×
Volker Bödeker hat Anwalt eingeschaltet / Landgericht ist involviert / Gemeinde hält Ruhebedürfnis des Bürgers für überzogen

Dem Nachbarn ist's zu laut: Ahnsen soll Sportplatz verlegen!

Ahnsen (tw). Ein Nachbarschaftsstreit an der Schulstraße eskaliert: Weil sich der Ahnser Volker Bödeker durch den "Lärm", der angeblich von dem benachbarten Ensemble aus Sportplatz, Parkplatz und Mehrzweckhaus ausgeht, massiv belästigt fühlt, will er mithilfe eines Juristen ultimativ die Verlegung des Kicker-Grüns und gegebenenfalls auch der Stellfläche durchsetzen: Die der Gemeinde gesetzte Frist endet am 1. November. Bereits jetzt beschäftigt der Streitfall zwei Anwälte - und das Landgericht Bückeburg.

Fakt ist: Ein Fußballtor des Ende der 50er-Jahre angelegten Sportplatzes befindet sich nur sieben Meter von der Grundstücksgrenze Bödekers, Schulstraße 7, entfernt. Ein Abstand, der nach Auffassung des Anwohners viel zu gering ist. Denn: Das Bauplanungsrecht schreibt einen Abstand von 60 Metern vor - behauptetBödeker. Komme hinzu: Nicht nur von den inzwischen täglich und nicht selten auch noch am Abend dem Ball nachjagenden Kickern gehe "Lärm" aus - gleiches gilt laut Bödeker auch für den ebenfalls an sein Grundstück grenzenden Parkplatz und das dahinter liegende Mehrzweckhaus. Besonders an Wochenenden, so der Ahnser in einer "Eidesstattlichen Versicherung", dröhne bis in die frühen Morgenstunden Musik aus dem Gebäude. Weitere lautstarke Begleiterscheinungen seien das An- und Abfahren von Autos, das Schlagen von Türen und Grölen nach übermäßigem Alkoholkonsum. Juristischen Beistand erhält Bödeker von dem Rechtsanwalt Friedbert Wittum (Obernkirchen), der beim Landgericht Bückeburg ein "Selbstständiges Beweisverfahren" beantragt hat; der vorläufige Streitwert soll 40 000 Euro betragen. Im Rahmen des Verfahrens soll ein Lärmschutzsachverständiger der IHK Hannover klären, welcher Lärm von Sportplatz, Parkplatz und Mehrzweckhaus ausgeht, aber auch ob und - wenn ja - mit welchen Mitteln eine Ruhestörung im Sinne seines Mandanten beseitigt werden kann. Wittum indes ist sich sicher, dass besagter "Lärm" auf jeden Fall so groß ist, dass die Gesundheit des Ahnsers und dessen Familie schon Schaden nimmt. Er drängt auf das Einhalten der gesetzlichen Ruhezeiten, regt Lärmschutzmaßnahmen am Mehrzweckhaus an - und besteht auf dem Verlegen des Sportplatzes. Letzteres kommt für Ahnsens Bürgermeister Heinz Grabbe überhaupt nicht infrage; er hat bereits die Spartenleiter des TSV über den Streit informiert, weiß sich ihrer Unterstützung sicher. Darüber hinaus hat auch Grabbe einen Juristen in den Ring geholt, der die Gemeinde in dem Rechtsstreit vertritt: Oliver Keller, weiland Kandidat der SPD für das Amt des Samtgemeindebürgermeisters. Keller hat beantragt, dass das Landgericht Wittums Antrag auf ein "Selbstständiges Beweisverfahren" ablehnt. Keller zufolge gibt es nach deutschem Baurecht keine Vorschrift, die besagt, dass ein Sportplatz - mindestens - 60 Meter von einem Wohnhaus entfernt liegen muss. Mithin habe Bödeker keinen Anspruch darauf, dass der Sportplatz verlegt wird. Für Grabbe wie für Keller ist ein Umstand dabei besonders pikant: So soll die Ahnser Familie im Jahre 1970 Flächen an die Gemeinde verkauft haben - wohlwissend, dass diese Flächen der Erweiterung des Sport- und der Anlage eines Parkplatzes dienen würden. Nach Dafürhalten Kellers ist das Ruhebedürfnis des Anwohners "überzogen". Denn abgesehen von ihm, dem Ahnser, habe sich kein anderer Nachbar jemals über "Lärm" vom Sport- und Parkplatz sowie aus dem Mehrzweckhaus (2008: 13 Veranstaltungen) beschwert - nicht einmal der Bürgermeister, der nur ein Haus weiter wohnt und ebenfalls Anrainer des Rasens ist. Auch Grabbe hat eine entsprechende "Eidesstattliche Versicherung" abgegeben. Besonders enttäuscht zeigt sich der Bürgermeister darüber, dass alles Entgegenkommen, welches die Gemeinde gegenüber ihrem Nachbarn in der Vergangenheit an den Tag gelegt habe, nichts nutze. So wurde an der Grundstücksgrenze erst jüngst ein Ballfangzaun gebaut (wir berichteten). Obendrein habe die im Mehrzweckhaus beheimatete Ortsfeuerwehr ein neues, leise schließendes Rolltor erhalten - und dürfe ihr Martinshorn bei einem Einsatz erst nach Verlassen der Schulstraße einschalten ...




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt