×
„Alles hat seine Zeit – Advent ist im Dezember“ / Kirchengemeinden stimmen auf besinnliche Weihnachten ein

„Das Kirchenjahr ist ein Lebensmittel“

An der Berechnung der Adventszeit hat sich seit Jahrhunderten nichts verändert. Die vier Wochen vor Weihnachten stehen ganz im Zeichen der Ankunft Christi. Was sich im Lauf der Jahrhunderte verändert hat, ist die Einstellung der Menschen zu Advent, Kirchenjahr und Weihnachten. Statt Besinnlichkeit und Stille gibt es Weihnachtsrummel – und seit acht Jahren die Aktion „Advent ist im Dezember“ der Evangelischen Kirche.

Autor:

Benjamin Schrader

Seit September stehen die Schokoladen-Nikoläuse in den Supermarkt-Regalen, seit Anfang November sind Weihnachtsbier und Christkindl-Glühwein zu haben – und in den großen Kaufhäusern sind überdimensionale Gabentische aufgestellt und mit allerlei Geschenkanregungen dekoriert. Die weihnachtliche Vorfreude beschränkt sich mittlerweile nicht mehr auf die vier Adventswochen, sondern beginnt bereits im Altweibersommer.

Diese Entwicklung nahm sich Margot Käßmann, Bischöfin der Hannoverschen Landeskirche, 2001 zum Anlass die Aktion „Alles hat seine Zeit – Advent ist im Dezember“ zu initiieren. Drei Jahre später wurde die Aktion von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) übernommen. Mittlerweile beteiligt sich bundesweit eine Vielzahl von Kirchengemeinden an der Initiative.

Der Advent hat im Kirchenjahr und in der christlichen Religion eine herausgehobene Bedeutung. „Mit dem ersten Advent beginnt das neue Kirchenjahr“, erklärt Josef Kalkusch, Pressesprecher der Schaumburg-Lippischen-Landeskirche und zugleich Pastor in Sachsenhagen. Der vorhergehende Totensonntag ist jedoch nicht nur das Ende des Alten Kirchenjahres, zum letzten Mal stehen auch der Tod, das Jüngste Gericht und das Ewige Leben im Mittelpunkt von Liturgie und Gemeindeleben. „Der Ewigkeitssonntag gehört zu den sogenannten Kalendertrauertagen. Allerseelen, Totensonntag, Ewigkeitssonntag, das ist der Riegel, der erst weggeschoben werden muss, ehe wir die ersten Türen am Adventskalender öffnen“, betont Kalkusch.

Sichtbares Zeichen des neuen Kirchenjahres ist der Farbwechsel auf dem Altar. Während der drei letzten Sonntage im alten Kirchenjahr ist Schwarz die Liturgiefarbe. Viele Gemeinden verzichten zudem gänzlich auf Altarschmuck. „Die Liturgiefarbe während der Adventszeit ist Violett als Farbe der Buße und der Fastenzeit“, sagt Kalkusch. Nach christlicher Tradition soll die Zeit vor Weihnachten zudem durch Gebete und gute Werke geprägt sein.

Der Begriff Advent stammt vom Lateinischen advenire, was so viel wie „herankommen“ bedeutet. Der Advent ist in der Liturgie die Vorbereitungs- und Wartezeit auf die Ankunft Jesu und seine erhoffte Wiederkehr am Ende der Zeiten. Jeder der vier Sonntage vor Weihnachten hat ein eigenes Gepräge: Der erste Advent hat den Einzug Jesu in Jerusalem zum Thema, während des zweiten Advent steht die Wiederkehr Christi im Mittelpunkt, am dritten Advent liegt der Fokus auf Johannes dem Täufer, und am vierten Advent geht es um Maria. Die ersten Belege für eine Adventsliturgie stammen aus dem vierten Jahrhundert von der Iberischen Halbinsel und aus dem damaligen Gallien. Mit der Initiative „Advent ist im Dezember“ wollen Kalkusch und seine Kollegen die Menschen für diese Bedeutung der Vorweihnachtszeit sensibilisieren. Allerdings gehe es nicht darum, den Menschen die Vorfreude auf das Hochfest madig zu machen.

