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Bauarbeiter beginnen wegen der Hitze früher – und Anwohner beschweren sich

„Das habe ich noch nicht erlebt“

Es ist heiß. Während sich viele Menschen in klimatisierte Gebäude oder den Schatten flüchten, gibt es auch Berufsgruppen, die diese Möglichkeit nicht haben – allen voran Bauarbeiter und Handwerker. Um besonders der Mittagshitze zu entgehen, verlegen viele Unternehmen derzeit ihre Arbeiten in die frühen Morgenstunden

Für Bauarbeiter ist die Arbeit unter freiem Himmel bei der anhaltenden Wärme belastend. Foto: dpa
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Johanna Lindermann Redakteurin zur Autorenseite

HAMELN/BAD MÜNDER. Es ist heiß. Sehr heiß. Während sich deshalb viele Menschen in klimatisierte Gebäude oder in den Schatten flüchten, gibt es auch Berufsgruppen, die genau diese Möglichkeit nicht haben – allen voran Bauarbeiter und Handwerker. Um besonders der Mittagshitze zu entgehen, verlegen viele Unternehmen derzeit ihre Arbeiten in die frühen Morgenstunden. Doch mit dieser Strategie hat sich eine Baufirma nun Ärger eingehandelt.

Das Bauunternehmen aus Bad Münder, das namentlich nicht genannt werden möchte, ist derzeit im Baugebiet „Auf dem Berge“ in Haverbeck tätig. Aufgrund der hohen Temperaturen haben die Mitarbeiter bereits um 6.30 Uhr mit der Arbeit begonnen und unter anderem eine Handkreissäge benutzt. Wie der Firmeninhaber gegenüber unserer Zeitung berichtet, erhielt er kurz darauf einen Anruf vom Ordnungsamt, dass sich ein Anlieger in der Nähe der Baustelle über den Lärm zu dieser Uhrzeit beschwert habe. Für das Ordnungsamt hat er Verständnis, aber über die Beschwerde des Anliegers ärgert er sich doch. Die Firma würde bereits seit Jahren in heißen Sommern ihre Arbeiten in den frühen Morgen verlagern – „und dass sich da jemand beschwert, habe ich in meinem ganzen Berufsleben noch nicht erlebt“, sagt der Baufirmen-Chef.

Dabei ist es keine Seltenheit, dass Bauunternehmen aktuell bereits früher mit der Arbeit beginnen. „Es gibt Arbeiten, die draußen ausgeführt werden müssen und die sich eben nicht aufschieben lassen. Dann fangen wir teilweise um fünf Uhr an, damit die Mitarbeiter um 14 Uhr nach Hause können“, sagt zum Beispiel Andreas Zachej vom AZ-Bauservice. Dass sich dann jemand beschwere, habe er auch schon erlebt, „allerdings in Hannover“. Doch Zachej sieht das gelassen. „Das kommt vor. Damit muss man leben und sich darüber hinwegsetzen.“

Auch bei A&KG-Bauelemente beginnt der Arbeitstag aktuell noch früher als sonst: „Wir stehen um vier Uhr auf und fangen gegen fünf Uhr an, damit wir bis 13 Uhr fertig sind“, berichtet Inhaber Kevin Golembiewski. Derzeit ist das Bauteam nämlich im Außenbereich beschäftigt. Den frühen Arbeitsbeginn hat Golembiewski allerdings zuvor mit den Nachbarn abgesprochen. „Wir haben vorher gefragt, und alle waren einverstanden. Es ist ohnehin ein Baugebiet“, erzählt er. Aber auch er hat bereits Erfahrungen mit Bürgern, die sich beschweren. „Wir haben mal den Betonmischer fünf Minuten zu lange laufen lassen, als schon Mittagszeit war.“ Sein Tipp lautet daher: „Immer vorher die Nachbarn fragen.“

Übrigens: Ein „Hitzefrei“ für Bauarbeiter gibt es nicht. Es gebe keine gesetzlichen Vorgaben für Bauarbeiter bei konkreten Temperaturen, weder bei hohen noch bei niedrigen, erklärt Iris Grundmann, stellvertretende Pressesprecherin des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. „Arbeitgeber sind aber angehalten, eine Gefährdung ihrer Mitarbeiter auszuschließen.“ Dazu gehöre etwa, die Arbeiter auf angemessene Kleidung und Sonnenschutz hinzuweisen – wie etwa Tücher unter dem Helm, die Hals und Nacken schützen. Aber der Arbeitgeber könne auch entscheiden, die Arbeiten zum Schutz der Angestellten zeitlich nach vorne zu verlegen. „Für alle, die momentan draußen arbeiten, bleibt nur zu hoffen, dass es bald kühler wird“, fügt Grundmann hinzu.



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