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Den Fleischern fehlt’s an Nachwuchs

BAD Münder. Die Zeiten für alteingesessene, inhabergeführte Bäckereien und Fleischereibetriebe sind schwer. Auch in Bad Münder. Im Herzen der Altstadt haben erst kürzlich die Betriebe von Wolfgang Herbold und Erhard Schmidt nach vielen Jahren die Ladentür geschlossen.

Ein Gruß nach vielen Jahren an der Marktstraße: Die Fleischerei Schmidt verabschiedet sich von ihren Kunden. Foto: Huppert

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Christoph Huppert Reporter

Dabei teilt die Metzgerei Herbold an der Langen Straße das Schicksal einer zunehmenden Zahl von Handwerksbetrieben: Es findet sich einfach kein Nachfolger, der bereit und in der Lage ist, das traditionelle Handwerk weiterzuführen. Sämtliche Bemühungen der Herbolds in dieser Richtung waren gescheitert.

Anti-Fleisch-Kampagnen, vegane Bewegungen, Billigfleisch aus den Verbrauchermärkten, all das hat dazu geführt, dass das Fleischerhandwerk über die Jahre in die Krise geraten ist. Zu Unrecht, meint der geschäftsführende Obermeister der Bäcker- und Fleischerinnung im Landkreis, Thomas Wegener. Für ihn ist klar: „Wo Qualität angeboten wird, da laufen auch die Geschäfte.“ Qualität aber müsse auch offensiv in die Öffentlichkeit getragen werden. „Satt werden kann ich an jeder Ecke“, so der 49-jährige Bäckermeister aus Hameln, „uns geht es in der Innung vor allem um das Lebensgefühl, den regionalen Bezug und die persönliche Bindung zum Kunden.“

Eine Auffassung, der auch der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Ulrich Wichmann, zustimmt. „Die Berufsorientierung wird dabei immer wichtiger.“ So liege beispielsweise die Kochlehre im Trend, doch sei die Ausbildung zum Fleischer nicht schlechter. Derzeit finden sich im Landkreis jedoch zu wenige Auszubildende, so dass die Fleischerausbildung statt in Hameln nur an der Berufsschule in Hannover durchgeführt wird.

Die Betriebe müssten sich aber auch dem Wandel stellen, fordern die Innungsoberen. Nicht nur die Kunden, auch der Nachwuchs stelle wachsende Erwartungen ans Handwerk. „Wir unterrichten etwa an der Elisabeth-Selbert-Schule die Bäckerklassen auch auf Englisch, da viele im Beruf Auslandsaufenthalte machen“, so die dort unterrichtende Bäckermeisterin Beate Diers. Doch während sich die Zahl der Auszubildenden im Bäckereihandwerk in den vergangenen Jahren leicht erholt hat, bleibt der Fleischernachwuchs aus. Dadurch erhöht sich wie in Bad Münder der Leerstand in den Kommunen, und das Image des Berufsbildes sinkt weiter. Ein Teufelskreis.

Info-Veranstaltungen bereits in Kindergarten und Grundschule, später dann gezielte Berufsinformationen für Jugendliche sollen Abhilfe schaffen, plant Wegener. Allerdings hegen die Obermeister der Bäcker- und Fleischerinnung die Vermutung, dass das ein sehr langer und mühsamer Weg sein wird. „Den können wir nur gehen, wenn sich die Innungen aus Schaumburg und Hameln-Pyrmont zusammenschließen.“ Entsprechende Gespräche aber seien derzeit leider zum Stillstand gekommen.

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