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... und Falten sind nicht als ein Zeichen menschlicher Reife / Eine Begegnung mit Simone Fleck im Bad Eilser Kurtheater

Das Lachen hilft den Menschen, schmerzfrei zu altern ...

Bad Eilsen (sig). Lachen hält gesund. Wenn diese Aussage stimmt, haben die Besucher im Kurtheater Freitagabend eine intensive Heilbehandlung erlebt. Verabreicht wurde sie von Simone Fleck, einer Alleinunterhalterin, die es schafft, zwei Stunden keine Langeweile aufkommen zu lassen und für lockerste Stimmung zu sorgen.

Kaum war eine Lachsalve verebbt, rollte die nächste heran. Zuweilen blieb kaum Zeit zum Luftholen, da prusteten schon die nächsten Zuhörer los. Was ist dran an dieser Frau, die fähig ist, vom ersten Augenblick an so gute Laune zu verbreiten? Zu einem guten Teil trägt ihr intensiver Dialog mit dem Publikum bei. Fleck kommt nicht aufgepeppt mit dem Gongschlag hinter dem Vorhang hervor, sondern ist ohne Ankündigung mittendrin im Geschehen. Sie steht plötzlich im Saal und fängt dort das Gespräch mit Menschen an, die in ihrer Sichtweite sind. Das macht sie auf eine amüsante und zuweilen auch durchaus provozierende Weise, sodass selbst diejenigen zu lachen beginnen, die sie noch gar nicht zu Gesicht bekommen haben. Im Grunde steckt hinter dem Motto "Körper welken" nichts Ermunterndes. Und dann kommt Simone Fleck auch noch daher und erdreistet sich zu sagen: "Ich schau mir das Publikum an, wie weit es zu dem Titel passt. Die letzte Reihe ist sehr apart gewelkt. Manche Frauen tun das wie Trockenbeeren. Sie sollten bauchfrei herumlaufen, das lenkt vom Gesicht ab." Gleich danach hält sie die schwerlich ernst zu nehmende Empfehlung parat: "Machen Sie Bungee-Jumping; das soll die Falten straffen." Wenn Frauen sich bemühen, flott zu bleiben, dann mache das zweifellos jünger, vor allem aber von hinten. Der Anblick von vorn verrate leider die ganze Wahrheit. Fleck kennt das Leben. Ihre Erfahrungen fließen ein in die Bühnenshows, die sie seit zwei Jahrzehnten als freie Schauspielerin und Entertainerin gestaltet. Hinderlich für diese Karriere waren ihre vorausgegangenen Berufe nicht. Angefangen hatte sie als Designerin und diplomierte Pädagogin. Mit den Männern hat sie offensichtlich auch sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht, Frauen ihres Alters hätten, so meint sie in ihrer schriftlich niedergelegten Lebensbeichte (Titel: "Eine Frau wird erst schön an der Pfanne") auf dem freien Markt keine großen Chancen mehr. Da gäbe es im Ausverkauf nur noch verschuldete Familienväter, abschleppgeile Singles, beziehungsfeindliche Lustmolche, pubertierende Muttersöhnchen und Sado-Maso-Fans. Fleck revanchierte sich auf ihre Art an dieser Klientel, deren Bewegungsdrang sie zu nützlichen Hausmänner-Tätigkeiten umfunktionierte. Nicht gerade verheißungsvoll war der Vorgeschmack auf das Leben im Altersheim, das sie karikierte. Mit wenigen Handgriffen verwandelte sie sich in eine gehbehinderte Greisin mit Kunstgebiss. Am Ende war man froh, dass sie mit ihren weiblichen Reizen nicht geizte und jeder Zuschauer den Eindruck gewann: Fleck ist für die Männerwelt noch kein hoffnungsloser Fall irgendwo zwischen Domina, Zicke und Hausmütterchen. Und dass es besser ist, Falten zu haben als konturlos durchs Leben zu laufen - das glaubt man ihr ebenfalls.




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