Anfangs stieß die Initiative nach Angaben des Pastors bei vielen Unternehmern auf Skepsis. Angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung von Weihnachten sei dies kein Wunder gewesen, so Kalkusch. Doch dies habe sich im Lauf der Jahre verändert. „Viele Leute teilen das Anliegen der Aktion, und wir treffen mittlerweile auf große Zustimmung“, so Kalkusch. „Viele Kommunen warten jetzt mit der weihnachtlichen Dekorierung bis nach Totensonntag.“

Ein weiterer Aspekt der Aktion „Advent ist im Dezember“ ist nach Angaben von Kalkusch, die große Bedeutung des Advents für den gesamten kirchlichen Jahresablauf deutlich zu machen. „Das Kirchenjahr prägt nicht nur die christliche Kultur, es macht auch die Facetten der menschlichen Existenz sichtbar“, erklärt der Pastor. Die Ausgestaltung der christlichen Feste und Feiertage gebe daher auch eine Hilfe zum Leben. Die Ursprünge vieler Regeln und Feste orientieren sich am Zyklus der Natur. So stehen Ostern und Frühling, Pfingsten und der frühe Sommer, Erntedank und der Herbst in einem engen Zusammenhang. „Das Kirchenjahr ist eine Hilfe zum Leben – ein Lebensmittel“, erklärt der Pastor.

Aktionen in der Adventszeit

So folgt auf den Ewigkeitssonntag mit dem Erinnern an Verstorbene an diesem Wochenende die Adventszeit mit ihrer stillen Vorfreude. „Das Kirchenjahr verbindet letztlich das Leben Jesu mit Gefühlen aus dem Alltag.“ Dazu gehöre auch das Nachdenken über bestimmte Werte, so Kalkusch. Stattdessen machen sich viele Menschen Stress beim Einkauf der Weihnachtsgeschenke und dehnen die Vorweihnachtszeit immer weiter aus. „Es hat sich in den vergangenen Jahren herausgestellt, dass wir schon sehr früh im Würgegriff des Weihnachtsrummels gefangen sind.“ Angesichts dieser Entwicklung drohe der kirchliche Sinn von Advent verloren zu gehen.

Mit zahlreichen Aktionen wollen die Kirchengemeinden eine besondere Atmosphäre schaffen, um den Menschen dazu Gelegenheit zu bieten. „Es ist wichtig, dass man sich nicht unter Druck setzen lässt“, betont Kalkusch. Statt sich Stress bei Weihnachtseinkäufen zu machen, gehe es um Besinnlichkeit. Die Kirchengemeinden im Schaumburger Land bieten zahlreiche Aktionen an, wie Konzerte, lebendige Adventskalender, Bastelnachmittage für Kinder und Adventsfeiern, darüber hinaus werden Kinderbibelwochen, Adventsfreizeiten und Basare angeboten, um die Zeit bis zum Heiligabend zu verkürzen. Ein Ausschnitt:

Die Kirchengemeinde Sülbeck öffnet von Montag, 30. November, bis Mittwoch, 23. Dezember, täglich um 18.15 Uhr eine Tür des „Lebendigen Adventskalenders“ mit einer kurzen Andacht vor unterschiedlichen Häusern in der Gemeinde. Am 2. Advent singt der Chor „kreuz und quer“ in der Sülbecker Kirche. Auf dem Spielplan stehen außer modernen deutschen Weihnachtsliedern auch afrikanische Gesänge. Beginn ist 19.30 Uhr. Zum 3. Advent spielt um 16 Uhr die Ratsband Stadthagen auf. Der Gottesdienst am 4. Advent um 10 Uhr steht unter dem Motto „Up-to-date – Karibische Weihnachten.“

Am 28. November öffnet rund um die Christuskirche in Bad Eilsen ein Weihnachtsmarkt. Beginn ist um 10 Uhr, Ende um 18 Uhr. Der Erlös kommt humanitären Projekten zugute.

