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„Das Gegenteil von Liebe ist Gleichgültigkeit“

Bad Münder. „Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit“, zitierte Bürgermeister Hartmut Büttner in seinen Begrüßungsworten Friedensnobelpreisträger Eli Wiesel. Zum Gedenken an die heute vor 70 Jahren erfolgte Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz hatte der „Arbeitskreis Gedenkkultur“ zu einem Konzert mit dem von Andor Izsák geleiteten Europäischen Synagogalchor eingeladen. Wie Büttner brachten auch die Besucher im voll besetzten Martin-Schmidt-Konzertsaal Interesse und Betroffenheit zum Ausdruck.

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Die durch Unterstützung der Calenberg-Grubenhagenschen Landschaft sowie der beiden örtlichen Geldinstitute ermöglichte Veranstaltung stellte sakrale wie weltliche Gesänge in den Mittelpunkt. Der 18-köpfige Chor präsentierte dabei etwa eine im Gesamtwerkverzeichnis Franz Schuberts nicht aufzufindende, seinerzeit für die Wiener Synagoge verfasste Vertonung des 92. Psalms sowie mit „Vayehi binsoa“ gar eine Opernkomposition von Gioacchino Rossini.

„Die Cantoren der Synagogen waren reine Magier“, erläuterte Andor Izsák in einer seiner ernsten wie zugleich auch sehr unterhaltsamen Zwischenmoderationen. Cantoren seien Vorbeter, nicht zu vergleichen mit den gleichfalls Kantor genannten Kirchenmusikern in christlichen Gemeinden. Gerade in den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hätten viele weltbekannte Opernsänger wie Jan Kipura und Joseph Schmidt gerne in Synagogen gesungen.

Überaus spannend war auch Izsáks Schilderung der Auffindung verschollen geglaubter Synogogal-Kompositionen wie Alfred Roses „Jigdal“, das zum Schluss des Konzerts erklang. Insbesondere Cantor Benjamin Z. Maissner, der Enkel des berühmten hannoverschen Cantors Israel Alter, beeindruckte die Zuhörer nicht nur mit dem „Kaddisch“, sondern gab, an der Orgel begleitet von Alexander Ivanov, einen Einblick in die Vielfältigkeit synagogaler Musik.

Deren emotionale Wirkung fasste Konzertbesucher und Klassikfreund Ernst Jürgen Kirchertz wie folgt zusammen: „Das war bewegend und berührend, wunderbar präziser Gesang, faszinierend vor allem die Stimme des kanadischen Kantors, die immer wieder ins Brüchige zu kippen drohte, dennoch sauber und modulationsreich. Zusammen mit dem sehr professionellen Chor ein Konzert von außerordentlich hoher Emotionalität.“

„Ja, diesen Chor würden wir liebend gerne im kommenden Jahr wieder bei uns begrüßen können“, so viele Konzertbesucher beim anschließenden Gedankenaustausch im Foyer. Auch die Mitglieder des „Arbeitskreises Gedenkkultur“ erhoffen sich durch die gelungene Veranstaltung einen weiteren Schub für ihre Erinnerungsarbeit. Die soll mit der Aktion „Stolpersteine“ demnächst weiter vorangebracht werden.hzs



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