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Regionspräsidenten-Wahl: Die Kandidaten im Interview / Heute: Hauke Jagau (SPD)

„Das Klinikum ist für mich Chefsache“

Springe. Es geht nicht nur um Europa bei der Wahl am 25. Mai: Um das Amt des Regionspräsidenten kämpfen gleich sechs Kandidaten. Der NDZ stellen sich alle Bewerber zum Interview. Mit Hauke Jagau (SPD) sprachen Chefredakteur Marc Fügmann und Christian Zett, Chef vom Dienst.

Hauke Jagau

Springe. Es geht nicht nur um Europa bei der Wahl am 25. Mai: Um das Amt des Regionspräsidenten kämpfen gleich sechs Kandidaten. Der NDZ stellen sich alle Bewerber zum Interview. Mit Hauke Jagau (SPD) sprachen Chefredakteur Marc Fügmann und Christian Zett, Chef vom Dienst.

Wenn man liest, was Ihre Gegenkandidaten so sagen, könnte man meinen, Sie haben die letzten Jahre so ziemlich alles falsch gemacht.

So viel lese ich gar nicht davon. Und mal ehrlich: Bei so einem großen Verwaltungsapparat wie der Region muss man die Linie festlegen, man kann aber nicht alles richtig machen. Wir haben viel geschafft und verändert: Der Nahverkehr ist ausgebaut und verbessert, zuletzt im Winter mit den Sprinter-Zügen. Wir sanieren Krankenhäuser und haben ein Sozialticket geschaffen. Um inhaltlich etwas zu ändern, braucht man Geld. Wir werden jetzt im vierten Jahr hintereinander Schulden abbauen. Wir hatten mal knapp 500 Millionen Euro Kassenkredite, also eine Art Dispo – Ende 2013 waren es 290 Millionen. Natürlich helfen die Rahmenbedingungen: eine gute Konjunktur und niedrige Zinsen. Die Chance zur Entschuldung nutzen wir, obwohl wir weiter zum Beispiel in Schulen und Straßen investieren.

Der Nahverkehr ist ein Schwerpunkt für Sie, aber Sie setzen viel auf die S-Bahn. Wer Busse braucht, bleibt auf der Strecke?

Nein, auch da verstärken wir – aktuell bei den Zubringern für den Bahn-Nachtverkehr. Auf vielen Buslinien garantieren wir unter der Woche einen stündlichen Bustakt, am Wochenende einen zweistündlichen. Damit steht die Region niedersachsenweit mit Abstand am besten da.

Umgekehrt sitzen in manchen Bussen nur zwei Leute. Ist das noch sinnvoll?

Klar, wenn die Fahrgastzahlen dauerhaft unter einem bestimmten Wert liegen, müssen wir die Linien überprüfen. Aber der Gedanke geht weiter: Wie sieht die Zukunft einer Ortschaft aus, in der es keine Schule, keinen Kindergarten und keine Einkaufsmöglichkeiten mehr gibt? Das ist eine Frage, die mich beschäftigt.

Jetzt haben wir gehört, womit Sie zufrieden sind. Aber zum Beispiel mit dem Thema Müll-Reform haben Sie sich nicht so wirklich einen Gefallen getan.

Man darf nicht vergessen, dass wir das nicht aus freien Stücken angefasst haben. Herr Wicke von der CDU hat geklagt und vom Oberverwaltungsgericht Recht bekommen. Aber mit den Vorgaben des Gerichts ist das Sacksystem so wie bisher nicht mehr aufrechtzuerhalten; eine Rolle würde etwa 45 Euro kosten. Also haben wir überlegt: Wie bekommt man das hin? Wenn wir Stadt und Umland komplett getrennt hätten, wären alle Synergien weg gewesen. Insgesamt hat die aha 34 Rechnungen und Vorschläge gemacht, sie immer wieder nachgebessert, weil wir unzufrieden waren. Und auch mit der jetzigen Lösung ist keiner glücklich.

Sie auch nicht?
Glücklich bin ich nicht, aber wir erfüllen die Vorgaben des Gerichts. Und keine andere Fraktion hat ein alternatives Konzept vorgelegt, weil es einfach ausgesprochen schwierig ist. Aber wir mussten etwas verändern. Der Irrtum ist, zu glauben, dass es eine hundertprozentig individuelle, gerechte Lösung gibt.

Ein Kritikpunkt ist, dass die Mindest-Müllmenge viel zu hoch ist. Manche Leute produzieren ja kaum Restabfall, weil sie sauber trennen.

Die Restmüllmenge, die die Leute produzieren, ist in den letzten Jahren tatsächlich zurückgegangen. Aber die Systemkosten für Fahrzeuge oder Personal sind eher gestiegen. Wer dann nur zahlen will, was er tatsächlich verbraucht, der sorgt dafür, dass es keine kostenfreien Wertstoffhöfe und keine Grüngutannahme mehr gibt, denn die zahlen bisher alle zusammen. Wer heute sagt: Ich zahle zu viel, der will, dass alle anderen mehr bezahlen. Denn aha verteilt die Kosten und macht keine Gewinne.

Viele Springer fragen sich, was mit ihrem Krankenhaus passiert. Sie halten sich bislang immer zurück bei dem Thema.

Diese Debatte ist künstlich, mir sind keine Schließungspläne bekannt. Ich will, dass wir weiter eine gute, wohnortnahe Versorgung in öffentlicher Hand haben. Springe ist durch die Kooperation mit Gehrden gut aufgestellt und ich wünsche mir, dass das so bleibt. Aber das Ziel ist, bis 2017/2018 im gesamten Klinikum kostendeckend zu arbeiten. Und ich verspreche vor einer Wahl nichts, bei dem ich nicht hundertprozentig sicher sein kann, dass es haltbar ist.

Spielt denn die Größe des Krankenhauses überhaupt so eine große Rolle?

Es gibt Stimmen in der Qualitätssicherung, die sagen, bestimmte Operationen müssten zum Beispiel 150 Mal im Jahr erfolgen, damit sie hinreichend sicher sind. Und die kommen zu dem Ergebnis, das Häuser unter 300 Betten zu klein sind. Aber wegen der guten Kooperation von Springe und Gehrden erreichen wir in der Kombination die entsprechenden Werte.

Warum übernehmen Sie nicht den Aufsichtsratsvorsitz, machen das Klinikum zur Chefsache?

Das Klinikum ist für mich Chefsache. Ich kümmere mich sehr intensiv darum. Die Region ist alleiniger Gesellschafter des Klinikums, dadurch kann ich mich jederzeit einbringen und Einfluss nehmen, wenn dies notwendig ist. Da muss ich nicht vorne im Aufsichtsrat sitzen. Wir haben kompetente Leute und eine Strategie.

Was sind für Sie die größten Herausforderungen für die Region?

Wir müssen uns darum kümmern, dass die Leute auch im Alter hier gut leben können, am besten zuhause. Mit unseren Pflegestützpunkten sind wir da auf einem guten Weg. Aber wichtig ist mir auch der Übergang von der Schule in den Beruf. Das Neustädter Modell, die Zusammenarbeit von Schulen und Berufsschulen, ist ein großer Erfolg, mittlerweile gibt es 35 solcher Kooperationen. Wir müssen dafür sorgen, dass es hier genug gut bezahlte Arbeit gibt. Dafür braucht man auch eine gute Wirtschaftsförderung.




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