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„Das werden 100 Hochwasser in 100 Jahren“

Vehlen (rnk). Als am letzten Freitag das Hochwasser kam, ist Thomas Knickmeier von der „Bürgerinitiative gegen den Bau eines Krankenhauses in der Feldmark Vehlen“ dorthin gefahren, wo das Klinikum seinen Platz finden soll. Dort war Land unter. Jetzt wird die Petition, die die Bürgerinitiative dem niedersächsischen Landtag, der Stadt Obernkirchen und dem Landkreis Schaumburg übergeben hat, noch einmal um weitere Punkte nachgebessert.

Es war ja nicht einmal ein schlimmes Hochwasser, stellt Knickmeier klar, es war nichts Ungewöhnliches: „In 100 Jahren haben wir hier in Vehlen 100 mal ein derartiges Hochwasser“, was direkte Anlieger auch bestätigen würden. Es handelt sich hier, so Knickmeier weiter, „um Feuchtwiesen und Bereiche, in denen sich das Hochwasser ausdehnen kann. Eventuelle Baumaßnahmen, Dränagen, Kanalisierungen, Dämme und Straßen hätten zur Folge, dass das Wasser hier zwar schneller abläuft, dafür würden die Wassermassen sich in anderen Bereichen ausdehnen, die vorher kein Überschwemmungsgebiet waren.“ Grundsätzlich halte er die Bebauung einer solchen Fläche für rechtswidrig, was jetzt zu klären sei.

Bislang gibt es zwei Nachträge zur Petition vom Juli. Nachtrag 1 betrifft das Wasserhaushaltsgesetz: Die Belange des Gesetzes zur Ordnung des Wasserhaushalts seien nicht oder nur in einem unzureichenden Maße berücksichtigt und falsch bewertet, erklärt Knickmeier.

Nachtrag 2 betrifft die Raumordnung des Landkreises Schaumburg (RROP). Die Anforderungen des erst im Jahr 2005 erstellten RROP habe man bei der aktuellen Planung völlig ignoriert, kritisiert Knickmeier: Der Landkreis halte sich bei der aktuellen Planung selbst nicht an das RROP, verlange dies jedoch ständig von den Schaumburger Bürgern. Nun wolle sich der Landkreis selbst einen massiven Eingriff in die Landschaft genehmigen. Dies sei dem Bürger nicht zu vermitteln.

Knickmeier verweist auf das im Raumordnungsprogramm thematisierte Leitbild der Dezentralen Konzentration, mit dessen Hilfe „ein Ausgleich zwischen konkurrierenden Raumnutzungsansprüchen erreicht werden soll, insbesondere zwischen der Siedlungsentwicklung und dem Freiraumschutz. Einer weiteren Zersiedelung der Landschaft soll entgegengewirkt werden.“ Knickmeier: „Mit dem Bau des Klinikums wird genau das Gegenteil erreicht.“

Knickmeier hat sich auch an Bückeburgs Bürgermeister Brombach gewandt. Falls die Jäger-Kaserne frei werde, könne doch dort ein Klinikum entstehen. Das sei zwar mit Blick auf die Patientenströme näher an Minden, aber dafür besser aus anderen Bereichen, etwa Rinteln, erreichbar. Brombach habe es bei einer unverbindlichen Antwort belassen, erzählt Knickmeier. Aber: „Lieber Jäger-Kaserne als grüne Wiese.“ Er kündigte zwei weitere Punkte für seine Petition an, wollte sich aber inhaltlich noch nicht äußern.

Auch Landschaftsarchitekt und Stadtplaner Georg von Luckwald vom gleichnamigen Planungsbüro hat sich am letzten Wochenende die Überschwemmung in der Gemarkung Vehlen angesehen. Der Planer kommt anschließend zu einem anderen Urteil: „Das Gelände des Klinikums liegt außerhalb des Überschwemmungsgebietes“.

Dass die Aue über die Ufer trete und sich ausbreite, das solle auch so bleiben, „aber wir werden das Überschwemmungsgebiet in Abstimmung mit dem Landkreis und dem Fachbüro, das das gesetzliche Überschwemmungsgebiet vor rund 15 Jahren bearbeitet hat, nachrechnen.“ Dass sich das Wasser hier ausdehnt, ist für den Planer kein Problem: „Es soll ja in das Überschwemmungsgebiet laufen.“

Natürlich sei dies erst einmal ein eindringliches Bild gewesen, sagt von Luckwald, als er die überschwemmten Wiesen gesehen habe, aber das sei bei Starkregen nicht anders zu erwarten gewesen.

Die Überschwemmungen des Wirtschaftsweges oberhalb des geplanten Klinikums sind auf eine unzureichende Unterhaltung zurückzuführen. Die Gräben und Durchlässe oberhalb des geplanten Klinikums befänden sich „in einem grausigen Zustand“, auch, weil sich vor den Durchlässen das gerade im Rahmen der Gewässerunterhaltung gehäckselte Schnittgut angesammelt habe. Kommt das Klinikum, sagt von Luckwald, dann wird der gesamte Bereich hier oben neu gestaltet, „und zwar vernünftig“. Den Standort des Klinikums findet von Luckwald „landschaftsplanerisch suboptimal“, aus Sicht des Hochwasserschutzes dagegen „völlig unproblematisch“.

Bezüglich der von der Bürgerinitiative befürchteten zusätzlichen Belastung der Gewässer durch die vermehrte Befestigung auf dem zukünftigen Klinikgelände sieht von Luckwald überhaupt kein Problem. Für das Gelände werde ein Regenrückhaltebecken angelegt, das für ein statistisch einmal in 50 Jahren auftretendes Regenereignis ausgelegt sei. Dies bedeutet nach Aussagen von Luckwald, dass bei so einem Ereignis nach Bau des Klinikums das Regenwasser deutlich langsamer als von einer Ackerfläche abfließt.

Die Bilder zeigen es: Im Bereich des neuen Klinikums war am letzten Wochenende Land unter. Was den Chefplaner nicht weiter beunruhigt.




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