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Junge Menschen betreuen über Jahre „ihren Senior“ – und werden zum Vorbild für Deutschland

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Hameln (git). Das Backen eines Schokoladenkuchens gehört nicht zum Pflichtprogramm einer ehrenamtlichen Seniorenbetreuerin. Aber dennoch würde Sandra Kramer niemals ohne einen selbst gebackenen Kuchen zum Geburtstag ihrer Seniorin erscheinen. Die junge Frau besucht die mittlerweile 90-jährige Christel Zindler seit nunmehr 13 Jahren regelmäßig samstags im Rahmen der ehrenamtlichen Seniorenbetreuung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Hameln-Pyrmont. Inzwischen ist die alte Dame in die Seniorenresidenz im Scharnhorstviertel umgezogen.

Hameln (git). Das Backen eines Schokoladenkuchens gehört nicht zum Pflichtprogramm einer ehrenamtlichen Seniorenbetreuerin. Aber dennoch würde Sandra Kramer niemals ohne einen selbst gebackenen Kuchen zum Geburtstag ihrer Seniorin erscheinen. Die junge Frau besucht die mittlerweile 90-jährige Christel Zindler seit nunmehr 13 Jahren regelmäßig samstags im Rahmen der ehrenamtlichen Seniorenbetreuung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Hameln-Pyrmont. Inzwischen ist die alte Dame in die Seniorenresidenz im Scharnhorstviertel umgezogen. „Die Zindlers sind wie weitere Großeltern für mich“, erzählt Sandra Kramer. Mittlerweile ist Wolfgang Paul Zindler allerdings verstorben.

Angefangen hat alles 1996, als Sandra 13 Jahre alt war und die achte Klasse der Wilhelm-Raabe-Realschule besuchte. Im Rahmen einer Schul-AG wurden Schüler gesucht, die Spaß an der Betreuung älterer Menschen hatten. „Mit meiner Freundin Janina Lohmeyer habe ich mich gemeldet, denn es sollten immer zwei Jugendliche einen Senior betreuen“, berichtet die heute 27-Jährige. Die Betreuungs-AG besteht bis heute. „Sie war die erste im Bundesgebiet und wurde mehrmals ausgezeichnet“, erinnert sich die Betreuerin der Jugendlichen, Edeltraud Sievers.

„Für mich und meine Freundin war klar, dass wir nach der Schule mit dem Ehrenamt nicht aufhören“, erzählt Sandra Kramer weiter. „Eigentlich sei es in den ersten Jahren so gewesen, dass die Schindlers uns betreut haben.“ Das Ehepaar hat keine Kinder, Verwandte wohnen nicht in der Nähe, es entstand ein Großeltern-Enkel-Verhältnis. „Wir haben zusammen gebacken, Ausflüge gemacht und viel Spaß gehabt“, erinnert sich die junge Frau. Bei Schulaufführungen und den späteren Schulentlassungen durften die „dritten“ Großeltern natürlich nicht fehlen. Wenn Frau Kramer die Seniorin heute besucht, sprechen beide über alte Zeiten. Oder Christel Zindler erzählt aus ihrer Heimat in Ostpreußen. Und während die beiden im Aufenthaltsraum der Seniorenresidenz Geburtstagskuchen essen, fahren der 15-jährige Milian-Erik Retkowski und der 16-jährige Baris Karakoc „ihren Senior“ Eugen Steinmacher in der Sonne im Rollstuhl spazieren. „Wenn es das Wetter erlaubt, sind wir draußen“, berichten die Jungen von der Wilhelm-Raabe-AG über ihre ehrenamtliche Tätigkeit. Seit zweieinhalb Jahren besuchen die Jugendlichen den Senior regelmäßig für eine gute Stunde in der Seniorenresidenz. Steinmacher ist fast blind und hört lieber zu, wenn die Jungen aus ihrem Leben erzählen. Und Milian und Baris profitieren auch. „Wenn ich mal eine unparteiische Meinung brauche, frage ich einfach Herrn Steinmacher. Der hat 88 Jahre Lebenserfahrung“, sagt Milian.

Auch Ilsedore Henke ist ehrenamtliche Seniorenbetreuerin – aber ihre Arbeit ist ganz anders. Ihre Seniorin Frida Prinz wohnt noch alleine und kocht selbst – kann aber die Einkäufe nicht mehr bewerkstelligen. Das erledigt ihre ehrenamtliche Betreuerin Ilsedore Henke. Die 62-Jährige kommt in der Regel einmal pro Woche für zwei Stunden zu Frida Prinz. Die alte Dame ist verwitwet und hat keine nahen Verwandten. Schon nach kurzer Zeit hatte die Seniorin ihre Betreuerin ins Herz geschlossen. „Sie liest unheimlich gerne und braucht ihre zehn Illustrierten“, zählt Henke auf, ansonsten reden wir hauptsächlich miteinander“. „Erst kürzlich hatte die alte Dame eine ziemlich schlimme Erkältung, selbstverständlich habe ich sie da öfter besucht und auch Medikamente besorgt.“

Derzeit werden in Hameln 20 Senioren wie Frida Prinz wöchentlich betreut, um ihnen die Einsamkeit zu nehmen. Außerdem besuchen 30 Schüler der Wilhelm-Raabe- Realschule wöchentlich alte und behinderte Menschen in Seniorenheimen. Außerdem bieten die Paritäten zweimal pro Woche einen Seniorentreff an.




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