, früher oder später.

Zu den guten Nachrichten also: Die Motorabdeckung passt wie die Faust aufs Auge. Sie hatte einige Dellen und Unebenheiten, jetzt klappt sie auf und zu und auf und zu und auf und zu, ohne dass es schabt und quietscht. Vorne dasselbe gute Ergebnis: „Wir haben die Fronthaube schon perfekt eingepasst“, sagt Oliver Scholz. Unlackiert noch, blankes Blech, aber verheißungsvoll. „Schauen Sie mal, auch dort sind schon überall geschweißte Stellen. Alles in Ordnung gebracht.“ Scholz zeigt auf die Radkästen. Mensch, ich fange an, fröhlicher zu werden.

Aber die Schweller…

„Sie waren nicht zu retten. Nur Rost, aber das wissen Sie ja. Das Problem ist, dass keiner der Schweller, die wir bestellt haben, passt. Da muss ich basteln, das wird ein paar Tage dauern“, sagt Axel Arve, Kfz-Mechaniker im Kaspar-Team. Basteln heißt schweißen. Schweißen heißt Zeitverlust. Dabei hatte ich angenommen, dass beim weltbekanntesten aller weltbekannten Weltfahrzeuge die Schweller alle gleich geschnitten wären. Aber nicht doch! Es gibt runde, es gibt kastenförmige. Es gibt welche mit und manche ohne Warmluftkanal. Die Herren Danger, Scholz und Arve sprechen zudem von Rohrstutzen, die nicht passen, und Heizungsluft, die dann nicht dort ankäme, wo sie es sollte. Aber Heizungsluft ist wichtig, etwas Warmes braucht der Mensch und auch der Käfer, denn wenn der Regen fällt, muss die Frontscheibe frei sein. Aber so ganz ohne warme Luft?

„Wir kriegen das schon hin, aber die kleinen Schritte, die wir hier tun, sind manchmal eben die zeitaufwendigsten“, gibt Oliver Scholz zu bedenken. Er sieht nicht fröhlich aus, eher konzentriert, als er das so sagt. Immerhin: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, und außerdem gibt es Antibeschlagtücher, die damals, als ich Schüler war und mit einem Mexikokäfer jeden Morgen zum Schiller-Gymnasium donnerte, zu meinem engsten Freundeskreis zählten. „Lüftet Euch.“ Der landkreisweit bekannte Ausspruch meines Mathelehrers Horst Scheppelmann, quasi Inventar des „Schiller“, galt im Grunde auch für meinen Käfer.

„Was glauben Sie denn? Wann kann ich wohl mal damit fahren?“ – Ich fürchte, ich hätte nicht fragen sollen… „Erst einmal müssen wir die Schweller ’hinbasteln’. Wenn sie montiert sind, bekommt die alte Karosserie neuen Halt. Mit Schwellern und Trittbrettern haben wir dann auch die Ansatzpunkte, um die Karosserie auf das Chassis zu setzen“, erklärt mir Frank Danger. Von Hochzeit könne man indes nicht sprechen, Hochzeit würde man die Zusammenführung von oben und unten nur in den Werken bei Neufahrzeugen nennen. „Das hier ist ’ne Wiedervereinigung, würde ich sagen.“ Axel Arve grinst.

Und wie wir aus der Geschichte wissen, können Wiedervereinigungen manchmal plötzlicher vonstattengehen als geplant. Ich verabschiede mich von den Dreien, streichele dem Käfer übers Blech und flüstere ihm so etwas wie „Du schaffst das“ zu. Ich steige aufs Rad und fahre zurück zur Redaktion, gerade noch rechtzeitig zur Konferenz.

„Herr Meyer, was macht der Käfer?“ …



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt