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Westernhagen macht alle „Willenlos“ / „Halleluja“, ist der noch gut

Den „Pfefferminzprinz“ feiern 10 000 in der TUI-Arena

Der wallende Vorhang öffnet sich, Gitarren kreischen durch die Arena und ein Irwisch, der in Körpersprache an Mick Jagger erinnert, tänzelt an den Bühnenrand. Mit seiner kreisrunden blauen Sonnenbrille, dem extravaganten orangefarbenen Hemd mit ebenfalls blauen Schal erinnert der 63-Jährige eher an eine Woodstock-Legende, als an einen deutschen Rockstar, dem es auch nach fast 40 Jahren noch gelingt, das Publikum bei seinen Livekonzerten „Willenlos“ zu machen.

Auch bei seinem Hannover-Konzert lässt Westernhagen bei einigen Songs den Polit-Rocker raushängen – schon die erste Nummer „Der braune Mann“ ist eine krachende Breitseite gegen rechtsextreme Gewalt – der Text erscheint zeitgleich auf einer riesigen Videoleinwand am hinteren Bühnenrand.

Nach „Schweigen ist feige“ legt der gebürtige Düsseldorfer noch einmal mit dem Song „Wir haben die Schnauze voll“ nach – „Wir haben die Schnauze voll, von Dope und Alkohol, von Medienpolitik und euren schmutzigen Tricks“.

„Der Pfefferminzprinz“ wirkt drahtig, stolziert immer noch wie ein eitler Gockel über die Bühne, die er vor gut zwölf Jahren verließ, um nach sechs Jahren Bühnenabstinenz 2005 ein grandioses Bühnen-Comeback zu starten.

Seine Liebe und Hingabe zur Musik ist weiter ungebrochen – „es geht ihm gut“ – und das spüren auch die Fans bei seinen Konzerten. „Wenn ihr nur ein Zehntel von dem Spaß habt, den wir hier oben auf der Bühne haben, habt ihre eine Menge Spaß“, schreit der Sänger in die Menge, die mit lautem Jubel antwortet.

Westernhagen adelt sein Musiker-Flagschiff - „40 Jahre musste ich warten, bis ich mit diesen Wahnsinnsmusikern auf der Bühne stehen durfte“. Gitarrist Markus Wienstroer ist seit den 90ern dabei, Background-Sänger Billy King, war bereits 1994 bis 1999 festes Bandmitglied, wurde jetzt von Westernhagen erneut angeheuert. Die anderen Musiker gehören zu den Weltbesten ihres Faches – allen voran Saxofonist Frank Mead, der unter anderem schon auf der Lohnliste von Eric Clapton und den Sex Pistols stand.

Der Rock ’n’ Roll hält Einzug in die TUI Arena – es groovt gewaltig bei „Herr D.“ – der texanische Gitarrist Brad Rice greift in den Sechs-Saiter, John Conte überzeugt mit grandiosen Bass-Läufen, während Marius wie ein frecher Rotzlöffel seine Zunge rausstreckt – das ist massentauglicher Rock ’n’ Roll in Perfektion.

Vor dem Zugabe-Block mit „Sexy“, „Wieder hier“ und „Mit 18“ noch drei Klassiker, bevor es mit „Jesus“ in die Verlängerung geht. Die rassige Background-Sängerin Tesiree Priti brilliert bei der Ballade „Engel“ – danach die Westernhagen-Hymne „Freiheit“ – mehr Gänsehaut-Feeling geht nicht.

„Johnny Walker immer braun gebrannt, Johnny Walker mit dem Rücken an die Wand“ – Westernhagen sagt goodbye. Er war wieder hier, in seinem Revier, hat erneut seine musikalische Duftmarke in Hannover hinterlassen – er war wieder ganz nah am Publikum – Westernhagen sei Dank.




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