weather-image
30°
Abbruch des Ackerbürgerhauses Kellerstraße 17 wird abgelehnt / Stadt sucht weiter nach Käufern

Denkmalschutz bremst sogar die Stadt aus

Bad Münder (jhr). Die Stadt in der Zwickmühle: Eigentlich würde sie das Fachwerkhaus Kellerstraße 17 gerne abreißen lassen. Die Bausubstanz ist so schlecht, dass das Gebäude bereits im vergangenen Jahr mit einer Notabsperrung abgesichert wurde. Das Problem von Politik und Verwaltung: Die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises sieht das Ackerbürgerhaus als erhaltenswert an, da es die städtebauliche Struktur der Umgebung im historischen Stadtkern maßgeblich prägt. Wegen seiner Bedeutung für die Geschichte der Stadt wird es als Einzelbaudenkmal geführt – und ein Abbruch abgelehnt.

Problemfall: das Haus Kellerstraße 17.

Weil die Stadt keine Alternative zum Abriss sah, hatte sie das Thema im vergangenen Herbst auf die Tagesordnung einer Bauausschusssitzung gesetzt – dann aber nach Gesprächen mit der Unteren Denkmalschutzbehörde kurzfristig wieder abgesetzt. Die unterschiedlichen Auffassungen: Die zuständige Architektin der Stadt, Frauke von Oheimb, befürwortet insbesondere aufgrund der massiven Schäden am Ständerwerk einen Abriss. Bereits vor 20 Jahren sei es versäumt worden, die Weichen für den Erhalt des Hauses zu stellen – nun sei die Substanz derart schlecht, dass die Finanzierung einer Sanierung aus Mitteln der Stadt nicht möglich erscheine. Ein besonderes Problem ergibt sich auch aus der Lage des Hauses, es grenzt direkt an die Grundschule. „Nicht von ungefähr“ habe die Stadt mit ihrer Verkehrssicherungspflicht die Fassade mit einem Zaun abgesperrt.

Für die Bauaufsicht des Kreises steht nach der letzten Begehung Ende 2009 fest, dass die Standsicherheit des alten Ackerbürgerhauses „akut nicht gefährdet“ ist. Die deutlich sichtbaren Schäden, insbesondere im Erdgeschoss, seien auf eine nicht fachgerechte Sanierung im Jahr 1986 zurückzuführen. 2006 habe eine Studentin in ihrer Diplomarbeit eine Bau- und Schadensanalyse erstellt, die auch Pläne für die weitere Instandhaltungsplanung beinhaltete.

Die Untere Denkmalschutzbehörde regte nach der Begehung Ende letzten Jahres eine „zeitnahe Sanierung“ an und empfahl der Stadt, über eine Veräußerung nachzudenken. Entsprechend wurde das Gebäude in mehreren Fachportalen angeboten, „die Resonanz war aber sehr gering“, sagt Wirtschaftsfördererin Anika John. Derzeit sei ihr Kollege allerdings in Gesprächen mit einem örtlichen Interessenten.

Die Bauaufsicht weist darauf hin, dass Gemeinden zum Erhalt denkmalgeschützter Gebäude „im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit“ verpflichtet sind – und da die Stadt bereits Mittel zum Abbruch des Hauses in den Haushalt eingestellt habe, sei Geld vorhanden, das neben Fördermitteln für den Erhalt eingesetzt werden könnte.

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare