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Vor rund 50 Jahren: Tresorknacker-Bande hat ihren Ursprung in Bad Münder / Einbrüche bundesweit

Das Schweißgerät ist ihr Markenzeichen

Bad Münder (lil). Bad Münder mit seiner malerischen Kernstadt, seinen Heilquellen und Kliniken ist als Kur- und Bildungsstandort bekannt. Vor rund 50 Jahren machte Bad Münder jedoch aus anderen Gründen Schlagzeilen: Eine Bande, die bundesweit Banktresore knackte, hatte ihren Ursprung in der Kurstadt. Im Frühjahr 1962 widmete das Magazin „Stern“ der Gruppe eine fünfteilige Serie.

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Der Kopf der Bande ist der 1904 in Bad Münder geborene Walter Hesse*. Er hat 1950 die Bande ins Leben gerufen, deren Personal im Laufe der Jahre wechselt. Seit Ende der 50er Jahre dabei sind die münderschen Brüder Hartmut* und Ernst Jäger*. Später dazu kommen Wolfgang* und Joachim Petzold*, Herbert Pein* und Roswitha Jansen*.

Die NDZ schreibt im Juni 1961 von der „gefährlichsten Tresorknackerbande seit Kriegsende“. Insgesamt soll sie 500 000 Mark in kleinen Bankfilialen und Genossenschaften erbeutet haben. Der Münderaner Friedrich Niemeier erinnert sich heute: „Ich war ein Kind. Uns war es unheimlich, dass wir solche Leute hinter unseren Mauern hatten“, er fügt hinzu: „Man kannte die Leute ja vom Ansehen.“ Willibald Klinkert, der seit mehr als 50 Jahren in der Kurstadt lebt, weiß: „Der Hesse hat in der Süntelstraße gewohnt, die Jägers in der Osterstraße, in der Rechtskurve.“

Um die Polizei auszutricksen, sind die Männer und Roswitha Jansen nie hintereinander in derselben Gegend aktiv. Am meisten von ihren stets nächtlichen Streifzügen betroffen sind Banken in Niedersachsen, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg. Zum Tatort fährt die Bande mit ihrem eigenen Wagen – einem grünen BMW. Am Zielort knacken die Männer ein anderes Auto, mit dem sie zur auserwählten Bank fahren. Der BMW wird auf Feld- oder Waldwegen während des Bruchs geparkt, oft bewacht von Jansen. Wichtigstes Instrument und Markenzeichen: ein Schweißgerät, mit dem sie die Tresore öffnen. Das Gerät stehlen sie vor Ort und lassen es nach der Tat zurück. Pistolen hat die Bande zwar dabei, jedoch nur vorbeugend.

Die Beute wird geteilt. Und nach jedem Einbruch geht es in die Kneipe, um auf den Erfolg anzustoßen. Manche Mitglieder wollen die weite Welt sehen und reisen nach Berlin, Paris oder London. Hesse hütet sein Geld.

Ein Fehler unterläuft den Tätern Ende Dezember 1961 auf dem Weg ins hessische Kirchheim: Der BMW hat einen Motorschaden, Hartmut Jäger kann ihn notdürftig reparieren, sodass sie mit Tempo 40 bis zu einem Autoverleih kommen. Die Bande setzt ihre Route mit einem Leihwagen fort. Kurz vor Kirchheim klauen sie aus einer Autowerkstatt einen Volkswagen, das obligatorische Schweißgerät gleich mit. Der Einbruch in die Raiffeisenbank Kirchheim gelingt: Die Bande erbeutet rund 15 000 Mark. Zum ersten Mal nimmt Hartmut Jäger den Brenner mit, das Schweißgerät lässt er wie immer neben dem Geldschrank stehen. Den Leihwagen geben die Täter zurück – mitsamt dem Brenner hinter dem Rücksitz. Mit ihrem kaputten BMW schaffen sie es bis nach Hameln, wo sie bei Firma Siekmann einen Austauschmotor bestellen. Der Autovermieter übergibt währenddessen den Brenner der Polizei, die somit den Namen des Mannes kennt, der jüngst den Wagen gemietet hat: Wolfgang Petzold.

Schritt für Schritt kommt die Kriminalpolizei – die Beamten arbeiten von Hannover bis Würzburg zusammen – den sechs Männern und einer Frau auf die Spur. Wolfgang Petzold wird im Februar 1961 verhaftet, der Rest der Bande im Mai.

* alle Namen von der Redaktion geändert



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