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Das bedeutet Martin Luther Menschen in Bad Münder heute

BAD MÜNDER. Bargen Luthers 95 Thesen vor 500 Jahren noch gesellschaftlich hochexplosiven Zündstoff, so liefern sie im aktuellen Lutherjahr wertvolle Denkanstöße. In Bad Münder besinnen sich manche auf das freie Denken des Reformators. Andere fühlen sich wachgerüttelt ihre Überzeugungen in Taten umzusetzen.

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Benedikt Dittrich Redakteur zur Autorenseite

Mit dem heutigen Tag beginnt in der evangelisch-lutherischen Kirche das Jubiläumsjahr der Reformation – vom Reformationstag heute bis zum Reformationstag im nächsten Jahr wird der Thesenanschlag Martin Luthers an der Wittenberger Schlosskirche im Jahr 1517 gefeiert.

95 Thesen, mit denen Luther die katholischen Kirche im Mittelalter kritisierte, auf den Kopf stellte und am Ende auch spaltete. Der Reformator übersetzte die Bibel ins Deutsche, stellte die Schrift in den Mittelpunkt der Religion und machte sie mit der Erfindung des Buchdrucks von Johannes Gutenberg schließlich für jeden verfügbar.

Luther, der Augustiner, Theologe und Spalter. Seine Kritik, seine Vorschläge – was bedeuten sie heute, rund 500 Jahre später? Uralte Nachrichten aus dem ausgehenden Mittelalter oder noch heute brandaktuelle Ansätze? Wir haben Münderaner gefragt, was Reformation für sie heute bedeutet – evangelische und katholische Christen, fromme Menschen und Menschen, die eher selten die Kirchenbank aufsuchen.

Maria Ballmaier
  • Maria Ballmaier
Luisa Bosse
  • Luisa Bosse
Matthias Brodtmann
  • Matthias Brodtmann
Swen Fischer
  • Swen Fischer
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Für Maria Ballmaier, bedeutet Reformation „den Auftrag, immer kritisch zu bleiben.“ Die 53-jährige Katholikin sieht Luthers Erbe in einer Aufforderung: „Es geht darum, sich immer wieder zu fragen: ‚Wo bedarf es einer Korrektur?‘“ Luther als religiöser Spalter – für die stellvertretende Vorsitzende im Pastoralrat schon lange kein Thema mehr: „Ich sehe die verschiedenen Konfessionen als Bereicherung.“

Dass der Reformationstag seit einigen Jahren mit einem amerikanischen Feiertag um Aufmerksamkeit buhlen muss, ärgert den Grundschullehrer Matthias Brodtmann: „Der Reformationstag ist für mich eigentlich ein Freiheitstag.“ Doch mit den Gruselfiguren von Halloween würde das in Vergessenheit geraten. „Luther hat uns von Ängsten und Zwängen befreit. Mit Halloween kehren Ängste und Gespenster wieder zurück.“

Mit dem Jubiläum hat sich der 51-jährige Pädagoge vorgenommen, auch bei seinen Kindern wieder den Reformator in den Vordergrund zu rücken: „Die Freiheit im Denken und Fühlen, das ist die Errungenschaft der Reformation.“

Für Luisa Bosse sind die Gedanken der Reformation hingegen weit entfernt: „Medienbedingt denkt man Ende Oktober automatisch eher an Halloween.“ In ihrem Umfeld ist die 21-Jährige damit nicht allein: „Der Reformationstag ist auch in meinem Freundeskreis nicht gerade aktuell“, sagt die angehende Erzieherin, „Die 95 Thesen sind zwar noch ein Begriff – die Bedeutung ist für mich und meine Freunde aber nicht mehr so nah dran.“ Für andere 21-Jährige hingegen schon: „Man sollte den historischen Ursprung des Reformationstages bei all den Halloween-Feiern nicht vergessen“, sagt Lena Kawalek. Martin Luther, die 95 Thesen, all das, ist für die 21-Jährige Lehramtsstudentin auch persönlich wichtig: „Ich bin froh, dass ich heute Protestant sein darf, dass ich meinen Glauben so leben darf, wie ich will.“

Swen Fischer steht als Lektor öfter auch als Prediger vor dem Kirchenaltar. „Das ist meine religiöse Identität“, sagt der 49-Jährige über Luthers Wirken. „Mit Luther orientieren wir uns wieder an der heiligen Schrift“, bewertet er die Reformation. Der Banker und Politiker sieht aber auch eine politische Ebene: „Wir haben in der evangelischen Kirche eine Meinungsvielfalt und sind nicht mehr von Einzelpersonen abhängig – das hat natürlich auch was mit Demokratie zu tun.“

Bürgermeister Hartmut Büttner geht sogar noch weiter: „Ich sehe in der Reformation die Aufforderung, sich immer wieder aktiv für die Gemeinschaft einzusetzen.“ Reformation begreift der 50-Jährige auch – in Gemeinschaft mit Ballmaier und Fischer – „als Ermutigung, unsere Vorstellungen immer wieder an der Gegenwart auszurichten.“



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