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„Das Gebäude ist nicht zu retten“

Bad Münder. Zwischen Entsetzen und Fassungslosigkeit – dass das Solebewegungsbad in keinem guten Zustand ist, war den Mitgliedern des Bauausschusses spätestens seit der Sperr-Verfügung Anfang des Monats klar, doch das tatsächliche Ausmaß der Schäden überraschte gestern Abend beim Ortstermin dann doch. Spätestens im Kriechkeller des Bades war der Politik klar, was Statiker Werner Schlesinger auf den Punkt brachte: „Das Gebäude ist auf Dauer nicht zu retten.“

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Fachbereichsleiter Uwe Hünefeld hatte Schlesinger hinzugebeten, um weitere Details des Schadensbildes und Einschätzungen zu liefern – seine eigene Auffassung sieht nicht anders aus: „Ärgste Bedenken gegen die Standsicherheit der Gebäudekonstruktion“ hat er, nachdem er in den vergangenen Tagen mit Schlesinger die Situation genauer untersuchte.

Im Bad stelle Hünefeld die zentralen Problemfelder dar, unter anderem den Aspekt des großen Wasserverlusts. Rund sieben Liter pro Minute laufen aus dem Becken, ohne dass ihr Verbleib geklärt werden kann. Ein Kubikmeter pro Tag. Und austretendes Solewasser ist ein ernstes Problemfeld, wie der Statiker und der Fachbereichsleiter aufzeigten: Über Jahre sei das aggressive Wasser ausgetreten, habe die Armierung im Beton angegriffen und zersetzt. „Teilweise findet man gar keine Armierung mehr“, machte Schlesinger deutlich.

Hünefeld bot den Ausschussmitgliedern die Gelegenheit, sich davon ein eigenes Bild zu machen. In gebückter Haltung ging es für den Ausschuss unter das Bad, im Kriechkeller traf der Zustand dann die Politik mit voller Wucht: Großflächige Salzkristalle an vielen Stellen, braune Stellen im Breton dort, wo einmal Stahl für Stabilität sorgen sollte. Und unter den Füßen eine Sohlplatte, die hohl klang, in einigen Vertiefungen schimmerte Wasser. „Das ist aber nicht das ganze Wasser, das aus dem Becken läuft. Wo es bleibt – wir wissen es nicht“, so Hünefeld. Dass es durch die gebrochene Sohlplatte abläuft, sei bislang die plausibelste Erklärung, aber eben nur eine Vermutung.

Deutlich machte Hünefeld auch, dass die Probleme keineswegs neu sind, jetzt nur der Punkt erreicht wurde, an dem eine Nutzung des Bades durch Gäste nicht mehr verantwortet werden könne. 1982 wurde das Bad erbaut, schon damals auf zumindest fragwürdigem Grund: Ein Gutachten von 1970 hielt fest, dass bis zu einer Untersuchungstiefe von drei Metern kein gewachsener Boden angetroffen werden konnte, dafür aber ein Mischboden aus wechselnden Anteilen von Faulschlamm und Bauschutt. Und: Der Grundwasserstand unter dem Gelände lag bei 50 bis 80 Zentimeter.

Bereits 1992 stellte ein Gutachter eine durch das Eindringen von Solewasser erheblich geschwächte Stahlbetonkonstruktion fest, die durch weiteres Eindringen von Solewasser immer weiter geschwächt wurde. Damals gab der Gutachter der gesamten Konstruktion noch zwei bis drei Jahre. Die Reaktion der Stadt: regelmäßige Kontrollen, ab 2006 sogar im monatlichen Rhythmus.

Das vorläufige Fazit der Begehung offenbart auch die Hilflosigkeit der Verwaltung im Hinblick auf die finanzielle Situation der Stadt: Eine Sanierung des Solebewegungsbades ist nicht möglich, jeder Euro, der dafür investiert wird, ein Euro zu viel. Dennoch werde an der eigentlich aussichtslosen Thematik weitergearbeitet. Zeitgleich, so Hünefeld, müssten aber Alternativen wie ein kompletter Neubau geprüft werden.jhr

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