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Sommeraktion im Kloster Möllenbeck: Leser entdecken verborgene Wandgemälde

Den Jahrhunderten auf der Spur - mit Hilfe einstürzender Dachbalken

Möllenbeck (crs). Was Abflussrohre mit jahrhundertealtem Kulturgut zu tun haben? Mehr, als Pastor Roland Trompeter manchmal lieb ist. Wie bei den Sanierungsarbeiten im Kloster Möllenbeck immer wieder unverhofft Relikte aus längst vergangenen Tagen entdeckt werden und wie schmerzlich teuer deren Restaurierung ist, das schilderte Trompeter den 20 Teilnehmern der SZ/LZ-Sommeraktion am Donnerstagabend auf ebenso unterhaltsame wie eindrucksvolle Weise.

Bei der beinahe zweieinhalb Stunden langen Führung öffnete der Hausherr mit seinem gewaltigen Schlüsselbund auch die Türen zu üblicherweise unzugänglichen Gebäudeteilen. Zum Beispiel zu einem noch unsanierten, düsteren Raum neben der alten Heizung des vor 1112 Jahren gegründeten Klosters. Durch einen Zufall, einen kleinen Unfall sogar, sind hier im vergangenen Jahr Wandmalereien vermutlich aus den Zeiten der Lateinschule im 16. und 17. Jahrhundert entdeckt worden: Als die Kanalisation für die neuen Unterkünfte im Ostflügel des Klosters verlegt wurde, stürzte im darunter liegenden Raum die verkohlte Zwischendecke ein, die maroden Balken schrammten an den Wänden entlang, rissen Löcher in den Putz - und legten so die längst überstrichenen Zufallsfunde frei. Reste eines sorgfältig niedergeschriebenen Bibelzitats aus Römer 8 - "si Deus pro nobis" - kamen auf diese Weise ebenso nach Jahrhunderten wieder ans Tageslicht wie eine bildliche Darstellung Jerusalems und über den Fensterbögen eine Inschrift in einer Sprache, die auch Trompeter nicht sicher einzuordnen weiß.Von Fachleuten sind die Funde gesichert worden, damit sie nicht weiter abblättern. Für eine umfassende Restaurierung fehlt das Geld - wie so oft. Roland Trompeter seufzt: "Wer soll das nur alles bezahlen?" Denn so spannend und historisch interessant die Funde auch sind: Sie aufzuarbeiten kostet Zeit, Geld und Nerven. "10 000 Euro teuer war allein die Restaurierung dieser hebräischen Inschrift", erklärt Trompeter ein Stockwerk höher, wo beim Umbau der früheren Mönchszellen zu Gästezimmern drei Inschriften auf Deutsch, Latein und eben Hebräisch zu Tage traten. Der Inhalt des übersetzten Verses immerhin passt zur früheren und künftigen Nutzung des Raums: "Wie fein und lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnten." Ein weiteres Problem umreißt Trompeter so: "Welches Jahrhundert soll ich nehmen?" Elf Schichten übereinander haben die Restauratoren hier festgestellt, alle fein säuberlich mit dem Skalpell abgetragen und dokumentiert - über die Jahrhunderte haben sämtliche Bewohner des Klosters hier ihre Spuren hinterlassen, alte Inschriften wurden immer wieder übermalt. Und das nicht immer nur mit hochgeistigen Inhalten: Auch aus den Zeiten der Lateinschule sind Schüler-Schmierereien erhalten - "Graffiti". Was nicht restauriert werden kann, bleibt zumindest erhalten: In Absprache mit der Denkmalpflege sind Rigips-Schalenüber die Inschriften gesetzt worden, sodass diese geschützt sind. "Und in ferner Zukunft restauriert werden können", so Trompeter. "Wenn dann Geld da ist..." Ob noch mehr dieser Zufallsfunde zu erwarten sind? Ausschließen mag Trompeter das angesichts der reichen Historie der Anlage nicht. "In so einem Gebäude wie dem Kloster brauchen Sie nicht zu suchen - da wissen Sie, dass sie was finden."




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