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Nabu-Jugendwart für Winterfütterung

"Das bringt Kindern Action vors Fenster"

Auetal. Es ist eine alte Streitfrage: Soll im Winter gefüttert werden, soll Amsel, Drossel, Fink und Star im eigenen Garten geholfen werden? Ja, sagt Marc Jameson, Jugendwart des Naturschutzbundes Auetal - und widerspricht damit der Auffassung, dass mit dem Füttern erst begonnen werden sollte, wenn den Vögeln witterungsbedingt nur noch wenig natürliche Nahrungsquellen zur Verfügung stehen. Frank Westermann hat einmal nachgefragt.

Marc Jameson

Haben Sie schon Futterstellen eingerichtet? Ich habe schon seit Ende September Futterstellen im Garten. Der Naturschutzbund ist anderer Ansicht: nämlich, dass Fütterung nichts bringt. Und gern wird darauf verwiesen, dass der Winter zu einer natürlichen Auslese führt: Nur der Stärkere überlebt. Ich kenn' noch so einen Spruch: Man soll ja nur füttern, wenn draußen Schnee liegt. Aber nicht bei mir. Bei mir bekommt jede Art ihr artgerechtes Futter. Fettfutter für die Meisen, Körner für die Finken und Äpfel für Drosseln. Ich selber erlebe jeden Tag, wie hungrig die Vögel sind. Die Reserven in Form von Fallobst und Beeren sind schon von "Gästen" wie der Wacholderdrossel aufgebraucht. Was bleibt denn da noch für den Rest? Wenn ich jetzt beispielsweise Drosseln mit Äpfeln füttere, habe ich locker in zehn Minuten bis zu zehn Schwarzdrosseln im Garten, die sich dann darum richtig kloppen. Gibt es weitere Vorteile? Sicher. Mit der Fütterung hat man auch die Möglichkeit, seltene oder auch heimische Arten aus nächster Nähe zu beobachten. Auch und gerade für Kinder ist das sehr interessant. Deswegen biete ich ja auch die Möglichkeit, das Futter selber herzustellen. Damit haben die Kinder ein bisschen Action vor dem Fenster. Denn die Welt hat sich ja insgesamt deutlich verändert. Früher fanden die Vögel ausreichend Nahrung in den Nutzgärten, dem Stall mit Vieh, dem Hühnerstall oder auf vielen Streuobstwiesen. Heute gibt es den Kompost. Und das ist auch gut so, denn der Kompost ist für größere Arten wie Elster oder Rabenkrähe ein Futterplatz. Also ein klares Ja zur Fütterung. Nicht nur das. Klar, die Fütterung ist schon wichtig, aber wenn man den Arten wirklich helfen möchte, sollte man auch für Nistmöglichkeiten und ein reiches Nahrungsangebot durch heimische und beerentragende Gehölze im Garten sorgen. Man kann den Arten zwar über den Winter helfen, aber wenn die Umgebung nicht stimmt und sie keine Nistmöglichkeiten finden, können sie auch nicht für Nachwuchs sorgen. Auch ein Meisenring im Frühling oder Sommer schadet nicht. Die Meisen können sich dadurch stärken und haben so mehr Insekten für ihre Jungen. Ein Beispiel: Im Jahre 2007 sind viele Meisenbruten eingegangen, weilsie zu wenige Insekten fanden. Das wiederum lag am Klimawandel, der Landwirtschaft, den Pestiziden und der einseitigen Gartenbepflanzung.

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