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Susanna Babst-Matejic macht alte Fahrradschläuche zu Schmuck und Leiterplatten zu Lampen

Das Wegwerfen ist so gar nicht ihr Ding

Hameln. „Die sind doch noch viel zu schade zum Wegwerfen!“ Susanna Babst-Matejic hatte eine buchstäblich abgefahrene Idee angesichts der vielen löchrig gefahrenen Rennradschläuche ihres Lebensgefährten Marc Boé. „Daraus kann man prima Schmuck herstellen“, war es der 42-Jährigen mit den langen, kastanienbraunen Haaren durch den Kopf geschossen.

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Autor:

Sabine Brakhan

Doch alte Fahrradschläuche und eine innovative Idee allein machen noch keine Ketten, Ohrringe und Broschen. „Ich habe schon als Kind alles gesammelt, was mir zwischen die Finger kam. Sehr zum Leidwesen meiner Mutter“, gesteht die Hamelnerin und kramt gedankenverloren in ihrer „Schatzkiste“.

Die große Sammelleidenschaft und die Gabe, all diesem, für andere Menschen nutzlosen Zeug mit viel Fantasie einen ganz neuen Sinn und Zweck zu geben, kamen Susanna Babst-Matejic bei ihrer beruflichen Tätigkeit in der „Kinderkunst“-Werkstatt im Kulturhaus in Bremen-Pusdorf sehr zugute. Die Kreativangebote für Kinder sollten möglichst wenige Materialkosten verursachen, und da stand fantasievolles Recycling hoch im Kurs.

Was andere Menschen achtlos an den Straßenrand stellen, um es von der Müllabfuhr abholen zu lassen, rettet die kreative Hobbykünstlerin vor dem sicheren Ende in der Verbrennung oder der Deponie. So haucht sie alter Lastwagenplane ein zweites Leben als Tasche ein oder schenkt ausrangierten Werbebannern ein neues Dasein als Papierkorb.

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Mittlerweile entsorgt ihr Lebensgefährte Marc Boé, der in Hameln einen Heizungs- und Sanitärfachbetrieb führt, viele Teile heimlich, damit die „Jäger- und Sammlerin aus Leidenschaft“ sie nicht irgendwo im Haus oder in der Garage deponiert. „Susanna kann einfach alles gebrauchen, und wenn ich sie lasse, haben wir spätestens morgen eine zur Skulptur umgearbeitete, ausrangierte Toilette im Vorgarten stehen“, sagt er.

Doch zurück zum abgefahrenen Fahrradschmuck: Als Susanna Babst-Matejic die schwarzen Gummischläuche neben dem Rennrad ihres Freundes entdeckte, musste sie nicht lange grübeln. Sie schnitt, probierte, experimentierte, fügte zusammen, was eigentlich nicht zusammengehört, und schon war eine neue innovative Schmuckidee geboren.

„Die Arbeit mit den ausgefallenen Materialien reizte mich“, erklärt die Hamelnerin die Liaison aus Jalousiebändern, Kugelschreiberfedern, Metallschrauben und -muttern, Papierperlen aus den Mustern alter Tapetenbücher und besagtem schwarzen Gummi, das einmal die Luft im Fahrradreifen gehalten hat. Auf den ersten Blick ist es schwer vorstellbar, dass diese so ganz unterschiedlichen Materialien einmal geschmackvoll unterstreichen sollen.

„Mutig drauflos kombinieren!“, lautet des Motto von Susanna Babst-Matejic, die auch einige Semester Architektur studiert hat, bevor sie sich zur Chigong-Lehrerin ausbilden ließ. Und dann kommt ihr im Schein ihrer Tischlampe, deren Schirm aus Leiterplatten besteht, die einst die Qualitätskontrolle der Produktionsfirma nicht bestanden hatten, bereits die nächste Idee. Hatte ihr Lebensgefährte Marc da nicht eben ein defektes Teil aus der Klempnertechnik in der Schrottkiste entsorgt?!

Die Ideen der Hamelner Hobbykünstlerin scheinen schier unerschöpflich. Genau wie der Kupferdraht, den sie gerade von einer nicht mehr benötigten Elektrospule abrollt …

Susanna Babst-Matejic bewahrt auf den ersten Blick nutzlose Kleinteile in ihrer Schatzkiste auf, um sie später zu Schmuckstücken zusammenzufügen.

Ein Ergebnis trägt sie um den Hals: Eine Kette aus Muttern, Unterlegscheiben und – teils aufgewickelt, teils als Ring – alten Rennradschläuchen.

Foto: sbr

Werke der Hamelnerin: Ein Kanister wurde zur leuchtenden Uhr (li.), Kleinteile aus der Schrottkiste des heimischen Sanitärbetriebes zu Schmuck (M.), Leiterplatten zur Lampe.

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