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„Denk-Anstöße“ zwischen den Stühlen

EIMBECKHAUSEN. Karikatur ist eine Kunst, der die Themen umständehalber nicht ausgehen. Heute mehr denn je. Dass im Deutschen Stuhlmuseum eine Ausstellung mit Arbeiten des 80-jährigen politischen Karikaturisten Reiner Schwalme zu sehen ist, ist im Landkreis ebenso einmalig.

Ohne viele Worte, auf den Punkt: Reiner Schwalmes Arbeiten bringen die Besucher zum Nachdenken. Fotos: Huppert

Autor

Christoph Huppert Reporter

Und es ist dennoch ein Wagnis. Denn obgleich das Ambiente im alten Fabrikgebäude aus rotem Backstein bestens geeignet ist, die mehr als 130 Arbeiten Schwalmes effektvoll in Szene zu setzen, müssen die Veranstalter um Museumschef Dr. Jürgen Othmer auf Besucher hoffen.

Was bis zum 16. September an fünf Sonntagen und nach Vereinbarung zu sehen sein wird, sind dabei nicht mehr und nicht weniger als Glanzlichter politischer Karikatur. Ein hochinteressanter Streifzug durch das Schaffen des in der ehemaligen DDR groß gewordenen Künstlers, der über 50 Jahre tagtäglich politische Karikaturen für Zeitungen und Zeitschriften gefertigt hat und zur preisgekrönten Ikone dieser Kunst geworden ist.

„Eine tolle Leistung, so etwas hier in einen unserer Ortsteile zu holen. Gratulation!“, so dann auch der stellvertretende Bürgermeister Uwe-Peter Keil. Auch er hofft auf regen Publikumszuspruch. „In Bad Münder gibt´s nicht viel zu karikieren“, meinte Keil und erntete Lacher. Nachwuchs an jungen talentierten Karikaturisten in der Region aber fehlt leider. „Vielleicht sollte man durch die Ausstellung angeregt den Nachwuchs ermutigen sich auf diesem Gebiet mal auszuprobieren“, so Keils Vorschlag.

Othmer hatte den leider bei der Ausstellungseröffnung verhinderten Künstler bereits 2004 in Lübbenau im Spreewald ausgestellt. Die jetzt im Stuhlmuseum gezeigte Ausstellung ist zu dessen 80. Geburtstag entstanden. „Mich reizt daran vor allem, wie präzise es ihm gelingt, mit wenigen Strichen und oft ganz ohne Worte den Finger in die Wunde zu legen“, so Othmer. In der Tat sind die gezeigten Arbeiten von einem unverwechselbaren, flüssigen Strich ebenso gekennzeichnet wie durch ihr bedingungs- und kompromissloses Eintreten für Gerechtigkeit, Toleranz und Frieden. Große Themen für die sich der 80-Jährige stark macht, immer freilich mit einem ebenso humorvollen wie nachdenklich stimmenden Aspekt. Dabei geht er bis an die Grenze des Erträglichen und Erlaubten. „Karikatur kann heutzutage bekanntlich für die einen lebensgefährlich, für andere persönlich verletzend sein“, stellte Othmer fest. „Das ist immer ein Abwägen.“ Vom übers plastikverseuchte Wasser wandelnden Jesus, dem selbstverliebten Trump-„Superman“ bis zu Missbrauchsopfern katholischer Priester reicht die Spannweite der Themen der gezeigten Arbeiten, die zu den meistprämierten in Deutschland gehören. Besonders gelungen ist dabei die Hängung der Plakate, die durch Betonwände simulierenden Poster eine reizvolle Tiefe und effektvolle Durchblicke gewinnen. Die Besucher der Vernissage zeigten sich begeistert. „Originell, aufwühlend, der kann was und lässt keinen Zweifel, wem seine Sympathien gehören“, kommentierte eine Besucherin die gezeigten Arbeiten. „So was sieht man im Landkreis wirklich sonst nirgends.“

Die Ausstellung ist an folgenden Sonntagen jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet: 15. Juli, 5. und 19. August, 2. und 16. September. Gruppenführungen sind nach Vereinbarung
( 05042/8514) möglich.



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