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Das neue Krankenhaus – quadratisch, praktisch, gut?

Landkreis (wer). Es war die überzeugende Kraft der Schlichtheit, die den Ausschlag gab. „Wir waren verblüfft, wie einfach man das machen kann“, bringt es Dr. Dietrich Kappler, der Vorsitzende des Preisgerichts, auf den Punkt. „So einfach“ hat das Architektur-Büro „Schuster Pechthold Schmidt“ aus München das neue Schaumburger Krankenhaus konzipiert – und damit unangefochten den Architektenwettbewerb gewonnen.

Einmütig votierten die neun Preisrichter nach eineinhalb Tagen Beratung gestern für den Entwurf der Münchener Architekten-GmbH, die damit den 70 000 Euro schweren ersten Preis einstreicht. Für einen Entwurf, in dem nüchterne Effizienz vor spektakulärem Design gewinnt – und der gerade deshalb so ungeteilten Zuspruch findet. Das „Gesetz des kurzen Weges“, das den Kubus als Gebäudekörper favorisiere, wie ProDiako-Geschäftsführer Dr. Klaus Heidelberg schon in der Krankenhaus-Literatur des 19. Jahrhunderts bestätigt findet, sei hier am konsequentesten umgesetzt worden.

Der Entwurf sieht drei eng miteinander verzahnte, viergeschossige Karrees vor, die durch eine zentrale Eingangshalle erreichbar sind. Die kompakte Bauweise reduziert die Verkehrsfläche und damit die laufenden Unterhaltungskosten, ermöglicht effiziente Betriebsabläufe, schafft Synergien im Personaleinsatz, erlaubt die Trennung von unterschiedlichen Funktionsbereichen und sorgt für eine gute Energiebilanz. Kappler verlieh dem Entwurf das Prädikat „sehr wirtschaftlich“ – das höchste Lob, das an diesem Tag vergeben wurde.

Optisch wird die Variante als „attraktiver Gebäudekomplex“ gewürdigt. Ein kreatives Wagnis indes ist sie nicht. Andere Planer haben sich weiter aus dem Fenster gelehnt, die Bettenhäuser als überdimensionale Blume arrangiert oder zu einer Arche Noah komponiert. Aber gerade die spektakulären Design-Vorschläge haben die Effizienzprüfung nur bedingt bestanden – zu lange Wege oder zu voluminöser Bau brachten Minuspunkte in der Wirtschaftlichkeit.

Der Gewinner-Entwurf dagegen ist optisch eher schnörkellos, verzichtet auf übermäßige Effekthascherei. Anders ausgedrückt: Er verbreitet beinahe Bürohaus-Flair. „Die Gestaltung der Fassade ist noch verbesserungsfähig“, räumt Kappler als Schwachpunkt ein. Die äußere Optik mit Glas-, Alu- und Holzelementen müsse nachgebessert und der Landschaft stärker angepasst werden. Auch die in den Plänen erkennbare grüne Außenfarbe sei nicht das letzte Wort – Dinge, die im „Feintuning“ mit dem Architekten problemlos geregelt werden könnten.

Im Vergleich zu den anderen Entwürfen sei der Bedarf an Nachbesserungen beim Gewinner-Konzept mit Abstand am geringsten – das Modell sei nahezu baufertig. In allen Kriterien der Bewertung lag es im vorderen Feld, in den Disziplinen Betriebs- und Pflegeorganisation war es nicht zu toppen.

In „fast überraschender Weise“ habe das Preisgericht derart einhellig und harmonisch zum Konsens gefunden, bilanzierte der Jury-Vorsitzende. Unabhängig voneinander kamen die fünf Fachpreisrichter (mit eher architektonischem Blick) und die vier Sachpreisrichter (eher für die betriebswirtschaftlichen Belange zuständig) zum gleichen Ergebnis. Das Votum fiel so eindeutig aus, dass auf die Vergabe eines zweiten Platzes bewusst verzichtet wurde.

Auf dem dritten Rang (mit einem Preisgeld von immerhin noch je 38 500 Euro) liegen die Berliner Planungs- und Architektenbüros „Hascher + Jehle / Monnerjahn Kast Walter“ sowie die Stuttgarter „AEP Architekten Eggert Generalplaner GmbH“. Der vierte Preis (21 000 Euro) geht an „TMK Architekten Ingenieure“ aus Düsseldorf. An drei weitere Entwürfe wurden wegen besonderer architektonischer Leistungen Anerkennungen in Höhe von je 14 000 Euro verliehen. Insgesamt sei das Niveau der Bewerbungen überdurchschnittlich hoch gewesen, bilanzierte der Experte Kappler.

In den politischen Vorreden war das Weihevolle des Moments zu spüren – und das Wort „Meilenstein“ nicht zu überhören. ProDiako-Geschäftsführer Claus Eppmann betonte, wie wichtig neben der Funktionalität der neuen Klinik eine Aura „emotionaler Sicherheit“ für die Patienten sei. Kurze Wege seien nicht nur ein Argument betrieblicher Effizienz, sondern auch ein wichtiger Wohlfühl-Faktor für die Patienten.

Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier sprach von einem „Leuchtturm der Infrastruktur“ in Schaumburg – allerdings sei mit der Prämierung des Gewinners nur ein Etappenziel erreicht, größere Steine müssten noch aus dem Weg geräumt werden. Für die Stiftung Bethel würdigte Klaus Dieter Vogt die historische Bedeutung der Stunde.

Mit den vier Preisträgern beginnen jetzt konkrete Vertragsverhandlungen. Nicht automatisch erhält der Gewinner des Wettbewerbs auch den Zuschlag für den Bau des Krankenhauses. Allerdings hält er die besten Karten in der Hand. Bis Ende des Monats sollen konkrete Vertragsangebote der Architekten auf dem Tisch liegen. Je früher ProDiako die Verträge unter Dach und Fach bringt, desto eher können die notwendigen Fördermittel beim Land Niedersachsen beantragt werden.

Taktisch nicht ungeschickt ist in diesem Zusammenhang, dass mit Baudirektorin Elisabeth Meyer-Pfeffermann, Referentin für Krankenhausbau der Oberfinanzdirektion, und Guido von den Benken, Referent für Krankenhausplanung im Sozialministerium, gleich zwei Vertreter des Landes als Preisrichter in die Entscheidung eingebunden wurden.

Nur der Phantasie entspringt übrigens die Interpretation, die in den drei gleich großen Baukörpern im Gewinner-Entwurf Reminiszenzen an die Altstandorte Rinteln, Bückeburg und Stadthagen erkennt. Gänzlich abwegig ist der Gedanke indes nicht. Dem Vernehmen nach hat ein anderer Bewerber seine drei Gebäudeteile tatsächlich nach den Altstandorten benannt. Er wurde früh aus dem Rennen genommen.

Aus Richtung Südwesten wird das neue Klinikum im Münchener Entwurf erschlossen: Eine zentrale Eingangshalle führt zu den drei eng miteinander verzahnten Karrees.




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