Mit einem Familiengottesdienst in St. Martini feiert die Stadthäger St.-Martini-Gemeinde um 10 Uhr am 29. November,den 1. Advent. Parallel dazu findet ein Adventsgottesdienst im Jakob-Dammann-Haus statt. Am 2. Advent stehen von 11 bis 13 Uhr im Marie-Anna-Stift Eintopf-Essen und ein kleiner Basar auf dem Programm. Am Samstag, 12. Dezember, geben die „Spiritual Voices“ ab 17 Uhr in der St.-Martini-Kirche ein Gospelkonzert. Am Samstag, 19. Dezember, führen Kultur Stadthagen, das Vokalensemble Stadthagen, der Wolfsburger Kammerchor, das Johann-Rosenmüller-Ensemble und Solisten unter Leitung von Christian Richter und Markus Manderscheid in der St.-Martini-Kirche Claudio Monteverdis Marienvesper auf. Beginn ist um 19 Uhr.

Die Kirchengemeinde Wendthagen ist mit ihrem „Lebendigen Adventskalender“ in zahlreichen Häusern in der Gemeinde zu Gast und hält dort jeweils kleine Andachten. Die Türen des Kalenders werden montags bis freitags jeweils um 18.30 Uhr geöffnet. Beginn ist am Dienstag, 1. Dezember, Ende am Sonnabend, 19. Dezember. Am Freitag, 18. Dezember, gibt es um 19 Uhr in der Rogate-Kirche ein Gospel-Konzert mit der Gruppe „Spiritual Voices“. Anlässlich des 3. Advents am 13. Dezember tritt um 15 Uhr der Kinderchor des Gesangvereins „Einigkeit“ Sülbeck auf.

In der Kirchengemeinde Meerbeck ist am 1. Advent von 11 bis 17 Uhr rund um die St.-Bartholomäus-Kirche Weihnachtsmarkt. Für den 3. Advent am 13. Dezember laden Gemeinde und Siedlerbund zur Seniorenadventsfeier ins Gemeindehaus ein. Der 4. Advent wird ab 10 Uhr mit Besuchen der Kinder der Kirchengemeinde bei älteren Menschen ab 90 Jahren gefeiert.

Die Kirchengemeinde Bückeburg feiert den 1. Advent mit einem Adventskonzert des Posaunenchors und Kai Kupschus an der Orgel in der Stadtkirche. Beginn ist 16 Uhr. Am 2. Advent beginnt um 11 Uhr das Eintopfessen zugunsten der Kindernothilfe mit Flohmarkt und Kirchenkaffee. Am 3. Advent kommt das Friedenslicht aus Bethlehem in Hannover an. Die Bückeburger Pfadfinder holen das Friedenslicht nach Bückeburg und tragen es in die Familien, Kirchengemeinden und öffentlichen Einrichtungen. Den 4. Advent feiert die Gemeinde um 16 Uhr mit einem Ökumenischen Krippenweg. Start ist in der Schlosskirche. Stationen sind die katholische Kirche und die Jetenburger Kirche.

In der Kirchengemeinde Steinbergen wird der 1. Advent am 29. November um 16 Uhr mit Adventssingen in der Kirche gefeiert. Der 2. Advent wird um 10 Uhr mit einem Familiengottesdienst gefeiert.

Mit einer Adventsfreizeit auf Spiekeroog feiert die Kirchengemeinde Vehlen den 1. Advent. Darüber hinaus gibt es am 1. und 2. Advent Adventsgottesdienste in der Kirche in Vehlen. Am Mittwoch, 9. Dezember, stehen eine Bibelstunde ab 15 Uhr und eine Weihnachtsfeier auf dem Programm. Der Seniorentreff lädt für Freitag, 11. Dezember, zur Weihnachtsfeier. Der „InChristus-Chor“ gibt am Samstag, 12. Dezember, ein Jubiläumskonzert von 19.30 Uhr an. Den 3. Advent feiert die Gemeinde mit einem Festgottesdienst, den 4. Advent mit einem Gottesdienst und einer Weihnachtsfeier mit Kindergottesdienst.




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt