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Daten-Angriff auch auf heimische Abgeordnete

BERLIN/SPRINGE/BAD MÜNDER. Bei einem Online-Angriff auf Politiker und Prominente sind persönliche, teils sensible Daten und Dokumente von Hunderten Personen des öffentlichen Lebens im Internet veröffentlicht worden. Auch heimische Abgeordnete sind betroffen.

Foto: dpa

Autor:

Thomas Thimm und Christian Zett

Handynummern, Adressen, Ausweise, Briefe und Kreditkarteninfos – im Netz sind solche persönlichen Daten gleich massenhaft online gestellt worden. Auch heimische Bundestags- und Landtagsabgeordnete tauchen auf den Listen auf.

Betroffen sind alle Ebenen – die Kanzlerin, Politiker aus dem Bundestag, dem Europaparlament und den Landtagen bis hin zu den Kommunen. Auch die Bundestagsabgeordneten für Springe, Maria Flachsbarth (CDU) und Matthias Miersch (SPD) finden sich mit Handynummern und privaten Mail-Adressen auf den Listen. Die Abgeordneten für Bad Münder, Johannes Schraps (SPD) und Jutta Krellmann (Linke), sind ebenfalls unter den Leak-Opfern. Beide bestätigten gegenüber unserer Zeitung, dass sie selbst betroffen seien. Schraps: „Von mir wurden private Kontaktdaten veröffentlicht, aber keine hochsensiblen Daten. Krellmann bestätigt, dass bei ihr die Adresse veröffentlicht worden sei – allerdings sei diese ohnehin öffentlich bekannt. Dass von dem Hackerangriff kein Politiker der AfD und auch niemand sonst aus der rechten Szene betroffen sei, wollte sie ebenso wenig kommentieren wie Schraps.

Die geleakten Dokumente wurden seit Anfang Dezember im sozialen Netzwerk Twitter in Form eines Adventskalenders über mehrere Tage hinweg verbreitet und blieben zunächst weitgehend unbemerkt – bis Donnerstagabend. Seitdem beschäftigen sie die Partei- und Fraktionsführungen damit. Betroffen sind alle im Bundestag vertretenen Parteien mit Ausnahme der AfD. Auf dem Konto wurden nicht nur Daten von Politikern und Parteien veröffentlicht, sondern auch von Bands, Moderatoren und Journalisten. Zu den Opfern zählt laut „Bild“ auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Eine Bestätigung dafür liegt bislang nicht vor.

Veröffentlicht wurden vor allem Handynummern und Adressen, zum Teil sehr persönliche Daten wie Personalausweis-Abbildungen, Chatprotokolle mit Familienmitgliedern, Briefe, Rechnungen oder Kreditkarteninformationen. Die Auswahl der Dokumente scheint willkürlich – sie sind zum Teil mehrere Jahre alt. Die Bundesregierung wertet die massenhafte Veröffentlichung teils sensibler Daten als „schwerwiegenden Angriff“. „Die Urheber wollen Vertrauen in unsere Demokratie und ihre Institutionen beschädigen“, erklärte Justizministerin Katarina Barley (SPD). Wer für das Datenleck verantwortlich ist und welche Motivation dahintersteckt, ist bislang unklar. Auch, ob alle Daten authentisch sind, ist zunächst offen. Der Inhaber des genannten und inzwischen gesperrten Twitter-Accounts beschreibt sich selbst mit Begriffen wie Security Research, Satire und Ironie. Die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz warnte am Freitag in Berlin, es könnten auch gefälschte Daten in das Material eingeschleust worden sein. Die Bundesregierung weiß noch nicht, auf welche Art und Weise die Daten abgeflossen seien.



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