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Das virtuelle WM-Orakel

Am Donnerstag geht’s los mit der Fußball-WM. Die E-Sport-Abteilung des TSV Hamelspringe hat für die NDZ die Vorrunde schon einmal durchgespielt – an der Spielekonsole. Wir waren bei der virtuellen WM dabei – und haben schlechte Neuigkeiten für alle, die auf den fünften Stern für Deutschland hoffen.

Volle Konzentration: Thomas Janik (l.) und Dennis Hollemann spielen eine Partie an einer der vier Konsolen.

Autor

Christoph Huppert Reporter

Im Vereinsheim des TSV Hamelspringe herrscht Stadionatmosphäre. Längst ist auch hier das WM-Fieber ausgebrochen. Unter den kritischen Blicken zahlreicher Zuschauer spielen an den vier großen Monitoren, die auf dem Tisch mitten im Raum stehen, jeweils zwei Spieler die Begegnungen der WM-Vorrunde durch. „Das ist so eine Art elektronisches Orakel“, sagt Florian Schwitzky, der Leiter der TSV-Fußballsparte.

Statt des Kraken Paul von der WM 2010 kommt bei den TSVlern Hightech zum Einsatz. „Eine Playstation und drei X-Boxen“, erklärt Schwitzky. Glücksfee Sonja Stammer lässt Alexander und Niko die erste Partie ziehen. „Australien gegen Peru, ein echter Knaller“, witzeln die beiden und legen los. Gleich nebenan spielt Benjamin Schieb für Polen gegen seinen Bruder Tom, der Kolumbien zugelost bekommen hat.

„E-Sport liegt voll im Trend und boomt“, stellt TSV-Vize Sajoscha Hillebrand fest. 15 Neuzugänge habe der TSV deshalb verzeichnen können, so der 27-Jährige. „Andere Vereine sind an unserem Modell sehr interessiert, denn wir sind einer von deutschlandweit drei Sportvereinen, die diese Sparte integriert haben. Alles andere sind reine E-Sport-Vereine.“

Foto: Huppert/Archiv
  • Foto: Huppert/Archiv

Der Vorteil: E-Sportler können Vereinsmitglied sein, müssen aber nicht unbedingt in der Nähe des jeweiligen Ortes wohnen. „Viele sind heute ständig online, sodass auch das Training entweder vor Ort oder online durchgeführt werden kann.“ Und dass sich ein ausgiebiges Training auszahlt, das beweisen die TSV-Spieler an diesem Abend.

Auch wenn der Spaß im Vordergrund steht, hat viele doch der Ehrgeiz gepackt. Dennoch stellt Hillebrand fest: „Wir sind keine Profis, die das acht Stunden am Tag betreiben. Wir sind eher die Kreisklasse der E-Sportler.“ FIFA 18, so heißt das neuste Spiel mit dem die WM-Vorrunde gespielt wird. Reaktionsschnelligkeit, Taktik, Strategie und Geschicklichkeit sind die entscheidenden Erfolgskriterien. „Einfach die besten und schnellsten Spieler rein“, bringt es dagegen Alexander auf einen einfacheren Nenner.

Die Spielzeit beträgt zweimal sechs Minuten. Alle 48 Vorrundenpartien werden gespielt. Schnell wird deutlich, dass einige TSV-E-Sportler ganz erstaunliche Fähigkeiten besitzen und ihre Spieler mit ausgeklügelter Taktik über den virtuellen Rasen flitzen lassen.

Bevor der Fußballabend aber in einem Grillfest mündet, müssen die TSVler noch eine herbe Enttäuschung verdauen. Deutschland hat die Vorrunde nicht überstanden und ist nur auf dem dritten Gruppenplatz gelandet – Mitfavorit Spanien erging es genauso. „Muss in der Realität ja nicht auch so sein“, trösten sich die E-Sportler und drücken weiterhin die Daumen.

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